Hochradioaktives Wasser – drohende Verseuchung der Weltmeere!

November 2020

Hochradioaktives Wasser – drohende Verseuchung der Weltmeere!

Unfassbar, hochradioaktives Wasser soll ins Meer geleitet werden! Während Tepco und die Regierung die Gefahren herunterspielen, warnen Umweltorganisationen eindringlich davor, das hochradioaktive Abwasser am AKW Fukushima Daiichi ins Meer zu „entsorgen“.

Am AKW Fukushima Daiichi, wo es 2011 nach einem Erdbeben und Tsunami zur Reaktorkatastrophe kam, lagern nun etwa 1.230.000 Tonnen hochradioaktives Wasser in großen Tanks, das nach einer Herausfilterung radioaktiver Partikel schon mehrfach für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente verwendet worden ist, nun aber nicht mehr weiter verwendet werden kann. Hierbei handelt es sich um flüssigen Atommüll! Die Konzentration hochradioaktiver Partikel, die sich nur schwer oder gar nicht herausfiltern lassen, steigt immer weiter an.

Die Kapazität der Lagertanks reiche noch bis zum Herbst 2022. Dann soll das hochradioaktive Wasser nach dem Willen der japanischen Regierung und dem Betreiber Tepco ins Meer geleitet werden. Laut den Befürwortern habe das keine signifikanten Auswirkungen auf die Umwelt, da das kontaminierte Wasser in den Weiten des Ozeans ausreichend verdünnt werde. Unabhängige Experten, Umweltverbände, die lokalen Fischer und viele Bürger befürchten jedoch massive Umweltschäden, sowie gesundheitliche Folgen. Denn die radioaktiven Partikel werden im Meer zwar verdünnt, sind dadurch aber nicht verschwunden! Das heißt, sie werden auf kurz oder lang in die Nahrungskette gelangen. Vor allem das besonders problematische Tritium („überschweres“ Wasser), das einen Großteil des hochradioaktiven Wassers in den Lagertanks ausmacht, kann nicht herausgefiltert werden!

 

Ein Interview mit Hajime Matsukubo, Generalsekretär des japanischen Atomenergieinformationsbüros (CMIC)

[Interview der südkoreanischen Nachrichtenagentur Hankyoreh vom 03.08.2020] „Hochradioaktives Wasser am AKW Fukushima Daiichi – „die Lagerung in Tanks auf dem AKW-Gelände ist zurzeit weiterhin die einzige realistische und sicherste Option“

„Nach dem die Lagertanks am AKW Fukushima Daiichi aufgestellt und „zur Sicherheit“ noch in Beton eingelassen worden sind, soll das hochradioaktive Wasser nun, entgegen den Willen der Bevölkerung ins Meer abgeleitet werden. Auf internationalen Druck hin und aus Solidarität der Südkoreaner mit den Japanern, insbesondere der Präfektur Fukushima, die das Einleiten des hochradioaktiven Wassers ins Meer strikt ablehnen, wird gefordert, dass das hochradioaktive Wasser weiterhin in den Tanks auf dem AKW-Gelände gelagert werden soll“, so Hajime Matsukubo, Generalsekretär des japanischen Atomenergieinformationsbüros (CNIC).

Die CNIC ist eine Bürgerinitiative, die 1975 durch Jinzaburo Takagi, einem Kernphysiker, der zum Symbol der japanischen Anti-AKW-Bewegung wurde, gegründet worden ist. Er recherchiert zum Thema Atomausstieg, hält Vorträge und veröffentlicht gesammelte Informationen zum Thema.

„Der Umstand, dass die Kapazität der Tanks nun knapp werde, rechtfertige nicht, das Wasser nun einfach ins Meer zu entsorgen“

In einem kürzlich durchgeführten schriftlichen Interview beantwortete Matsukubo die Frage, was die realistischste und sicherste Maßnahme im Umgang mit dem hochradioaktiv kontaminierten Wasser am AKW Fukushima Daiichi sei, wie folgt:  

Q: „Wann denken Sie, wird endgültig über die Freisetzung des kontaminierten Wassers aus dem AKW Fukushima Daiichi entschieden?

A: „Der Betreiber TEPCO sagt, dass er das kontaminierte Wasser verdünnen und dann ins Meer ablassen will. Von daher ist es notwendig, eine Anlage zur Verdünnung zu bauen, aber unter Berücksichtigung einer fristgerechten Baugenehmigung usw. wird die endgültige Entscheidung wohl in diesem Herbst fallen“.

Q: „Was könnten wohl die Gründe sein, dass man so sehr auf die Einleitung ins Meer drängt?

A: „Nicht nur in Japan, auch in allen anderen atomkraftbetreibenden Ländern, wird im laufenden Betrieb eines AKWs ständig kontaminiertes Wasser, das Tritium beinhaltet ins Meer und in die Atmosphäre freigesetzt. Damit argumentieren nun die Befürworter der Einleitung des hochradioaktiven Wassers. Zudem ist die Einleitung ins Meer die kostengünstigste „Lösung“. Es scheint aber, dass es auch hier in Japan viele Stimmen gibt, die sich strikt gegen die Einleitung des hochradioaktiven Wassers ins Meer aussprechen. Viele Bürger sind dagegen. Insbesondere die Fischer, denen nachgesagt wird, dass sie „falsche Gerüchte“ verbreiten würden, lehnen die Verklappung strikt ab. Darüber hinaus haben mehrere Gemeinderäte in und um der Präfektur Fukushima beschlossen, Bedenken hinsichtlich der Freisetzung des kontaminierten Wassers zu äußern.

 

Q: Meinen Sie, dass die allgemeine ablehnende Haltung die Regierung noch umstimmen könnte?

A: Ich denke mal, dass insbesondere die Fischer, die sich ganz besonders intensiv gegen die Einleitung einsetzen, einen starken Einfluss haben. Zuvor hatte Tepco schriftlich versprochen, ohne Einverständnis der lokalen Bevölkerung in Fukushima, kein kontaminiertes Wasser ins Meer einzuleiten.  

Q: In wieweit haben südkoreanische, bzw. weitere ausländische Umweltgruppen eine Möglichkeit um die Freisetzung von kontaminiertem Wasser in den Ozean zu verhindern?

A: „Eine Klage auf Grundlage des Seerechtsvertrags der Vereinten Nationen ist durchaus denkbar. Die südkoreanischen AKWs, insbesondere das AKW Wolsong, setzen schon alleine im regulären Betrieb große Menge Tritium frei. Somit wird es sehr schwierig sein, die Auswirkungen durch die Freisetzung des kontaminierten Wassers aus dem AKW Fukushima Daiichi im Ozean nachzuweisen.

Q: Was denken Sie, ist die realistischste und sicherste Maßnahme im Umgang mit dem kontaminierten Wasser?

A: „Die realistischste Option ist das kontaminierte Wasser weiterhin in den Tanks zu lagern“. Es wird gesagt, dass auf dem AKW-Gelände kein Platz mehr sei. Allerdings bietet die unmittelbare Umgebung noch sehr viel Platz, das als Zwischenlager für die Lagerung radioaktiver Abfälle genutzt werden kann. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie sagt, dass das besagte Gebiet für keine andere Zwecke mehr verwendet werden kann, so dass es möglich sein sollte, mit Landbesitzern zu verhandeln. Es kann nicht sein, nur weil die Kapazität der vorhandenen Tanks nicht ausreicht, dass hochradioaktives Wasser einfach ins Meer geleitet werden soll. 

Japanische Bürgerinitiativen schlagen vor, die Tanks einzubetonieren. Diese warnen die Regierung auch eindringlich davor, dass es ein internationales Problem sein wird, wenn das Wasser einfach in den Ozean eingeleitet wird.

Q: Was möchten Sie den koreanischen Bürgern sagen?

A: „Die japanische Regierung verfolgt weiterhin sehr stark die Vision des sogenannten „geschlossenen Kernbrennstoffkreislaufs“, wo das Plutonium und Uran aus den abgebrannten Brennelementen der AKWs extrahiert und wiederverwertet wird. Die im Bau befindliche Wiederaufbereitungsanlage in Rokkasho, Präfektur Aomori soll 2021 in Betrieb gehen. Diese Fabrik wird dann eine große Menge radioaktiver Stoffe ins Meer und in die Atmosphäre freisetzen. Berechnungen zufolge wird dort dann 10 Mal so viel Tritium pro Jahr ins Meer geleitet als am AKW Fukushima Daiichi. Zusammen mit dem Problem des kontaminierten Wassers am AKW Fukushima Daiichi ist dies ein äußerst großes Problem.

Auch in Südkorea spielen das Korea Atomic Energy Research Institute (KAERI) und weitere Kernforschungszentren eine zentrale Rolle bei der Forschung und Entwicklung der Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente. Denn das ist nämlich nicht das einzige Problem bei den Wiederaufbereitungsanlagen.

Plutonium eignet sich nämlich sehr gut als Rohstoff für Atomwaffen! Somit sollte in Solidarität koreanischer und japanischer Bürger die Wiederaufbereitungspläne beider Länder gestoppt werden!“

 

Gefahr für Umwelt und Gesundheit - Greenpeace warnt eindringlich

Auch Greenpeace warnt in einen aktuellen Bericht (s.u.) eindringlich vor langfristigen Folgen für Umwelt und Gesundheit, falls das hochradioaktive Wasser tatsächlich ins Meer eingeleitet wird. Denn es hat, insbesondere in der jetzigen Konzentration radioaktiver Stoffe, wie z.B. das C14 (Kohlenstoff14) Auswirkungen auf die DNA. Greenpeace befürchtet langfristige Folgen für Mensch und Umwelt!

In einem Interview mit der CNN von Oktober 2020 sagte der deutsche Greenpeace-Atomexperte Shaun Burnie, der den Bericht verfasste, dass das C14, das im hochradioaktiven Wasser der Lagertanks enthalten ist, eine Konzentration von 63,6 Giga-Bq aufweist, und aufgrund seiner langen HWZ für 1000de von Jahren die DNA schädigen kann.

Diese Meinung teilt der Betreiber Tepco, der das AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat jedoch nicht. So behauptete ein Tepco-Sprecher im Interview mit der CNN, dass die Radioaktivität des C14 im kontaminierten Wasser der Tanks nach der erneuten Filterung auf 2 bis 220 Bq/l gesenkt werden könne. „Selbst wenn man davon 2 Liter pro Tag trinken würde, würde das die Gesundheit nicht beeinträchtigen“, so der Tepco-Sprecher weiter.

 

Wie denkt die Bevölkerung über die geplante Einleitung des hochradioaktiven Wassers?

Bei einer Umfrage zum Umgang mit dem hochradioaktiven Wasser am AKW Fukushima Daiichi, die die Nachrichtenagentur Yahoo news online im August 2020 durchführte, antworteten die 31.035 Befragten wie folgt:

Es sollte nur an der Küste der Präfektur Fukushima

ins Meer eingeleitet werden                                 => 8.024 (25,9%)

Es sollte an der gesamt japanischen Küste ins Meer

geleitet werden                                                      => 8.159 (26,3%) 

Es sollte auf keinen Fall ins Meer eingeleitet

werden                                                                   => 12.881 (41,5%)

egal                                                                         => 1971 (6,4%) 

 

Weitere Informationen

Video der Focus online, worin der Greenpeace Atomexperte Jan Haverkamp den Sachverhalt mit dem hochradioaktiven Wasser am AKW Fukushima Daiichi und die Folgen erläutert, falls das hochradioaktive Wasser tatsächlich ins Meer abgelassen wird (Dauer: 5 Min.)

Video, 【Fukushima Mieruka Projekt】Fischer aus Fukushima „Leiten Sie 'kontaminiertes Wasser' nicht ab!", der Umweltorganisation FoE Japan (deutsche Übersetzung), worin vor allem die Gefahren und Folgen, insbesondere des Tritiums erläutert werden (Dauer: 12 Min.).   

Weiterführende Links:

Antiatomorganisation CNIC (englischsprachige Seiten)

Umweltorganisation FoE Japan (englischsprachige Seiten)

Greenpeace-Bericht vom 23.10.2020 (in englischer Sprache

“Fukushima Pacific Ocean discharges will release hazardous radioactive carbon-14 with potential to damage human DNA”

 

Die radioaktive Verseuchung der Meere

Frühjahr 2014

Seit der Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi im Jahre 2011 gelangen täglich viele Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik. Es verseucht nicht nur die japanische Nordostküste, sondern den gesamten Pazifik. Die radioaktiven Auswirkungen reichen bis nach Alaska, Kanada, USA und den Küstengebieten im Südpazifik.

Die idyllisch wirkende Bucht von Vancouver, Kanada mit Blick über den Pazifik. Bild: Petra Alt

Zu bedenken ist auch, dass das gesamte Meereswasser durch alle Weltmeere zirkuliert und somit die radioaktiven Partikel überall hingetragen werden. Der von den Verantwortlichen propagierte Verdünnungseffekt ist nur Augenwischerei. Die Gefahren der im Meer verbreiteten Radioaktivität werden dadurch nicht geringer.

Das ist genau so, als würde man in einem 10 l Eimer „Alpinaweiß“ (Wandfarbe) etwas Schwarz hinzugeben und verrühren. Zwei Tropfen fallen vielleicht noch nicht auf. Aber 5 ml auf jeden Fall. Die weiße Farbe wird grau!

 

USA

Die ersten Auswirkungen an der Westküste der USA wurden schon im Herbst 2011 festgestellt. Es wurde ein leichter Anstieg der Radioaktivität gemessen.

Im Wasser vor der kalifornischen Küste wurden große Massen an toten, organischen Material festgestellt. Die Meeresbiologen stellten im Sommer 2012 fest, dass der sogenannte „Meeresrotz“ am Meeresboden deutlich angestiegen ist. Darin sind z. B. tote Quallen, weitere tote gallertartige Lebewesen, totes Plankton und Kot enthalten. Solch einen sprunghaften Anstieg verzeichneten die Meeresbiologen zum ersten Mal in ihrer 24jährigen Forschungsarbeit, so dass die Reaktorkatastrophe in Fukushima durch aus als Ursache infrage kommt.

Die Aussagen der einzelnen Meeresstationen entlang der kalifornischen Küste sind deckungsgleich.

Anfang 2014 wurde ein massenhaftes Absterben von Seesternen an den Küsten zwischen Kanada und Alaska verzeichnet.

Die Pazifikküste von Kanada ist übersät mit Seesternen, die jetzt in großer Zahl absterben. Bild: P. Alt

Vor der nordamerikanischen Westküste, also Kanada und USA berichtete 2013 eine auf Sardinenfang spezialisierte Fischereiflotte, dass die Sardinenpopulation drastisch zurückgegangen sei. Einmal sei man sogar ohne eine einzige Sardine in den Hafen zurückgekehrt.

Vor der Küste von Vancouver, Westkanada kann man normalerweise zahlreiche Buckelwale beobachten. Jetzt sind diese dort zur Seltenheit geworden.

Des Weiteren wurden Wale beobachtet, die orientierungslos herumirrten oder pathologische Veränderungen aufwiesen, wie zum Beispiel einen an der Oberfläche treibenden Wal mit einem Tumor am Kopf.

Auch die Haipopulation sowie die von anderen Fischarten sei stellenweise auffallend weniger geworden.

Im August 2013 wurden vor der Westküste Amerikas Heringe beobachtet, die am Bauch und an den Flossen bluteten.

 

Alaska

Im Sommer 2012 stellten Meeresbiologen eine Immunschwäche bei Seelöwen vor der Küste Alaskas fest. Weitere Wissenschaftler haben radioaktive Partikel im Wasser vor der Westküste Alaskas festgestellt, die nachweislich aus Fukushima stammen. Die Radioaktivität im Wasser weist eine steigende Tendenz auf (11/2013).

Der Nordpazifik, hauptsächlich vor der Küste Alaskas und vor allem das Beringmeer ist das fischreichste Gewässer. Dort sind die größten Fischfanggebiete, die auch von Deutschland reichlich genutzt werden.

Laut US-Wissenschaftlern wird der Höhepunkt der Strahlung im Nordpazifik und der Westküste der USA und Kanada wird für 2014/2015 erwartet.

 

Das havarierte AKW Fukushima Daiichi, die „Quelle“ des radioaktiv verseuchten Wassers

Seit der Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima dai ichi von März 2011 gelangt radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Die darin enthaltenen radioaktiven Stoffe werden mit der Meeresströmung überall hin transportiert.

Das AKW Fukushima Daiichi im Jahr 2013. Bild: Screenshot

Das von der Bergseite kommende leicht radioaktive Grundwasser gelangt in die Reaktorkellerräume, kommt dort mit dem Kühlwasser der drei Kernschmelzen in Kontakt und wird dort hochgradig radioaktiv verseucht.

Es wird zwar zum Teil abgepumpt und so weit wie möglich dekontaminiert, bzw. in Lagertanks umgefüllt, gelangt aber trotz dem auch ins Meer.

Die hochgradig radioaktiv verseuchten Reaktorkellerräume werden durch das immer nachlaufende Wasser kontinuierlich „ausgewaschen“.

Regen, vor allem Starkregen spült das gesamte AKW-Gelände und lässt den Grundwasserspiegel ansteigen. Somit werden noch mehr radioaktive Partikel ins Meer gespült.

Täglich gelangen 300 bis 400 Tonnen radioaktives Wasser ins Meer. Das havarierte AKW ist mittlerweile eine aufgeweichte, radioaktive Sumpflandschaft. Die Wege dort sind mit dicken Metallplatten ausgelegt, damit die Fahrzeuge nicht im Matsch stecken bleiben.

Seit Mai 2014 wird etappenweise radioaktiv verseuchtes Grundwasser in großen Mengen direkt ins Meer geleitet. Dazu wird das von der Bergseite kommende Grundwasser in Bohrlöschern aufgefangen, in einem Sammelbecken gesammelt und über einen Bypass, der die hochgradig verseuchten Reaktoren 1 bis 4 umgeht direkt ins Meer geleitet.

In den über 900 Lagertanks auf, bzw. hinter dem AKW-Gelände lagern mittlerweile schon 350 000 Tonnen hochradioaktiv verseuchtes Wasser (06/2014).

Für das radioaktiv verseuchte Wasserproblem gibt es derzeit keine brauchbare Lösung. Die Wasserdekontaminierungsanlage ALPS kann auch nur bestimmte radioaktive Partikel heraus filtern und ist dazu noch laufend defekt.

Der Bau der unterirdischen „Eismauer“, die über eine Länge von 1,5 km die zerstörten Reaktoren 1 bis 4 umschließen soll, damit die austretende Radioaktivität zurückgehalten wird, gestaltet sich eher schwierig. Und ob das Projekt vollendet werden kann ist ebenfalls fraglich (06/2014).  

 

Die Flüsse

Im gesamten „Einzugsgebiet“ (etwa 5000 km²) des Flusses Abukuma, der sich über eine Länge vom 239 km durch die Präfektur Fukushima und dessen Nachbarpräfekturen schlängelt, sind etwa 850 TBq

Der Fluss Abukuma in Fukushima-City. Bild: Petra Alt

Cäsium als Fallout nieder gegangen, die mit der Strömung ins Meer getragen worden sind.

 (1 Terabecquerel = 1 000 000 000 000 Becquerel !!)

Und das ist nicht nur der Abukuma alleine, auch die anderen Flüsse transportieren laufend radioaktive Partikel ins Meer. Denn der Regen spült die radioaktiven Partikel aus der Umgebung in die Flüsse, die diese dann zum Meer transportieren.

Laut dem Energiekonzern Tepco, der japanischen Regierung und der internationalen Atombehörde IAEA sei der Verdünnungseffekt jedoch ausreichend. Unabhängige Experten, sowie Umweltschützer schlagen jedoch Alarm.

 

Das Meer vor der Küste von Niigata. Auch hier ist die radioaktive Verseuchung bereits angekommen (Bild: Petra Alt).

 

Ein Auszug aus der radioaktiven Vorgeschichte der Weltmeere

Die Nordsee

Die Nordsee ist durch die Wiederaufbereitungsanlagen La Hague in Frankreich und Sellafield (Windscale) in England und durch die frühere Verklappung von Atommüllfässern mit Cäsium137, Cäsium134, Strontium90 und weiteren radioaktiven Stoffen belastet.

In Windscale ist es 1957 zu einem schweren Störfall (INES 5) gekommen, bei dem Großbritannien noch haarscharf an einer großen Katastrophe vorbei geschrammt ist.

 

Die Ostsee

In Bodenproben der westlichen Ostsee, die aus dem Sediment des Meeresbodens entnommen worden sind, wurde neben weiteren Radionukliden ein Gehalt an Cäsium137 gemessen, der in Vergleich zu den darüber liegenden Wasserschichten um das 3000-fache höher ist. Das meiste Cäsium137 wurde in der Kieler Bucht nachgewiesen. Die radioaktive Belastung der Ostsee ist vorwiegend durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bedingt.

Die Fische der Ostsee sind 10 Mal stärker belastet, als die Fische aus der Nordsee.

Die radioaktive Belastung der Nord- und Ostsee ist auch durch die früheren Atomwaffenversuche, den Abwässern der AKWs und dem Fallout von Tschernobyl bedingt.

 

Einschätzung der Menge an Cäsium137, das im März 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima in die Atmosphäre ausgetreten ist:  

Laut einer Studie, die von Prof. Dr. Michio Aoyama und seinem Team durchgeführt worden ist, wurden nach der Reaktorkatastrophe im März 2011 zwischen 17500 und 20500 TBq Cäsium137 in die Atmosphäre ausgestoßen.

Nach Einschätzungen des Energiekonzerns Tepco, der das AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, sind die Mengen jedoch „nur“ halb so viel.

12000 bis 15000 TBq an Cäsium137 sind laut der Aoyama-Studie direkt in den Pazifik nieder gegangen.