2020 Fuku Info

Archiv aus dem Jahr 2020 in umgekehrter Chronologie. Das heißt: Das aktuellste folgt zuerst.          

 (Zu den aktuellen Nachrichten)

 

29.02.2020

Aufhebung des Evakuierungsbefehls für Futaba, Olympia, Fackellaufroute

Der Evakuierungsbefehl für die Stadt Futaba, wie in anderen betroffenen Ortschaften bereits geschehen, wird ab den kommenden Mittwoch komplett aufgehoben. Bisher waren nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt. Futaba befindet sich im 20 km-Umkreis, sogar in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi, und wurde im März 2011 zu Beginn der Reaktorkatastrophe vollständig evakuiert. Auch die Joban-Bahnlinie, die entlang der Küste von Tokyo, Iwaki an den beiden AKWs Fukushima Daini und Daiichi nach Sendai (Nord) führt, war in diesem Bereich unterbrochen.

Nach einer Flächendekontamination zur Senkung der Radioaktivität und den Wiederaufbau durch Erdbeben und Tsunami zerstörter Gebäude, Eröffnung des neuen Rathauses, Supermärkte, soll nun auch die Bahnverbindung wiederhergestellt werden, so dass der neu gestaltete Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder im regulären Takt angefahren werden soll.

Eine fest installierte Strahlenmesssonde am Futaba Bahnhof zeigt einen Wert von 0,14 µSv/h. Vor der Dekontamination, wie von offizieller Seite stolz verkündet wird, lag der Wert bei 5µSv/h und höher.

Die Regierung, die die Rückkehr der ehemaligen Einwohner in ihre verstrahlte Heimat vorantreibt, will die Reaktorkatastrophe rasch vergessen machen, indem man versucht, so schnell wie möglich „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten zu lassen. Unabhängige Experten stehen einer Wiederbesiedelung der dekontaminierten Ortschaften jedoch sehr skeptisch gegenüber, da neben den zahllosen radioaktiven Hotspots, mit Wind und Regen immer wieder neue radioaktive Partikel aus dem havarierten AKW niedergehen und die Strahlung wieder ansteigen lassen.

Für große Empörung bei vielen sorgt auch das Vorhaben der Regierung und der Organisatoren, den olympischen Fackellauf, der ab den 26.03.2020 starten soll, am Sportzentrum J-Village, ebenfalls in der ehemaligen 20 km-Sperrzone starten zu lassen. Dieser führt dann an drei Tagen quer durch die Präfektur Fukushima, mit vielen Abschnitten in der radioaktiv kontaminierten ehemaligen Sperrzone. Dazu sollen auch Teile der Olympischen Spiele, die im kommenden Sommer stattfinden, in der Präfektur Fukushima abgehalten werden.

 

26.02.2020

AKW Onagawa, Freigabe für Reaktor 2 durch Atomaufsicht NRA

Auf einer Konferenz, die heute stattfand, haben die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke von der Atomaufsichtsbehörde NRA den schriftlichen Prüfbericht nach „bestandener“ Sicherheitsüberprüfung und Freigabe für den Reaktor 2, einen SWR am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi erhalten. Die Aussicht auf baldige Freigabe wurde den Tohoku Elektrizitätswerken bereits im vergangenen November mündlich zugesichert, sobald die letzten Nachbesserungsarbeiten, wie z.B. Erhöhung der Tsunamimauer beendet worden sind (antiatom-fuku berichtete).  

Während die NRA die Sicherheit des AKWs Onagawa für ausreichend befindet, zeigen sich einige Lokalpolitiker, sowie viele lokale Bürger eher skeptisch, zumal eine Erdbeben- und Tsunamisicherheit, anders als von den Befürwortern behauptet, ja gar nicht gewährleistet werden kann! Auch erscheint der vorhandene Katastrophenschutz- und Evakuierungsplan für den Fall einer radiologischen Notfallsituation eher unzureichend und in die Praxis nicht umsetzbar, so einige Lokalpolitiker.

Das bedeutet, dass die von den Tohoku Elektrizitätswerken angestrebte baldige Wiederinbetriebnahme des Reaktors sich noch auf unbestimmte Zeit verzögern könnte. Denn neben der NRA-Freigabe ist in jedem Falle auch die Genehmigung der umliegenden Gemeinden, sowie der Präfekturverwaltung nötig, dessen Erteilung jedoch noch fraglich ist.  

Reaktor 2 am AKW Onagawa ist nun der 16. Reaktor landesweit und der erste in der von der Dreifachkatastrophe 2011 am stärksten betroffenen Tohoku-Region (Norostjapan), der von der NRA für „sicher“ befunden und freigegeben worden ist. Und er ist nach Tokai 2, Präfektur Ibaraki auch der zweite SWR, der von der NRA freigegeben worden ist. Zuvor wurden „nur“ DWR freigegeben.

Für weitere Informationen zu Reaktor 2 am AKW Onagawa siehe auch AKW-Status und Gefahrenpunkte.  

 

24.02.2020

AKW Ikata, Reaktor 3, Gericht fordert weitere geologische Daten

Die Shikoku Elektrizitätswerke die das AKW Ikata, Präfektur Ehime betreiben, haben am vergangenen Mittwoch am OLG Hiroshima Berufung gegen das Urteil von Mitte Januar eingelegt, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 untersagt hatte (antiatom-fuku berichtete). Begründet wurde das Urteil mit der unzureichenden Erdbebensicherheit und der Nähe zu aktiven Vulkanen.

In der jetzigen Verhandlung, in der noch kein Urteil fiel, ordnete das Gericht eine erneute Überprüfung der Erdbebensicherheit und der Ausbruchgefahr der umliegenden Vulkane an, da nämlich die geologischen Daten, die dem Gericht von den Shikoku Elektrizitätswerken vorgelegt wurden, von den Shikoku Elektrizitätswerken selber erstellt worden sind und somit nicht als objektiv bewertet werden können.

Zudem kam es zu erheblichen Zwischenfällen am AKW Ikata innerhalb kurzer Zeit und einem kompletten Stromausfall (antiatom-fuku berichtete), was möglichweise Einfluss auf das künftige Gerichtsurteil nehmen könnte.

Der Reaktor 3 am AKW Ikata, der sich seit Ende Dezember in der jährlichen Revision befindet, ist, da die Reaktoren 1 und 2 bereits stillgelegt worden sind, der einzige Reaktor, der von den Shikoku Elektrizitätswerken betrieben wird. Dem entsprechend befürchten die Shikoku Elektrizitätswerke nun massive wirtschaftliche Einbußen, wenn sich die für Ende März geplante Wiederinbetriebnahme (Ende der jährlichen Revision) des Reaktors 3 auf unbestimmte Zeit verzögert, bzw. wie im ersten Verfahren bereits angeordnet, endgültig untersagt bleibt.

 

18.02.2020

AKW Takahama, Reaktor 3, defekte Rohrleitungen am Dampferzeuger

An einem der drei Dampferzeuger des Reaktors 3 am AKW Takahama, der sich seit Anfang Januar in Revision befindet, wurden nun Defekte an zwei Rohrleitungen entdeckt. Diese weisen Risse mit einer Länge von 12, bzw. 9 mm auf.

Im laufenden Betrieb des Reaktors zirkuliert über den 9800 Rohrleitungen im Dampferzeuger radioaktives Kühlwasser des Primärkreislaufes. Also Wasser, das im direkten Kontakt mit den Brennelementen im Reaktorkern steht.

Bei der letzten Revision im vergangenen Jahr, wurden im Reaktor 4 ebenfalls Risse in Rohrleitungen der Dampferzeuger entdeckt (antiatom-fuku berichtete).

Beide Reaktoren sind neben „normalen“ Uranbrennelementen auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt ist.

 

13.02.2020

Datenfälschung am AKW Tsuruga: NRA droht mit Konsequenzen

In einer Konferenz, die die Atomaufsichtsbehörde NRA am gestrigen Mittwoch abhielt, wurde die dreiste Dokumentenfälschung geologischer Untersuchungsdaten, die die betreibende JAPC für das AKW Tsuruga anfertigte (antiatom-fuku berichtete) erörtert. Hier hatte die JAPC geologische Daten aus dem Jahr 2012, wonach eine geologische Verwerfung, die unterhalb von Reaktor 2 verläuft und auf seismische Aktivität hinwies, in „abgeänderter“ Form dem aktuellen Untersuchungsbericht hinzugefügt, so, als würde es gar keine Hinweise für eine seismische Aktivität geben. Unabhängige geologische Untersuchungen zufolge ist eine seismische Aktivität jedoch sehr wahrscheinlich.

Der geologische Prüfbericht, der mit einer sehr hohen Relevanz in die Sicherheitsbewertung des Reaktors einfließt, wurde von der JAPC kürzlich in o.g. verfälschten Form bei der NRA eingereicht.

Der Chef der NRA, Toyoshi Fukeka verurteilte diese Vorgehensweise jedoch aufs schärfste und kündigte die sofortige Stilllegung des Reaktors an, falls sich die geologische Verwerfung tatsächlich als seismisch aktiv erweist. Dazu kündigte Fuketa auch strafrechtliche Schritte gegen die JAPC an.

08.02.2020

AKW Tsuruga, geologische Daten zu Reaktor 2 vorsätzlich fehlerhaft

In einer Konferenz, die die Atomaufsichtsbehörde NRA am gestrigen Freitag abhielt, wurden die Daten geologischer Untersuchungen, die die betreibende JAPC für den Reaktor 2 am AKW Tsuruga, Präfektur Fukui vorlegte, analysiert. Hierbei kommt die NRA jedoch zu der Feststellung, dass die von der JAPC vorgelegten Daten nicht nur unzureichend, sondern auch noch fehlerhaft sind! Zudem wurden teilweise alte Untersuchungsdaten aus dem Jahr 2012 vorgelegt, die aktuell nicht mehr verwertbar sind. Weitere Ungereimtheiten zeigen sich in der Dokumentation zur Bodenbeschaffenheit des Standortes von Reaktor 2. So wurde im Prüfbericht von 2012 der Untergrund als lehmartig und im aktuellen Bericht als „festeres“ Gestein beschrieben. Auch die geologische Verwerfung, die unterhalb des Reaktors verläuft, sei angeblich nicht seismisch aktiv.

Auf Nachfragen der NRA, die diese Falschangaben aufs schärfte kritisiert, verstrickt sich die JAPC in Widersprüche und ringt nach Erklärungsversuchen.

Bezüglich der seismischen Aktivität der oben beschriebenen geologischen Verwerfung sollen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Eine seismische Aktivität, die aller Voraussicht nach, eine Stilllegung des Reaktors 2 zufolge hätte, ist aber schon sehr wahrscheinlich.

Der Reaktor 1, ein SWR, wurde 2015 bereits stillgelegt. Für den Reaktor 2, ein DWR, zieht sich die NRA-Sicherheitsüberprüfung schon seit 5 Jahren in die Länge. Hier sind jetzt nicht nur die Aussichten auf Genehmigung sehr gering, sondern auch die Wirtschaftlichkeit muss hier infrage gestellt werden, da der Reaktor 2027 die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht.  

Neben AKW Tsuruga betreibt die JAPC noch den Reaktor 2 am AKW Tokai, Präfektur Ibaraki, der von der NRA defacto schon für „sicher“ befunden worden ist, und nach Beendigung der laufenden Nachrüstung auf Freigabe überprüft werden soll, und der ebenfalls in der NRA-Überprüfung befindliche Forschungsreaktor Joyo, vom Typ „Schneller Brüter“ in der Präfektur Ibaraki.  

Zurzeit hat die die JAPC, die ausschließlich auf die Produktion von Atomstrom setzt, defacto keine Einkünfte, dass nämlich alle Reaktoren, die von ihr betrieben werden, stillstehen.

 

05.02.2020

AKW Fukushima, Reaktorblock 2, nach 9 Jahren weiterhin hohe Strahlung

Im Reaktorgebäude 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi herrscht auch nach fast 9 Jahren seit Beginn der Reaktorkatastrophe von März 2011 weiterhin eine hohe Strahlung. So wurde in einer Robotermission, die am 30.01.2020 durchgeführt worden ist, ein Wert von 680 mSv/h im Obergeschoss des Reaktorgebäudes gemessen. Im Stockwerk direkt oberhalb des Reaktors, lag die am Boden gemessene Strahlung bei 683 mSv/h.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden gestern auf einer Konferenz, bestehend aus Fachleuten der Atomaufsichtsbehörde NRA und weiteren Experten analysiert, die folglich zu dem Schluss kamen, dass das Reaktorgebäude 2 weiterhin nicht betreten werden kann.

Der Reaktorblock 2 wurde, wie auch die Blöcke 1 und 3 im März 2011 durch eine Kernschmelze zerstört. Das Gebäude als solches blieb weitgehend unbeschädigt. Im Reaktorblock 3, wo zurzeit schon die Brennelemente aus dem Abklingbecken geborgen werden, fand im Dezember sogar eine Begehung der NRA statt (antiatom-fuku berichtete). Hier ist die Strahlung im Gebäude teilweise deutlich niedriger.  

 

02.02.2020

AKW Ōi, Bürgerklage wurde abgewiesen

Die Klage eines Bürgers aus der Präfektur Kyoto, der per einstweiliger Verfügung einen sofortigen Betriebsstopp der Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui erwirken wollte, wurde am 30.01.2020 durch das OLG Osaka abgewiesen. Begründet wurde das Urteil damit, „dass man keine absolute Sicherheit beim Betrieb kerntechnischer Anlagen verlangen könne“. Die Erdbebensicherheit sei ebenfalls gewährleistet. „Andernfalls hätte die Atomaufsichtsbehörde NRA das AKW Ōi auch nicht zur Wiederinbetriebnahme freigegeben“, so der zuständige Richter in seinem Urteil.

Bei unabhängigen Experten stößt das Urteil allerdings auf absolutes Unverständnis, da nämlich sehr wohl eine Gefahr durch Erdbeben gegeben ist und im Falle einer Nuklearkatastrophe nicht nur die umliegende Bevölkerung mit den Großstädten Kyoto und Osaka, sondern auch der Biwasee als wichtiges Trinkwasserreservoir bedroht wäre.

 

01.02.2020

AKW Fukushima, hochradioaktives Wasser: Regierung hält weiterhin an Verklappung ins Meer fest

Eine Unterkommission der Regierung, bestehend aus Vertretern des Wirtschafts- und Industrieministeriums (METI) und regierungsnaher Fachleute sind auf ihrer gestrigen Konferenz zu dem Entschluss gekommen, dass die Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung des hochradioaktiven Wassers, dass auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, nach vorheriger Verdünnung, eine sehr realistische Option sei. Nach einer „ausreichenden“ Verdünnung, so dass die darin enthaltenen radioaktiven Stoffe die gesetzlich festgelegten Obergrenzen unterschreiten, würde das radioaktiv belastete Wasser keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen, so die Unterkommission.

Auf dem Gelände lagern zurzeit 1.200.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, vor allem Tritium („überschweres Wasser“) in knapp 1000 großen Tanks.

Eine endgültige Entscheidung seitens der Regierung soll jedoch erst nach Anhörung lokaler und anderer Interessensgruppen erfolgen.

Fischer, Fischereigenossenschaften, lokale Bürger und Umweltverbände sprechen sich weiterhin strikt gegen diese Pläne aus, da nämlich vor allem durch das Tritium sehr wohl gesundheitliche Gefahren bestehen.  

 

26.01.2020

Stromausfall am AKW Ikata

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich gestern Nachmittag gegen 15:40 Uhr ein kompletter Stromausfall. Zu dem sprangen die Notstromaggregate verspätet an. Die Notstromaggregate der bereits stillgelegten Reaktoren 1 und 2 sprangen erst nach 3 Sekunden und des Reaktors 3, der wegen laufender Revision vom Netz ist, erst nach 10 Sekunden an, so dass die Kühlung der Brennelemente kurzzeitig unterbrochen worden ist!

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe jedoch keine Gefahr bestanden. Radioaktivität sei ebenfalls nicht ausgetreten. Nach der Ursache für den plötzlichen Stromausfall werde nun gesucht, so die Shikoku Elektrizitätswerke.

Das ist nun bereits der dritte Zwischenfall innerhalb kurzer Zeit, der sich am AKW Ikata, vor allem in Reaktorblock 3, der bis Dato noch betrieben worden ist, ereignet. Der Weiterbetrieb des Reaktors wurde aber auch aufgrund seismischer Gefahren, die bisher unterschätzt worden sind, Mitte dieses Monats per Gericht untersagt (antiatom-fuku berichtete).

 

22.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall bei Inspektion der Brennelemente

Am AKW Ikata, Reaktor 3, der seit Ende Dezember zwecks jährlicher Revision vom Netz ist, ereignete sich wieder ein Zwischenfall, der in Verbindung mit den Brennelementen steht, die Anfang dieses Monats aus dem Reaktor entnommen und ins Abklingbecken gestellt worden sind. Diese werden nun einer Inspektion unterzogen, wofür jedes einzeln angehoben und begutachtet wird. Dabei ist nun ein Brennelement, das gerade überprüft worden ist und zurück in die Haltevorrichtung des Abklingbeckens gestellt werden sollte, beim absetzen auf die Kante gestoßen. Ein vorausgegangenes Warnsignal wurde wahrscheinlich nicht beachtet.

Wie es zu diesem Zwischenfall kam, der sich bereits am Montag und ca. 14:00 Uhr ereignete, und ob menschliches Versagen als Ursache infrage kommt, werde nun untersucht. Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken sei das Brennelement jedoch nicht beschädigt worden und keine Radioaktivität ausgetreten, so dass keine Gefahr für die anwesenden Arbeiter bestanden habe.

Beim ersten Zwischenfall, der sich Anfang Januar ereignete, ist bei der Entnahme der Brennelemente aus dem Reaktor ein Steuerstab herausgerutscht. Zudem wurde der Weiterbetrieb des Reaktors, der im März wieder hochgefahren werden sollte, in der vergangenen Woche gerichtlich untersagt (antiatom-fuku berichtete). Das Urteil wurde mit den geologischen gefahren begründet.

 

21.01.2020

Tepco, AKW Fukushima: Sediment in Lagertanks verschwiegen

Bezüglich des hochradioaktiven Wassers, das in großen Tanks auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, fand nun erneut eine Konferenz des Betreibers Tepco mit Regierungsvertretern statt, worin die bisherigen Maßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen des Regierungsausschusses erörtert wurden, wie mit dem hochradioaktiven Wasser umgegangen, bzw. wie es „entsorgt“ werden soll. Die Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung wurde bereits mehrfach diskutiert (antiatom-fuku berichtete).

Das hochradioaktive Wasser der Lagertanks stammt aus der Reaktorkühlung der drei Kernschmelzen, wurde schon mehrfach „gereinigt“ und wiederverwendet, ist aber nun so stark kontaminiert, vor allem mit hochradioaktiven Stoffen belastet, insbesondere Tritium, die sich nicht herausfiltern lassen, so das es in den Tanks zwischengelagert werden muss.

Allerdings hatte Tepco bisher komplett verschwiegen, dass sich am Grund einiger Lagertanks ein schlammiges Sediment abgelagert hat, dass bereist im vergangenen Sommer entdeckt worden ist. Dieses könnte jedoch nun zu einem zusätzlichen Problem werden. Laut Tepco handelt es sich bei diesem Sediment vermutlich um eine Metallverbindung, die durch Chemikalien entstanden ist, die bei der Dekontamination des hochradioaktiven Wassers zugesetzt werden. Wie stark das Sediment jedoch radioaktiv belastet ist, ist bisher noch unbekannt.     

  

18.01.2020

OLG Hiroshima: AKW Ikata, Betriebsverbot für Reaktor 3

Nach einem Gerichtsurteil, dass am gestrigen Freitag am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3, der sich zurzeit in der jährlichen Revision befindet, nicht wieder in betrieb genommen werden. Geplante Wiederinbetriebnahme war Ende März. Begründet wird das Urteil mit einer nahe am AKW Ikata verlaufenden seismisch aktiven geologischen Verwerfung und aktiver Vulkane im Umkreis. Zudem waren die bisherigen geologischen Untersuchungen, die seitens der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke und der Atomaufsichtsbehörde NRA durchgeführt worden sind, unzureichend. Diese Fehler, sowie weitere Versäumnisse der NRA, die den Reaktor 3 in Anbetracht mangelnder geologischer Daten gar nicht hätte für „sicher“ befinden und freigeben dürfen, wurden im Urteil ebenfalls zur Sprache gebracht. Der Reaktor 3 wurde im Mai 2015 nach Abschluss der NRA-Sicherheitsüberprüfung für „sicher“ befunden und freigegeben.

Dies ist nun das zweite Gerichtsurteil, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 am AKW Ikata untersagt hat (12/2017, OLG Hiroshima). Das Urteil war jedoch nur befristet und wurde 09/2018 wieder aufgehoben, so dass der Reaktor 3 wieder hochgefahren werden durfte (antiatom-fuku berichtete).  

Im jetzigen Verfahren hatten drei Anwohner gegen das AKW Ikata geklagt. Die Shikoku Elektrizitätswerke wollen jedoch Berufung einlegen.

Das AKW Ikata befindet sich auf einer schmalen Landzunge. Parallel dazu verläuft auch die mittlere tektonische Linie, eine Bruchzone, die über eine Länge von 1000km von Tokyo bis Kyushu zieht.

Weiter Infos zum AKW Ikata und dessen besonderen geologischen Gefahren.

 

17.01.2020

AKW Fukushima, „Eismauer“: Kühlmittel an drei Stellen ausgetreten

In der unterirdischen „Eismauer“, die am havarierten AKW Fukushima Daiichi die Reaktoren 1 bis 4 umschließt, ist, wie der Betreiber Tepco nun mitteilte, an drei Stellen Kühlmittel ausgetreten. Hier waren Verbindungsstücke der Röhren, über die das Kühlmittel zirkuliert undicht geworden.

Erste Hinweise auf Undichtigkeiten im Röhrensystem zeigten sich bereits vor anderthalb Wochen, als Arbeiter ein Absinken des Pegels im Kühlmitteltank der „Eismauer“ bemerkten (antiatom-fuku berichtete).

Die unterirdische „Eismauer“ soll dafür sorgen, dass das hochradioaktive Wasser der Reaktorkühlung darin „eingeschlossen“ bleibt und nicht in die Umwelt gelangt.  

Von den 1,1 Mio. Liter Kühlmittel, das für die „Eismauer“ in Gebrauch ist, sind 20.000 Liter ausgelaufen. Die Leckagen werden zurzeit repariert, solange zirkuliert kein Kühlmittel. Das Erdreich, das unter dem zirkulierenden Kühlmittel auf eine Temperatur von -30°C gehalten wurde, bleibt laut Tepco jedoch noch einige Zeit gefroren, so dass die fehlende Zirkulation des Kühlmittels während der Reparaturarbeiten keine negativen Auswirkungen habe.

 

13.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall beim Brennelementwechsel

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich bereits am gestrigen Sonntag ein Zwischenfall im Reaktor 3. Dieser ist seit dem 26.12.2019 zwecks jährlicher Revision von Netz, und es wurde mit der Entnahme der Brennelemente begonnen, damit der Reaktor inspiziert und gewartet werden kann.

Bei der Entnahme der Brennelemente, wurde nun an einem Brennelement, dass gerade aus dem Reaktor entnommen werden sollte, aus Versehen ein Steuerstab herausgezogen, der nun unten heraushing.

Die Steuerstäbe, wovon jedes Brennelement 48 Stück enthält, unterdrücken die Kernspaltung. Werden die Steuerstäbe herausgefahren, kommt die Kernspaltung in Gang, bzw. wird gedrosselt, wenn diese wieder eingefahren werden.

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe durch den Zwischenfall keine Gefahr bestanden, da das Reaktorbecken mit Borsäure befüllt gewesen sei, die ebenfalls die Kernspaltung unterdrückt. Nach der Ursache für den herausragenden steuerstab werden nun gesucht.

Siehe dazu auch die Bilder im Video (32 Sek., japanisch) der TBS

 

11.01.2020

AKW Fukushima, Leckage in der unterirdischen „Eismauer“

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es in der unterirdischen „Eismauer“, die die Kellerräume der Reaktoren 1 bis 4 umschließt, zu einem erheblichen Kühlmittelverlust, so dass die Zirkulation des Kühlmittels unterbrochen worden ist. Bereits am vergangenen Dienstag und Mittwoch bemerkten Mitarbeiter ein deutliches Absinken des Pegels im Kühlmitteltank, was auf eine Leckage in den Röhren des unterirdischen Kühlmittelkreislaufs schließen lässt.

Die sogenannte „Eismauer“, ein Röhrensystem, das den Boden über eine zirkulierende chemische Kühlflüssigkeit bis in 30 Meter Tiefe gefriert, soll verhindern, dass hochradioaktives Wasser der Reaktorkühlung ins Meer gelangt, bzw. verhindern, dass nachlaufendes Grundwasser eindringt.

Die ausgelaufene Kühlmittelmenge wird auf etwa 1600 Liter geschätzt. Laut Tepco würde es einige Monate dauern, bis die „Eismauer“ aufgetaut ist, so dass sie trotz der unterbrochenen Kühlmittelzirkulation weiterhin ihre Wirkung aufrechterhält. Somit bliebe genügend Zeit, um nach der Ursache zu suchen und diese zu beheben, so der Betreiber Tepco.

 

05.01.2020

Futaba: Evakuierungsbefehl wird komplett aufgehoben

Der Evakuierungsbefehl für die Ortschaft Futaba, die sich in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi befindet, soll ab den kommenden März komplett aufgehoben werden. Bis dahin sind nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt (stundenweise, ohne Übernachtung, je nach Gebiet). Zuvor wurde, um die Radioaktivität zu senken, eine Flächendekontamination innerhalb der Wohngebiete durchgeführt, aber nicht in angrenzenden Freiflächen und Wäldern!

In Anbetracht der Nähe zum AKW Fukushima Daiichi, das weiterhin große Mengen Radioaktivität emittiert und somit die Umgebung immer wieder kontaminiert, sind diese Maßnahmen bei vielen Bürgern und unabhängigen Experten weiterhin sehr umstritten. Die Regierung will jedoch, vor allem in Anbetracht der bevorstehenden olympischen Spiele wieder „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten lassen, so dass die Regierung vor ein paar Jahren auch schon die Strahlenbelastungsobergrenze der wiederbesiedelten Evakuierungsgebiete auf 20mSv/a hochgesetzt und für zumutbar befunden hatte.

Die JR Joban-Bahnlinie, die direkt am AKW Fukushima Daiichi vorbeiführt, also quer durch die ehemalige 20-km-Sperrzone, fährt den Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder an. Somit wird das letzte Teilstück der unterbrochenen Bahnlinie wieder in Betrieb genommen, so dass diese von Tokyo über Iwaki bis Sendai (Nord) wieder komplett befahren werden kann. Auch der Bahnhof J-Village, am Sportzentrum J-Village auf der Joban-Linie, der eigens für die olympischen Spiele extra gebaut worden ist, wurde im April 2019 feierlich eröffnet (antiatom-fuku berichtete). Auch dieser liegt nur wenige Kilometer vom havarierten AKW entfernt!  

 

02.01.2020

Tepco, weitere Infos zum Rückbau des AKWs Fukushima Daiichi

Nach einer neuen Ergänzung des Fahrplans für den Rückbau des havarierten AKWs Fukushima Daiichi, die die Regierung und der Betreiber Tepco nun vorstellte, soll das radioaktiv kontaminierte Grund- und Kühlwasser, das Tag für Tag ins Meer gelangt, bis 2025 auf unter 100m³/Tag reduziert werden. Derzeit liegt die Menge bei etwa 150m³/Tag.

Die Bergung aller Brennelemente der Reaktoren 1 bis 6, inklusiver der drei Kernschmelzen soll bis 2031 abgeschlossen sein.

Ein Zwischenlager für den radioaktiv kontaminierten Schutt der Reaktorgebäude soll bis 2028 in Betrieb gehen.

Nachrichten aus dem Jahr 2019