Die radioaktive Verseuchung der Meere

Seit der Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima dai ichi im Jahre 2011 gelangen täglich viele Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik. Es verseucht nicht nur die japanische Nordostküste, sondern den gesamten Pazifik. Die radioaktiven Auswirkungen reichen bis nach Alaska, Kanada, USA und den Küstengebieten im Südpazifik.

Die idyllisch wirkende Bucht von Vancouver, Kanada mit Blick über den Pazifik. Bild: Petra Alt

Zu bedenken ist auch, dass das gesamte Meereswasser durch alle Weltmeere zirkuliert und somit die radioaktiven Partikel überall hin getragen werden. Der von den Verantwortlichen propagierte Verdünnungseffekt ist nur Augenwischerei. Die Gefahren der im Meer verbreiteten Radioaktivität werden da durch nicht geringer.

Das ist genau so, als würde man in einem 10 l  Eimer „Alpinaweiß“ (Wandfarbe) etwas Schwarz hinzu geben und verrühren. Zwei Tropfen fallen vielleicht noch nicht auf. Aber 5 ml auf jeden Fall. Die weiße Farbe wird grau!

 

USA

Die ersten Auswirkungen an der Westküste der USA wurden schon im Herbst 2011 festgestellt. Es wurde ein leichter Anstieg der Radioaktivität gemessen.

Im Wasser vor der kalifornischen Küste wurden große Massen an toten, organischen Material festgestellt. Die Meeresbiologen stellten im Sommer 2012 fest, dass der sogenannte „Meeresrotz“ am Meeresboden deutlich angestiegen ist. Darin sind z. B. tote Quallen, weitere tote gallertartige Lebewesen, totes Plankton und Kot enthalten. Solch einen sprunghaften Anstieg verzeichneten die Meeresbiologen zum ersten Mal in ihrer 24 jährigen Forschungsarbeit, so dass die Reaktorkatastrophe in Fukushima durch aus als Ursache infrage kommt.

Die Aussagen der einzelnen Meeresstationen entlang der kalifornischen Küste sind deckungsgleich.

Anfang 2014 wurde ein massenhaftes Absterben von Seesternen an den Küsten zwischen Kanada und Alaska verzeichnet.

Die Pazifikküste von Kanada ist übersät mit Seesternen, die jetzt in großer Zahl absterben. Bild: P. Alt

Vor der nordamerikanischen Westküste, also Kanada und USA berichtete 2013 eine auf Sardinenfang spezialisierte Fischereiflotte, das die Sardinenpopulation drastisch zurück gegangen sei. Einmal sei man sogar ohne eine einzige Sardine in den Hafen zurück gekehrt.

Vor der Küste von Vancouver, Westkanada kann man normalerweise zahlreiche Buckelwale beobachten. Jetzt sind diese dort zur Seltenheit geworden.

Des Weiteren wurden Wale beobachtet, die orientierungslos herum irrten oder pathologische Veränderungen aufwiesen, wie zum Beispiel einen an der Oberfläche treibenden Wal mit einem Tumor am Kopf.

Auch die Haipopulation sowie die von anderen Fischarten sei stellenweise auffallend weniger geworden.

Im August 2013 wurden vor der Westküste Amerikas Heringe beobachtet, die am Bauch und an den Flossen bluteten.

 

Alaska

Im Sommer 2012 stellten Meeresbiologen eine Immunschwäche bei Seelöwen vor der Küste Alaskas fest. Weitere Wissenschaftler haben radioaktive Partikel im Wasser vor der Westküste Alaskas festgestellt, die nachweislich aus Fukushima stammen. Die Radioaktivität im Wasser weist eine steigende Tendenz auf (11/2013).

Der Nordpazifik, hauptsächlich vor der Küste Alaskas und vor allem das Beringmeer ist das fischreichste Gewässer. Dort sind die größten Fischfanggebiete, die auch von Deutschland reichlich genutzt werden.

Laut US-Wissenschaftlern wird der Höhepunkt der Strahlung im Nordpazifik und der Westküste der USA und Kanada wird für 2014/2015 erwartet.

 

Das havarierte AKW Fukushima dai ichi, die „Quelle“ des radioaktiv verseuchtem Wassers

Seit der Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima dai ichi von März 2011 gelangt radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Die darin enthaltenen radioaktiven Stoffe werden mit der Meeresströmung überall hin transportiert.

Das AKW Fukushima dai ichi im Jahr 2013. Bild: Screenshot

Das von der Bergseite kommende leicht radioaktive Grundwasser gelangt in die Reaktorkellerräume, kommt dort mit dem Kühlwasser der drei Kernschmelzen in Kontakt und wird dort hochgradig radioaktiv verseucht.

Es wird zwar zum Teil abgepumpt und so weit wie möglich dekontaminiert, bzw. in Lagertanks umgefüllt, gelangt aber trotz dem auch ins Meer.

Die hochgradig radioaktiv verseuchten Reaktorkellerräume werden durch das immer nachlaufende Wasser kontinuierlich „ausgewaschen“.

Regen, vor allem Starkregen spült das gesamte AKW-Gelände und lässt den Grundwasserspiegel ansteigen. Somit werden noch mehr radioaktive Partikel ins Meer gespült.

Täglich gelangen 300 bis 400 Tonnen radioaktives Wasser ins Meer. Das havarierte AKW ist mittlerweile eine aufgeweichte, radioaktive Sumpflandschaft. Die Wege dort sind mit dicken Metallplatten ausgelegt, damit die Fahrzeuge nicht im Matsch stecken bleiben.

Seit Mai 2014 wird etappenweise radioaktiv verseuchtes Grundwasser in großen Mengen direkt ins Meer geleitet. Dazu wird das von der Bergseite kommende Grundwasser in Bohrlöschern aufgefangen, in einem Sammelbecken gesammelt und über einen Bypass, der die hochgradig verseuchten Reaktoren 1 bis 4 umgeht direkt ins Meer geleitet.

In den über 900 Lagertanks auf, bzw. hinter dem AKW-Gelände lagern mittlerweile schon 350 000 Tonnen hochradioaktiv verseuchtes Wasser (06/2014).

Für das radioaktiv verseuchte Wasserproblem gibt es derzeit keine brauchbare Lösung. Die Wasserdekontaminierungsanlage ALPS kann auch nur bestimmte radioaktive Partikel heraus filtern und ist dazu noch laufend defekt.

Der Bau der unterirdischen „Eismauer“, die über eine Länge von 1,5 km die zerstörten Reaktoren 1 bis 4 umschließen soll, damit die austretende Radioaktivität zurück gehalten wird, gestaltet sich eher schwierig. Und ob das Projekt vollendet werden kann ist ebenfalls fraglich (06/2014).  

 

Die Flüsse

Im gesamten „Einzugsgebiet“ (etwa 5000 km²) des Flusses Abukuma, der sich über eine Länge vom 239 km durch die Präfektur Fukushima und dessen Nachbarpräfekturen schlängelt, sind etwa  850 TBq

Der Fluss Abukuma in Fukushima-City. Bild: Petra Alt

Cäsium als Fallout nieder gegangen, die mit der Strömung ins Meer getragen worden sind.

 (1 Terabecquerel = 1 000 000 000 000 Becquerel !!)

Und das ist nicht nur der Abukuma alleine, auch die anderen Flüsse transportieren laufend radioaktive Partikel ins Meer. Denn der Regen spült die radioaktiven Partikel aus der Umgebung in die Flüsse, die diese dann zum Meer transportieren.

Laut dem Energiekonzern Tepco, der japanischen Regierung und der internationalen Atombehörde IAEA sei der Verdünnungseffekt jedoch ausreichend. Unabhängige Experten, sowie Umweltschützer schlagen jedoch Alarm.

 

Das Meer vor der Küste von Niigata. Auch hier ist die radioaktive Verseuchung bereits angekommen (Bild: Petra Alt).

 

Ein Auszug aus der radioaktiven Vorgeschichte der Weltmeere

Die Nordsee

Die Nordsee ist durch die Wiederaufbereitungsanlagen La Hague in Frankreich und Sellafield (Windscale) in England und durch die früherer Verklappung von Atommüllfässern mit Cäsium137, Cäsium134, Strontium90 und weiteren radioaktiven Stoffen belastet.

In Windscale ist es 1957 zu einen schweren Störfall (INES 5) gekommen, bei dem Großbritannien noch haarscharf an einer großen Katastrophe vorbei geschrammt ist.

 

Die Ostsee

In Bodenproben der westlichen Ostsee, die aus dem Sediment des Meeresboden entnommen worden sind, wurde neben weiteren Radionukliden ein Gehalt an Cäsium137 gemessen, der in Vergleich zu den darüber liegenden Wasserschichten um das 3000-fache höher ist. Das meiste Cäsium137 wurde in der Kieler Bucht nachgewiesen. Die radioaktive Belastung der Ostsee ist vorwiegend durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bedingt.

Die Fische der Ostsee sind 10 Mal stärker belastet, als die Fische aus der Nordsee.

Die radioaktive Belastung der Nord- und Ostsee ist auch durch die früheren Atomwaffenversuche, den Abwässern der AKWs und dem Fallout von Tschernobyl bedingt.

 

Einschätzung der Menge an Cäsium137, was im März 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima in die Atmosphäre ausgetreten ist:  

Laut einer Studie, die von Prof. Dr. Michio Aoyama und seinem Team durchgeführt worden ist, wurden nach der Reaktorkatastrophe im März 2011 zwischen 17500 und 20500 TBq Cäsium137 in die Atmosphäre ausgestoßen.

Nach Einschätzungen des Energiekonzerns Tepco, der das AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat, sind die Mengen jedoch „nur“ halb so viel.

12000 bis 15000 TBq an Cäsium137 sind laut der Aoyama-Studie direkt in den Pazifik nieder gegangen.