2021 Fuku Info

Archiv aus dem Jahr 2021 in umgekehrter Chronologie. Das heißt: Das aktuellste folgt zuerst.          

                   - Archiv noch nicht in Gebrauch -

 (Zu den aktuellen Nachrichten)

 

30.01.2021

Hochradioaktives Wasser, Tepco erwägt Erweiterung der Lagerkapazität

Im Streit um das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks am havarierten AKW Fukushima Daiichi gelagert wird, erwägt der Betreiber Tepco nun eine Erweiterung der Lagertankkapazität.

Derzeit lagern dort etwa 1.23 Mio. Tonnen hochradioaktives Abwasser in den Tanks. Dieses Wasser wurde schon mehrfach für die Kühlung der Kernschmelzen verwendet und auch schon mehrfach „gereinigt“. Allerdings lassen sich nicht alle radioaktiven Stoffe, vor allem nicht das Tritium herausfiltern, so dass dieses neben weiteren Stoffen in hoher Konzentration vorliegt.

Nach Wünschen der Regierung soll es ins Meer geleitet werden (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Nicht nur die lokale Bevölkerung, Fischereigenossenschaft und Umweltverbände lehnen das strikt ab, sondern auch die südkoreanische Regierung. Auch im Kabinett unter dem seit September 2020 regierenden Ministerpräsidenten Yoshihide Suga (LDP) singt im Kabinett die Zahl der Befürworter, so dass der Druck auf Tepco und Regierung weiterwächst.

Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit dem hochradioaktiven Wasser, bzw. der Entschluss dazu, es ins Meer zu leiten, wollte die Regierung bereits bis Oktober 2020 getroffen haben, hatte die Entscheidung jedoch immer wieder vertagt. Grund dafür sei laut Regierung die bestehende Coronapandemie. Allerdings könne man die Entscheidung über den Umgang mit dem hochradioaktiven Wasser nicht endlos hinauszögern, so ein Regierungssprecher, der eine Entscheidung bis zum kommenden März fordert.

Laut Tepco würde die Lagerkapazität nur noch bis zum Herbst 2022 reichen. Eine Erweiterung der Kapazität kam bisher nicht in Frage. Laut Regierung habe die Wassereinleitung ins Meer, aufgrund des Verdünnungseffektes keine Folgen für Umwelt und Gesundheit; eine These, die jedoch absolut nicht haltbar ist!

 

24.01.2021

AKW Kashiwazaki Kariwa, Unbefugter in den Kotrollraum gelangt

Wie gestern erst bekannt wurde, ist bereits im September 2020 ein unbefugter Mitarbeiter mit der ID-Karte eines zutrittsberechtigten Kollegen in den Kontrollraum eines der Reaktorblöcke des AKWs Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata gelangt. Der zutrittsberechtigte Kollege habe zum fraglichen Zeitpunkt Urlaub gehabt und seine ID-Karte in das dafür vorgesehene Ablagefach gesteckt, ein Vorgang, der nach Dienstende gang und gäbe ist. Allerdings ist das Ablagefach auch für andere Mittarbeiter leicht zugänglich, weshalb der Betreiber Tepco, insbesondere in Anbetracht der neueren Terrorschutzverordnung bei der Atomaufsichtsbehörde NRA nun in der Kritik steht. So stellt die NRA nun die Kompetenz des Managements von Tepco sehr infrage, da nämlich gerade in den sensiblen Bereichen kerntechnischer Anlagen, also auch in den Kontrollräumen (Leitwarte) der Reaktorblöcke absolut strengste Einlasskontrollen zu erfolgen haben.

Das AKW Kashiwazaki Kariwa verfügt über sieben Reaktoren, die zurzeit alle stillstehen. Der für die Wiederinbetriebnahme vorgesehene Reaktor 7 wurde im vergangenen Oktober von der NRA defacto für „sicher“ befunden. Die Nachrüstung des Reaktors und die baulichen Nachbesserungen für den Terrorschutz wurden ebenfalls erbracht. Die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme der Präfektur Niigata steht jedoch noch aus. Und es ist auch fraglich, ob diese überhaupt erteilt wird, da der Betreiber Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, bei der Präfekturverwaltung sehr in der Kritik steht.

 

20.01.2020

AKW Fukushima, 2000 Liter hochradioaktives Wasser ausgetreten

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi sind während des Entsalzungsvorganges 2000 Liter hochradioaktives Wasser ausgetreten und über den Boden gelaufen. Laut dem Betreiber Tepco sei jedoch nichts in die Umwelt gelangt. Zudem sei der größte Anteil des Cäsiums bereits vor der Entsalzung entzogen worden.

Der Zwischenfall ereignete sich bereits in der vergangenen Woche, als ein Arbeiter dies auf einen Patrouillengang bemerkte.

Reaktorblock 3, Bergung der Brennelemente läuft wieder

Nach mehreren Unterbrechungen und dadurch entstandenen Rückstand im Zeitplan, verläuft die Bergung der letzten 80 Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 nun reibungslos.

Weitere neue Coronafälle am AKW

Acht AKW-Arbeiter haben sich im neuen Jahr bereits mit dem Coronavirus angesteckt, 3 davon in der vergangenen Woche.    

  

15.01.2021

Gerichtsurteil aufgehoben, AKW Ōi, Reaktor 4 wieder am Netz

Nach zweieinhalbmonatigem Stillstand aller AKWs der Kansai Elektrizitätswerke, wurde heute der Reaktor 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui nach Beendigung der jährlichen Revision heute wieder hochgefahren.

Anfang Dezember wurde der Weiterbetrieb beider Reaktoren am AKW Ōi per Gericht vorübergehend untersagt. Grund für das Urteil damals war die unzureichende Erdbebensicherheit, so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA dieses hätte nicht für „sicher“ befinden und freigeben dürfen (antiatom-fuku berichtete). Gegen das Urteil ging die Regierung jedoch in Berufung, so dass das Urteil wieder aufgehoben worden ist. Damit ist die Sache jedoch noch nicht vom Tisch, weitere Verhandlungen werden noch folgen.

Der Reaktor 3, der eigentlich ebenfalls wieder hochgefahren dürfte, bleibt weiterhin vom Netz, und zwar für unbestimmte Zeit. Reaktor 3 befindet sich seit Juli 2020 in Revision, bei der gravierende Probleme, u.a. zahllose Risse in den Röhren der Dampferzeuger entdeckt worden sind. (siehe auch AKW-Status).

 

13.01.2021

AKW Fukushima, Reaktor 3, verhakte Brennelemente im Abklingbecken, Bergung problematisch

Bei der Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 am havarieren AKW Fukushima Daiichi lassen sich, wie sich jetzt herausstellte, 6 Brennelemente nicht aus der Halterung ziehen. Zunächst vermutete man, dass, wie bereits in der Vergangenheit bei 2 Brennelementen schon der Fall gewesen ist, der Griff verbogen sei, so dass der Kran diesen nicht greifen konnte. Im jetzigen Fall sind die Griffe jedoch intakt. Laut Vermutungen des Betreibers Tepco sind möglicherweise Kleintrümmerteile in die Brennelementhalterungen des Abklingbeckens geraten, so dass die Brennelemente darin verkeilt sind und nicht herausgehoben werden können.

Insgesamt sind es mittlerweile schon 8 Brennelemente, die sich nicht aus dem Abklingbecken entfernen lassen.

Ursprünglich sollte die Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 bis März abgeschlossen sein, einen Zeitplan, den Tepco jedoch nicht mehr einhalten kann.

 

10.01.2020

Suche nach Lagermöglichkeit für gebrauchte Brennelemente: Kansai Elektrizitätswerke lassen Frist erneut verstreichen – nun Konsequenzen

Bisher haben die Kansai Elektrizitätswerke noch keine Lösung gefunden, wo die gebrauchten Brennelemente der sieben Reaktoren, dreier AKWs (Präfektur Fukui) gelagert werden sollen, so das Ergebnis einer Konferenz mit den Lokalpolitikern der Präfektur Fukui vom 08.01.2021. Hierbei handelt es sich um gebrauchte Brennelemente, die nicht mehr aktiv gekühlt werden müssen, aber aus Mangel an Trockenlagerkapazitäten weiterhin in den Abklingbecken der jeweiligen Reaktoren gelagert werden. Unter den sieben Reaktoren, alles DWR, befinden sich auch drei Altreaktoren mit verlängerter Laufzeit, die nach Plänen der Kansai Elektrizitätswerke bis spätestens Mai, nach mehrjährigem Stillstand wieder ans Netz gehen sollen. Der Altreaktor 3 am AKW Mihama sollte sogar noch in diesem Monat wieder hochgefahren werden.

Bezüglich der gebrauchten Brennelemente hatten die Kansai Elektrizitätswerke in der Vergangenheit bereits seit 1990 mehrfach zugesichert, dass man für eine Lagermöglichkeit außerhalb der Präfektur Fukui sorgen würde. Verbindliche Standorte wurde jedoch nie präsentiert, bzw. das Thema einfach nicht mehr angesprochen. Entsprechende Pläne sollten bis Ende 2020 aber vorgelegt werden, was jedoch nicht passiert ist! Somit ist die letzte Frist verstrichen und der in Kürze angestrebte Neustart der drei Altreaktoren, also Reaktor 3 am AKW Mihama, und Reaktor 1 und 2 am AKW Takahama ins Stocken geraten.

Zum Teil sind die Abklingbecken der jeweiligen Reaktoren schon recht voll, so dass die Kapazität in Reaktorblock 3 am AKW Mihama in 9 Jahren, in Reaktorblock 3 und 4 am AKW Ōi in 8 Jahren und in den Blöcken 1 bis 4 am AKW Takahama schon in 5 Jahren erschöpft ist, wenn all diese Reaktoren bis dahin fortlaufend Betrieb sind.

Als möglichen Standort hatten die Kansai Elektrizitätswerke das Zwischenlager in Mutsu, Präfektur Aomori in Nordjapan anvisiert. Dort regte sich jedoch sofort Widerstand im Rathaus. „Die Präfektur Aomori sei schließlich nicht die Müllkippe der anderen Präfekturen im Land“, so Soichiro Miyashita, Bürgermeister der Stadt Mutsu.

Dem entsprechend wurde auch die im Dezember bereits gestellte Anfrage des Wirtschaftsministeriums von der Stadt Mutsu abgelehnt (antiatom-fuku berichtete).  

 

03.01.2021

AKW Fukushima, Strahlenbelastung deutlich höher als befürchtet

Die extrem hohen Strahlenwerte in den havarierten Reaktoren des AKWs Fukushima Daiichi werden von der Atomaufsichtsbehörde NRA als „äußerst ernste" Herausforderung für den Stilllegungsprozess, bzw. für den Rückbau der gesamten Anlage bezeichnet, so das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA erklärte, dass offenbar eine sehr große Menge radioaktiver Partikel an den „Abschirmpfropfen“ (Stahlbetondeckel) der Sicherheitsbehälter der Reaktoren 2 und 3 hafteten. „Dort liegen die Strahlenwerte bei etwa 10 Sv/h, also eine tödliche Dosis für jeden, der sich in der Nähe aufhält“, so Die Experten.

Das bedeutet, dass es sehr schwierig sein wird den „Abschirmpfropfen“, also den Betondeckel zu entfernen, was aber für die nun notwendige Neubewertung der Daten für die Planung des Rückbaus der Reaktoren aber äußerst wichtig wäre.

Dazu merkte NRA-Chef Toyoshi Fuketa an, dass die Beseitigung der stark kontaminierten „Abschirmpfropfen“, die ohnehin schon enorme Schwierigkeiten bei der Bergung der geschmolzenen Brennelemente bereiten, den entmutigenden Teil des Stilllegungsprozesses, noch weiter vergrößern.

„Möglicherweise haften sogar Teile der geschmolzenen Brennelemente im oberen Bereich der Reaktordruckbehälter", so Fuketa auf einer Pressekonferenz. "Dies wird nun enorme Auswirkungen auf den gesamten Stilllegungsprozess haben."

Der „Abschirmpfropfen“, ist ein runder Deckel aus Stahlbeton mit einen Durchmesser 12 Meter. Er besteht aus einer dreischichtigen Struktur, mit je einer Dicke von 60 cm. Er wird auf die Betonhülle des Reaktorsicherheitsbehälters platziert und soll normalerweise verhindern, dass Strahlung aus dem Reaktor in die Umwelt gelangt.

Beim Brennelementwechsel muss er allerdings entfernt werden, damit die Arbeiter Zugang zum Reaktor haben.

In einer Studie, die nach etwa fünfjähriger Pause im September 2020 wieder aufgenommen worden ist, führte die NRA erneut Strahlenmessungen in der Nähe der „Abschirmpfropfen“ der Reaktoren 2 und 3 durch. Die Datenerhebung wurde u.a. durch den Betreiber Tepco und anderen Institutionen durchgeführt, die dort außergewöhnlich hohe Strahlungswerte gemessen hatten. Die Daten, die die NRA im Reaktorblock 2 erhoben hat, zeigen, dass sich zwischen der oberen und der mittleren Schicht des „Abschirmpfropfens“ schätzungsweise eine Menge von 20-40 Petabecquerel Cäsium137 angelagert hat (1 Peta= 1.000.000.000.000.000).

Basierend auf die Messungen der Strahlungswerte in der Nähe, entspricht das sogar mehr als 10 Sv/h, also einer Strahlendosis, die nach einem einstündigen Aufenthalt absolut tödlich ist! Für Reaktorblock 3 liegt der geschätzte Wert bei 30 Petabecquerel.

Bei der Dreifachkatastrophe im März 2011, verrutschte durch das Erdbeben der „Abschirmpfropfen“ von Reaktor 1 und wurde durch die Wasserstoffexplosion, die sich hinterher im Reaktorgebäude ereignete, beschädigt.

Da größere Mengen Cäsium137 durch den beschädigten „Abschirmpfropfen“ aus dem Reaktor 1 austraten, wurde die Menge der am „Abschirmpfropfen“ anhaftenden radioaktiven Partikel auf 0,16 Petabecquerel, also deutlich geringer geschätzt als in den Reaktoren 2 und 3.

„Im Gegensatz zu Reaktor 1 blieben die „Abschirmpfropfen“ der Reaktoren 2 und 3 relativ unversehrt und hielten eine große Menge radioaktiver Partikel, die aus dem Reaktordruckbehälter entwichen sind zurück, so dass diese nicht in die Atmosphäre gelangen konnten“, so die NRA.

Nach diesen neuen Erkenntnissen, kündigt Tepco nun an, dass die für dieses Jahr geplante Bergung der geschmolzenen Brennelemente nun auf 2022 oder später verschoben wird.

 

Zu den Nachrichten aus dem Jahr 2020.