2021 Fuku Info

Archiv aus dem Jahr 2021 in umgekehrter Chronologie. Das heißt: Das aktuellste folgt zuerst.   

 (Zu den aktuellen Nachrichten)

 

14.06.2021

AKW Kashiwazaki Kariwa, Reaktor 7, noch über 70 Mängel festgestellt

Der Reaktor 7 am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata wird weiterhin durch die Atomaufsichtsbehörde NRA nicht freigegeben. Denn obwohl die Nachbesserungen laut dem Betreiber Tepco nun vollständig erbracht sein, hat die NRA bei ihrer Inspektion über 70 sicherheitsrelevante Mängel, z.B. in Sachen Brandschutz und Anlagensicherheit festgestellt, so dass weiterhin keine Freigabe für den Reaktor 7 erfolgt, und sich die Wiederinbetriebnahme, die eigentlich für diesen Sommer geplant gewesen ist (antiatom-fuku berichtete), nun auf unbestimmte Zeit verschiebt. Die Freigabe durch die Präfekturverwaltung steht ebenfalls noch aus.

Zunächst erfolgte im Oktober 2020 die Defacto-Freigabe der NRA, unter dem Vorbehalt baulicher und sicherheitstechnischer Nachbesserungen, die im März 2021 aber wieder zurückgenommen wurde, da immer noch gravierende Mängel bestanden. Wie sich bei der aktuellen NRA-Inspektion zeigte, wurde die Mängelliste jedoch bis heute noch nicht abgearbeitet, so dass weiterhin keine Freigabe für Reaktor 7 erfolgte.

Schon im September 2020 geriet Tepco in die Kritik, als am AKW Kashiwazaki Kariwa ein Unbefugter bis in den Kontrollraum eines Reaktorblocks ungehindert vordrang (antiatom-fuku berichtete).

 

13.06.2021

AKW Takahama, Frist abgelaufen, Wiederinbetriebnahme verschiebt sich

Am AKW Takahama, Präfektur Fukui sind die Terrorschutznachbesserungen für die beiden Altreaktoren 1 und 2 immer noch nicht abgeschlossen. Allerdings ist die Frist, bis wann die Arbeiten fertiggestellt werden müssen, am 09.06.2021 abgelaufen, so dass beide Reaktoren, anders als geplant auch vorläufig nicht hochgefahren werden dürfen.

Das der Zeitplan nicht eingehalten werden kann und die Frist somit verstreichen würde, war den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken jedoch schon im vergangenen April klar (antiatom-fuku berichtete), dennoch wurde der Reaktor 1 kürzlich schon mit Brennelementen bestückt, die aber nun wieder entnommen und zurück ins Abklingbecken transportiert werden müssen. Wann die beiden Reaktoren 1 und 2, dessen Wiederinbetriebnahme im April schon durch die Präfekturverwaltung genehmigt worden ist, letztendlich ans Netz gehen dürfen, ist zurzeit nun unklar. Ursprünglich war die Wiederinbetriebnahme sogar für den März geplant gewesen.

 

08.06.2021

AKW Fukushima, 31 Container mit hochradioaktivem Schlamm undicht

Auf der regelmäßigen Konferenz der Atomaufsichtsbehörde NRA, die am gestrigen Montag stattfand, wurden die am havarierten AKW Fukushima Daiichi gelagerten Container, die hochradioaktiven Schlamm beinhalten, thematisiert. Denn 31 dieser Container weisen Undichtigkeiten auf, die aufgrund der hohen Strahlung des Schlamms zurückzuführen sind. Laut dem Betreiber Tepco habe man bei den Containern, die aus einem harzhaltigen Kunststoff bestehen, mit einer viel längeren Lebensdauer gerechnet. Es sei zwar noch kein Schlamm ausgetreten, so ein Tepco-Verantwortlicher, allerdings wolle man die besagten Container ab August nach und nach austauschen.

Bei der Filterung des hochradioaktiven Wassers, dass mehrfach für die Reaktorkühlung verwendet wird, die u.a. auch mit Hilfe von Chemikalien in der Dekontaminierungsanlage ALPS erfolgt, entstehen Rückstände in Form des hochradioaktiven Schlamms. Dieser wird dann in den besagten Containern, mittlerweile etwa 3000 Stück gelagert. Unter der hohen und kumulativen Strahlenmenge altern die Container jedoch deutlich schneller, indem das Material sehr spröde wird. Nach Berechnungen des Betreibers Tepco sollten die Container eigentlich bis Mitte 2025 halten. Neben den 31 o.g. Containern, die schon sehr undicht geworden sind, weisen 56 weitere Container ebenfalls schon Materialschäden auf. Diese sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre ausgetauscht werden.

 

05.06.2021

Neuer Energiefahrplan soll im Herbst beschlossen werden

Wie aus einer Regierungskonferenz Ende dieser Woche hervorging, wurde nun die „weitere Nutzung der Kernenergie" aus dem Strategieplan für das zukünftige Wirtschaftswachstum gestrichen. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) ist zwar der Auffassung, dass die Nutzung der Kernenergie, somit der Weiterbetrieb der AKWs notwendig sei, aber nicht der Umweltminister Shinjiro Koizumi und der Minister für Regulierungsreformen Taro Kono, die stattdessen nämlich den Ausbau der Erneuerbare Energien voranbringen wollen.

Dies sorgt nun für Diskussionszündstoff und könnte durchaus Einfluss auf den künftigen Energiefahrplan haben, der im kommenden Herbst neu reformiert und beschlossen werden soll.

 

29.05.2021

AKW Fukushima, weitere Leckagen in Lagertanks

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurden in dieser Woche erneut Undichtigkeiten an den großen Tanks für hochradioaktives Abwasser gefunden. Davon betroffen sind einige der zusammengesteckten und mit Bolzen befestigte Tanks, in denen vorwiegend das kontaminierte Grundwasser gesammelt wird, das auf dem Gelände im Bereich der Reaktoren 5 und 6 über Bohrlöcher abgepumpt wird.

Bereits nach dem stärkeren Erdbeben, dass sich im Februar dieses Jahres ereignet hatte (antiatom-fuku berichtete), traten die ersten Leckagen an den zusammengesteckten Tanks auf. Diese Tanks, die schon im August 2011 aufgestellt worden sind, waren ursprünglich nur für ca. 5 Jahre vorgesehen, befinden sich aber weiterhin im Einsatz.

Unmittelbar nach dem Erdbeben von Februar wurden an zwei Tanks solche Leckagen, und Schäden an der Oberseite an mehreren Tanks gefunden. Die Schäden wurden notdürftig repariert. Allerdings traten im April und jetzt aktuell an weiteren fünf Tanks Undichtigkeiten an den Wänden der Tanks auf.

 

25.05.2021

Nach Reparatur, AKW Ōi, Reaktor 3 soll wieder ans Netz

Wie die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke gestern mitteilten, soll der Reaktor 3 am AKW Ōi, Präfektur Fukui, der wegen Reparaturarbeiten fast ein Jahr stillstad, am 03.07.2021 wieder hochgefahren werden. Denn bei der jährlichen Revision im vergangenen Jahr wurden nämlich Risse an Rohrleitungen des Primärkreislaufes gefunden (antiatom-fuku berichtete). Die defekten Rohrleitungen wurden nun ausgetauscht. Die Arbeiten werden voraussichtlich Anfang Juni komplett abgeschlossen sein, so dass der Reaktor wieder mit Brennelementen bestückt werden kann.

 

24.05.2021

Landesweit erster Altreaktor Mihama 3 wird am 23. Juni hochgefahren

Zur Vorbereitung der Wiederinbetriebnahme wurde der Reaktor 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui diese Woche mit 157 Uranbrennelementen bestückt. Dies teilte ein Sprecher der Kansai Elektrizitätswerke auf einer Pressekonferenz mit.

Bei Reaktor 3 handelt es sich um einen DWR, der zwar die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht hat, aber nachgerüstet wurde und eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten hat. Allerding ist er jetzt mittlerweile seit 10 Jahren nicht mehr in Betrieb gewesen.

Nach Informationen der Kansai Elektrizitätswerke soll der Reaktor am 23.06.2021 wieder hochgefahren werden. Ab den 27.07. 2021 soll er dann im regulären Leistungsbetrieb laufen. Nach nur vier Monaten Betriebszeit, also Ende Oktober muss er jedoch wegen der fehlenden Terrorschutznachbesserungen wieder vom Netz. Hier hatten die Kansai Elektrizitätswerke, genauso wie die anderen atomkraftbetreibenden Stromkonzerne auch, einfach die Frist verstreichen lassen, so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA die Termine für die Erbringung der Nachbesserungen verbindlich festlegte. Andernfalls wären die betroffenen Reaktoren zwangsstillgelegt worden (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber).

 

21.05.2021

Vulkane nahe der Wakasa-Bucht, Berechnung des Ascheniedergangs zu Gunsten der AKW-Betreiber

Obwohl der Ascheausstoß im Falle eines Ausbruches aktiver Vulkane in der Umgebung, der auf die AKWs in der Präfektur Fukui niedergehen könnte, nach neusten Berechnungen höher eingeschätzt wird, befindet die Atomaufsichtsbehörde NRA die Sicherheitsvorkehrungen an den durch die Kansai Elektrizitätswerke betriebenen AKWs Takahama, Mihama und Ōi für ausreichend. Dies teilte die NRA auf ihrer regelmäßigen Konferenz am 19.05.2021 mit.  

Früheren Berechnungen zufolge, würde durch einen Vulkanausbruch eine 10cm dicke Ascheschicht an den AKW-Standorten der Wakasa-Bucht, im südlichen Teil der Präfektur Fukui, wo sich insgesamt 15 Reaktoren auf engen Raum befinden niedergehen. Neueren Berechnungen zufolge wäre die Ascheschicht allerdings viel dicker, nämlich mehr als das Doppelte! Dies stelle laut den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken jedoch keine Probleme dar, da die Filter entsprechend dicht sein und regelmäßig gewartet werden dadurch würde selbst die feine Vulkanasche keine Gefahr für die drei o.g. AKWs darstellen, so die Kansai Elektrizitätaswrke.

Die meisten AKWs der Wakasa-Bucht (insgesamt 15 Reaktoren!), inklusive der drei Altreaktoren, die in Kürze wieder ans Netz gehen sollen, werden von den Kansai Elektrizitätswerken betrieben. Der Altreaktor Mihama 3 soll Anfang Juni ans Netz gehen (antiatom-fuku berichtete).  

 

16.05.2021

Altreaktor Mihama 3 soll im Juni hochgefahren werden

Spätestens Ende Juni soll Reaktor 3, AKW Mihama, Präfektur Fukui nach zehnjährigem Stillstand wieder hochgefahren werden. Bei diesem Reaktor handelt es sich um einen DWR aus dem Jahr 1976, der 2016 die gesetzlich festgelegte reguläre Obergrenze der Betriebsdauer schon erreicht hat, aber genauso wie die beiden anderen Altreaktoren 1 und 2 am AKW Takahama, ebenfalls Präfektur Fukui eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten hat.

Nach mehrfacher Verschiebung soll Mihama 3 nun bis spätestens Ende Juni wieder hochgefahren werden und voraussichtlich ab Mitte/Ende Juli im regulären Leistungsbetrieb laufen. Somit wäre das der erste Altreaktor landesweit, der am Netz wäre. Ab den 20.05.2021 sollen der Reaktor mit Brennelementen bestückt werden. Allerdings muss der Reaktor Mitte Oktober wieder heruntergefahren werden, da die Kansai Elektrizitätswerke die Frist zur Erbringung der Terrorschutznachbesserungen, die am 25.10.2021 abläuft, nicht einhalten können. Somit wäre der Reaktor lediglich für 4 Monate am Netz. Die kurze Betriebszeit sei laut den Kansai Elektrizitätswerken jedoch trotzdem sinnvoll, da der Reaktor seit 10 Jahren nicht mehr in Betrieb war, und somit technisch besser, also im laufenden Betrieb überprüft, Abläufe ggf. optimiert und die Mitarbeiter „hier und dort“ noch einmal geschult werden können.

 

09.05.2021

AKW Fukushima, Reaktor 1, erneut sinkender Wasserstand

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kämpft der Betreiber Tepco mit erneut aufgetretenen, bzw. weiterhin bestehenden Problemen, den Kühlwasserstand im Reaktor 1 zu halten. Somit musste nun die Menge des einzuspeisenden Kühlwassers von 3 auf 4m³/h erhöht werden. Auch wenn die Reaktorkatastrophe mit dreifacher Kernschmelze schon 10 Jahre zurück liegt, müssen die geschmolzenen Brennelemente weiterhin aktiv gekühlt werden.

Der Wasserstand im Reaktor 1 sei am 07.05.2021 auf 92cm gesunken, worauf die Menge der Frischwasserzufuhr erhöht worden ist. „Es sei sehr schwierig, den Wasserstand laufend zu kontrollieren“, so der Betreiber Tepco. „Es habe jedoch zu keiner Zeit eine Gefahr einer erneuten Kritikalität bestanden. Eine ausreichende Kühlung werde trotz der schwierigen Umstände stets gewährleistet“, so Tepco weiter.

Durch das stärkere Erdbeben vom 13.02.2021 (antiatom-fuku berichtete), haben sich weitere, bzw. größere Risse an den bereits beschädigten Reaktoren gebildet, so dass schon damals der Wasserstand absank und die Frischwasserzufuhr, zumindest vorübergehend erhöht werden musste.

 

06.05.2021

Umfrage zum AKW Sendai: knapp 60% für die Abschaltung

Nach einer aktuellen Umfrage der Tageszeitung Minaminihon Shinbun, sprechen sich 59,7% der Befragten gegen eine möglichen Laufzeitverlängerung der beiden alternden Reaktoren am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima aus. Begründet wird die Ablehnung vor allem mit der zunehmenden Störanfälligkeit alternden Reaktoren. Stattdessen solle lieber der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden, so 47,9% der Befragten, die sich gegen eine Laufzeitverlängerung aussprechen. 35,4% der Befragten wären mit dem Weiterbetrieb der alternden Reaktoren einverstanden. Die übrigen 4,9% konnten sich nicht festlegen.

Im Vergleich zur vorherigen Umfrage im vergangenen Jahr, ist nun die Anzahl derer, die die baldige Stilllegung der Anlage befürworten um mehrere Prozentpunkte gestiegen.

Beide Reaktoren erreichen in den nächsten Jahren die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren, so dass diese endgültig stillgelegt werden müssen, wenn bei der Atomaufsichtsbehörde NRA keine Laufzeitverlängerung beantragt wird. Der Reaktor 1 erreicht im Juli 2024 und Reaktor 2 im November 2025 die 40 Betriebsjahre. Nach einer den NRA-Vorgaben entsprechenden Nachrüstung wäre eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre möglich. Die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke wollen in der nächsten Zeit prüfen, in wie weit sich eine Nachrüstung beider Reaktoren wirtschaftlich lohnt, bevor diese dann bei der NRA betragt wird. Interesse daran habe man auf jedem Fall, so der Firmenchef der Kyushu Elektrizitätswerke auf einer Konferenz von Ende April.  

 

01.05.2021

Präfektur Fukui genehmigt Wiederinbetriebnahme dreier Altreaktoren

Der Gouverneur der Präfektur Fukui Sugimoto erteilte in dieser Woche die Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme der drei Aktreaktoren Mihama 3, Takahama 1 und 2. Hier bei handelt es sich um Altreaktoren, die eigentlich die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht haben, aber durch die Atomaufsichtsbehörde NRA eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten haben. Vorausgesetzt wurde eine technische Nachrüstung, sowie die Erbringung der gesetzlich vorgeschriebenen Terrorschutzmaßnahmen innerhalb einer bestimmten Frist.

Die Nachbesserungsarbeiten liegen jedoch zum Teil deutlich hinter dem Zeitplan, so dass die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke die drei Reaktoren nicht wie geplant Anfang des Jahres ans Netz nehmen konnte. Zudem wurden noch einige Reparaturen nötig, wodurch sich die Termine ebenfalls verschoben wurden (antiatom-fuku berichtete).

Aktuellen Plänen der Kansai Elektrizitätswerke zufolge soll der Reaktor 3 am AKW Mihama Ende Mai, bzw. Anfang Juni wieder hochgefahren werden. Die Nachrüstung für Reaktor 1 am Takahama dauert länger, als vorhergesehen, so dass die finale Frist bis zum 09.06.2021 nicht eingehalten werden kann (antiatom-fuku berichtete), und der Reaktor trotz der Genehmigung der Präfekturverwaltung nicht hochgefahren werden darf. Am Reaktor 2 (AKW Takahama) sind die Nachbesserungen zwar schon abgeschlossen, allerdings ist auch hier die Wiederinbetriebnahme noch nicht terminiert, so dass Mihama 3 voraussichtlich der landesweit erste Altreaktor sein wird, der wieder hochgefahren wird.

Nicht nur die Tatsache, dass alle drei Altreaktoren seit etwa 10 Jahren außer Betrieb sind, sondern auch Bedenken bezüglich der Sicherheit alternder Kernkraftwerke generell und die Wirksamkeit von Evakuierungsplänen im Falle eines Unfalls, der sich auf benachbarte Kommunalverwaltungen erstreckt, kritisieren unabhängige Experten die Genehmigte Wiederinbetriebnahme aufs Schärfte. Zu dem ist das Problem bezüglich der Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente aus den nahezu vollen Abklingbecken der übrigen von den Kansai Elektrizitätswerken betriebenen Reaktoren immer noch nicht gelöst. Hier wurde der Transport in ein neues Zwischenlager in Mutsu, Präfektur Aomori in Nordjapan angestrebt. Der dortige Bürgermeister lehnt dies jedoch strikt ab. Die Regierung unter Yoshihide Suga hingegen, propagieren die Kernenergie weiterhin als „klimafreundliche Alternative“ zur reichlich CO2 emittierenden Kohleenergie und führt dazu auch „Vergleichsstudien“ an. „Man wolle bis 2050 klimaneutral werden, wozu man die Kernenergie jedoch benötige“, so die Propaganda der Regierung. Allerdings wurde in dieser Studie das Jahr „2013“ als Indikatorjahr genommen (siehe dazu auch den Bericht von Mai 2015 in der Rubrik „Energiepolitik seit Fukushima“, der nach wie vor sehr aktuell ist), als sämtliche AKWs vom Netz waren und viele Kohlekraftwerke liefen, weil die erneuerbaren Energien noch nicht soweit wie heute ausgebaut waren. Um die Kernenergie wieder voran zu bringen, hat die Regierung die Nachrüstung der drei Altreaktoren sogar finanziell kräftig unterstützt. 

25.04.2021

Altreaktoren Takahama 1 und 2, Frist für Terrorschutznachbesserungen kann nicht eingehalten werden

Wie die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke Ende dieser Woche bekannt gaben, werden die Terrorschutznachbesserungen am AKW Takahama, Präfektur Fukui noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so dass die Frist, die am 09.06.2021 ausläuft, nicht eingehalten werden kann. „Die Bauarbeiten sein umfangreicher als erwartet“, so ein Sprecher der Kansai Elektrizitätswerke auf einer Konferenz am 22.04.2021.

Die Fertigstellung der geforderten Nachbesserungen ist jedoch Voraussetzung für die Freigabe zur Wiederinbetriebnahme beider Altreaktoren, für die die Atomaufsichtsbehörde NRA 2016, jedoch unter Vorbehalt eine 20jährige Laufzeitverlängerung zusicherte. Unter den nun gegebenen Umständen dürfen die beiden Reaktoren trotz der Genehmigung des Präfekturgouverneurs Sugimoto, die in der kommenden Woche erfolgen soll, nicht hochgefahren werden.

Der Reaktor 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui, ebenfalls ein Altreaktor mit 20jähriger Laufzeitverlängerung, soll ebenfalls in der kommenden Woche die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme erhalten.

Nach ursprünglichen Plänen der Kansai Elektrizitätswerke sollten alle drei Altreaktoren eigentlich schon Anfang des Jahres wieder ans Netz gehen.

 

21.04.2021

AKW Fukushima, Fahrlässigkeit nach Bedienerfehler eines Ventils

Nach einer fehlerhaften Bedienung eines Ventils, hat eine Pumpe, die radioaktives Grundwasser abpumpt, dass sich mehreren Bohrlöchern rund um die Reaktoren 1 bis 4 am havarierten AKW Fukushima Daiichi ansammelt, gestoppt. Wie sich herausstellte, hatten die Mitarbeiter nicht nur das Ventil fehlerhaft bedient, sondern auch die Angaben im Bedienerhandbuch missachtet, so der Betreiber Tepco. Es sei jedoch kein radioaktiv kontaminiertes Wasser ausgetreten, als die besagte Pumpe stillstand, so Tepco weiter.

Da derselbe Fehler auch an der Dekontaminierungsanlage „ALPS“ leicht passieren kann, hat Tepco seine zuständigen Mitarbeiter nun angewiesen, die im Bedienerhandbuch beschriebenen Anweisungen gründlich zu überprüfen und zu verinnerlichen.

 

14.04.2021

AKW Fukushima, hochradioaktives Wasserproblem: verharmlosendes Gehirnwäschevideo gestoppt

Die Behörde für Wiederaufbau (Behörde für die Koordinierung des Wiederaufbaus nach dem großen Tohoku-Erdbeben von 2011) hatte bezugnehmend auf die von der Regierung gestern beschlossene Einleitung des hochradioaktiven Wassers ins Meer (antiatom-fuku berichtete), ein verharmlosendes Zeichentrickvideo auf ihre Homepage eingestellt. Das in niedlicher Form illustrierte Zeichentrickvideo „erklärt“ in einer leicht verständlichen Form, wie mit dem hochradioaktiven Wasser (zu 70% aus Tritium bestehend), dass am havariertem AKW Fukushima Daiichi lagert, umgegangen werden soll, da man es dort nicht weiter lagern könne. Die „zündende Idee“ lautet „fraktionierte Einleitung ins Meer, und alle Probleme sind gelöst“, so der Eindruck, der im Video vermittelt werden soll. Da das ins Meer eingeleitete Tritium stark verdünnt wird, stelle es auch keine gesundheitliche Gefahr dar.

Es dauerte nicht lange, da hagelte es heftige Kritik im Internet. Nicht nur besorgte Bürger und Umweltverbände erhoben ihre Stimmen, auch unabhängige Experten übten Druck aus, so dass die Behörde das Video heute wieder von der Homepage entfernte. Die Verbreitung von „Aufklärungsflyern“, die in großer Zahl gedruckt worden sind, wurden ebenfalls gestoppt. „Man wolle das Video nun überarbeiten“, so ein Sprecher der Wiederaufbaubehörde.

 

13.04.2021

Offizieller Beschluss der Regierung: hochradioaktives Wasser soll ins Meer geleitet werden

Wie die Regierung auf der heutigen Ministerkonferenz nun offiziell beschlossen hat, soll das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks auf dem Gelände des havariertem AKWs Fukushima Daiichi lagert, ins Meer geleitet werden. Alternativlos beabsichtigt wird die Einleitung ins Meer schon seit längerem, und sollte auch schon vor vielen Monaten offiziell durch die Regierung beschlossen werden, ein Beschluss, der jedoch immer wieder aufgeschoben worden ist (antiatom-fuku berichtete).

Auf dem Gelände lagern mittlerweile 1.250.000 Tonnen hochradioaktives Abwasser in 1047 Tanks, dass schon mehrfach für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente verwendet worden ist und nun nicht mehr zur Wiederverwertung gefiltert werden kann. Die Kapazität sei nun zu 90% erschöpft, und es sei auch kein Platz mehr für weitere Tanks vorhanden, so der Betreiber Tepco.

Das hochradioaktive Wasser wurde zwar kürzlich erneut gefiltert, allerdings konnte die Radioaktivität nur wenig gesenkt werden. Zu dem besteht es zu 70% aus Tritium („überschweres“ Wasser), dass nicht herausgefiltert werden kann! Tritium ist insofern sehr problematisch, da es sich, wenn es in den Körper gelangt, wie „normales“ Wasser verhält, also rasch in jede Zelle gelangt und diese schädigt. Somit ist es auch schon in kleinen Mengen gesundheitsgefährdet.

Die Einleitung des hochradioaktiven Wassers soll in etwa zwei Jahren begonnen und über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren gestreckt werden, so die Pläne des Betreibers Tepco und der Regierung. Die Atomaufsichtsbehörde NRA befürwortet die Pläne ebenfalls.

Die Fischer und Fischereiverbände, die wie die Umweltverbände und viele lokale Bürger die „Entsorgung“ ins Meer strikt ablehnen, befürchten nun weitere wirtschaftliche Einbußen, zumal die Nachfrage von Produkten aus der Präfektur Fukushima seit der Reaktorkatastrophe generell sehr stark eingebrochen ist.

Nicht nur in Japan, sondern auch auf internationaler ebene mehren sich die Proteste. So hat auch die Regierung in Südkorea die Pläne der „Wasserentsorgung“ mehrfach kritisiert.

 

06.04.2021

AKW Fukushima – 4000 Container mit unbekanntem Inhalt

Auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagern etwa 85.000 Container mit stark radioaktiv kontaminierten Abfällen (gebrauchte Arbeitskleidung, Schutzmasken, Plastikschläuche, Folien etc.), wobei bei 4000 dieser Container völlige Unklarheit darüber herrscht, was diese Container genau beinhalten und in welchen Zustand sich der Inhalt befindet. „Die Analyse, sofern dies überhaupt möglich ist, sei aufgrund der hohen Strahlung sehr aufwändig und brauche viel Zeit“, so ein Tepco-Verantwortlicher auf der gestrigen Pressekonferenz.

Der Wald um das AKW ist verschwunden und die Hälfte des Geländes zum Atommülllager geworden, wo laut Tepco der Inhalt aller Container genaustens dokumentiert sei.  Allerdings stellte sich nun heraus, dass bei den 4000 besagten Containern völlig unklar ist, welcher Container was von den „genaustens dokumentierten“ Abfällen überhaupt beinhaltet. 4 weitere Container wurden in der Bestandsdokumentation sogar erst gar nicht aufgelistet.

An der Oberseite der Stahlcontainer liegt die Strahlung bei 1,5 mSv/h. Vermutungen zufolge, lagerten einige dieser Container, die mittlerweile Korrosionen aufweisen, schon seit vor der Reaktorkatastrophe dort. „Diese Container sein zwar korrodiert, würden jedoch keine Undichtigkeiten aufweisen“, so ein Tepco-Sprecher.

Bereits Ende März wurden auf dem AKW-Gelände korrodierte Behälter mit radioaktiv kontaminierten Abfällen entdeckt, aus denen eine gallertartige Flüssigkeit ausgetreten ist (antiatom-fuku berichtete).

 

31.03.2021

AKW Fukushima, gelartige Masse mit erhöhter Strahlung ausgetreten

In einem Atommüllzwischenlager, das sich auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi befindet, wurde in den vergangenen Tagen eine am Boden haftenden gelartigen Masse entdeckt, die eine Strahlung von 13mS/h aufweist. Nach Vermutungen des Betreibers Tepco handelt es sich um verrottetes Material, das u.a. Harze enthält, Folien etc., das kurz nach Beginn der Reaktorkatastrophe verwendet und dort in Behältern zwischengelagert worden ist. Die Behälter sind allerdings undicht geworden, so dass die gelartige Masse ausgelaufen ist und sich über eine Fläche von 30 X 90cm ausgebreitet hatte. Laut Tepco sei die Masse nun entfernt und der Boden dekontaminiert worden.

 

28.03.2021

Unzureichender Terrorschutz: AKW Kashiwazaki Kariwa bleibt vom Netz

Nach dem die Atomaufsichtsbehörde NRA nun feststellen musste, dass die vom Betreiber Tepco erbrachten Nachbesserungen des Terrorschutzes am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata völlig unzureichend sind, wurde die defacto schon erteilte Freigabe zur Wiederinbetriebnahme der Reaktoren 6 und 7 sofort auf Eis gelegt.

Die Reaktoren 6 und 7, beides eine „verbesserte Form“ des SWR, wurden unter den Vorbehalt, dass die gesetzlich geforderten Nachbesserungen in Sachen Terrorschutz noch erbracht werden, von der NRA defacto schon freigegeben (antiatom-fuku berichtete). Der Betreiber Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, hatte fest mit der Abnahme der der „erbrachten“ Terrorschutzmaßnahmen gerechnet und dem entsprechend den Reaktor 7 schon für die Bestückung mit Brennelementen vorbereitet. Diese Vorbereitungen wurden nun sofort gestoppt. Und es ist jetzt auch völlig unklar, wann die beiden Reaktoren, wenn überhaupt, in Betrieb genommen werden dürfen. Zu dem müsste ja auch die Präfekturverwaltung noch ihre Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme erteilen. Dies ist jedoch eher fraglich, da die Präfekturverwaltung, solange Tepco die Probleme am AKW Fukushima Daiichi nicht in den Griff bekommt, keine Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme der beiden Reaktoren am AKW Kashiwazaki Kariwa erteilen wird.

 

24.03.2021

AKW Fukushima Daiichi, sinkender Wasserstand im Reaktor 1

Kurz nach dem Erdbeben vom 13.02.2021, kam es am havariertem AKW Fukushima Daiichi zum Absinken der Wasserstände in den Reaktoren 1 und 3, so dass damals schon die Einspeisemenge des Kühlwassers für die geschmolzenen Brennelemente von Reaktor 1 erhöht werden musste (antiatom-fuku berichtete).

Denn durch das Erdbeben von Februar sind die Undichtigkeiten der Reaktorsicherheitsbehälter größer geworden, zumal sich am 20.03.2021 ein weiteres Erdbeben ereignet hatte. So wurde nämlich am 22.03.2021 ein erneutes Absinken des Wasserstands um 1 Meter im Sicherheitsbehälter von Reaktorblock 1 festgestellt. In Folge dessen musste nun die Einspeisemenge von 3 auf 4m³/h erhöht werden, damit die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente gewährleistet bleibt.

 

20.03.2021

Wieder stärkeres Erdbeben in der Tohoku-Region

In der Tohoku-Region, Nordostjapan bebte heute um 18:09 Uhr (japanische Ortszeit) die Erde mit einer Stärke von 5,0 auf der Richter-Skala mit der Einstufung M 7,2. Die Ausläufer erstreckten sich südlich bis nach Tokyo, bzw. bis nach Hokkaido im Norden. Eine Tsunamiwarnung, die zunächst herausgegeben worden ist, wurde nach zwei Stunden wieder zurückgenommen. Störfälle in den AKWs wurden seitens der Betreiber bisher nicht gemeldet.

Bereits Mitte Februar kann es in dieser Region schon zu einem stärkeren Erdbeben (antiatom-fuku berichtete).

 

LG Mito, AKW Tokai 2 darf nicht ans Netz

Das AKW Tokai 2, Präfektur Ibaraki, dass zurzeit nachgerüstet wird, darf nach Beendigung der Arbeiten nicht ans Netz. Dies entschied das Landgericht Mito am 18.03.2021. Neben den Gefahren durch Naturkatastrophen, sei der Katastrophenschutzplan für Tokai 2 völlig unzureichend, so die Richter in ihrem Urteil. Zudem sei die Region mit 940.000 Einwohnern im 30km-Umkreis ziemlich dicht besiedelt.

Für den Altreaktor Tokai 2 wurde 2018 von der Atomaufsichtsbehörde NRA eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre zugesichert, wenn die betreibende JAPC die geforderte Nachrüstung des Reaktors erbringt (antiatom-fuku berichtete).

 

18.03.2021

OLG Hiroshima, Betriebsstopp für AKW Ikata, Reaktor 3 aufgehoben

Nach einem Urteil, dass heute am OLG Hiroshima gefällt worden ist, wurde der im Januar 2020 gerichtlich verhängte Betriebsstopp des Reaktors 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime wieder aufgehoben. Begründet wurde das Urteil damit, dass die aktiven Vulkane, insbesondere der Berg Aso, 130 km südlich des AKWs, die mittlere tektonische Linie, eine über 1000 km lange seismisch aktive geologische Verwerfung, die parallel der Küste verläuft, sowie weitere Naturkatastrophen keine nennenswerte Gefahr für das AKW Ikata darstellen würden. Genau diese Punkte führten jedoch im vergangenen Jahr zum Betriebsstopp, der ebenfalls durch das OLG Hiroshima verhängt worden ist (antiatom-fuku berichtete).

Der Reaktor 3, der neben „normalen“ Uranbrennelementen betrieben wird, soll jedoch erst im Oktober wieder ans Netz, da jetzt erst einmal die gesetzlich festgelegten terrorschutzmaßnahmen erbracht werden sollen.

 

17.03.2021

AKW Hamaoka, Fremdstoffe an Brennelementen im Abklingbecken

Am AKW Hamaoka, Präfektur Shizuoka, das seit 2012 nicht mehr am Netz ist, wurden im Abklingbecken von Reaktorblock 4 metallische Ablagerungen an den Brennelementen, die dort lagern, festgestellt. Die betreibenden Chūbu Elektrizitätswerke sprachen von metallischen Fremdstoffen, die sich im oberen Bereich der Brennelemente abgelagert hätten. „Dies beeinträchtige jedoch nicht die Kühlung der Brennelemente. Radioaktivität sei auch nicht ausgetreten, so die Chūbu Elektrizitätswerke“. Weiter Informationen, bzw. Infos zur Ursache der Ablagerung sind bisher noch nicht (öffentlich) bekannt.

Für das AKW Hamaoka streben die Chūbu Elektrizitätswerke die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren 3 und 4 (beides SWR) an. Beide Reaktoren erreichen in den nächsten 10 Jahren die maximale Laufzeit von 40 Jahren. Darunter wird der Reaktor 4 u.a. auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen betrieben.

Die Überprüfung der Atomaufsichtsbehörde NRA läuft bereits seit mehreren Jahren, und ob und wann die beiden Reaktoren freigegeben werden, ist noch völlig unklar.

 

12.03.2021

AKW Genkai: laut Gericht keine Gefahr durch Erdbeben und Vulkane

In der Verhandlung, die heute am Amtsgericht Saga, Präfektur Fukui stattfand, wurde zu Gunsten der Kyushu Elektrizitätswerke entschieden, so dass das AKW Genkai, ebenfalls Präfektur Fukui weiterbetrieben werden darf. Somit wird der Reaktor 4, der sich zurzeit in der jährlichen Revision befindet, wie von den Kyushu Elektrizitätswerken geplant, am 17.03.2021 wieder hochgefahren. Der Reaktor 3, der zurzeit im regulären Leistungsbetrieb läuft, muss nun auch nicht vom Netz.

Geklagt hatten Bürgerinitiativen, die, wie auch die unabhängigen Experten eine erhöhte Gefahr durch seismisch aktive geologische Verwerfungen und nahe gelegener Vulkane für das AKW Genkai befürchten. Die Richter sahen für das AKW jedoch keine größeren Gefahren durch Erbeben und mögliche Vulkanausbrüche, so dass die Anlage weiterbetrieben werden könne.

 

Zahlreiche Demos am Fukushima Jahrestag

Neben den offiziellen Gedenkfeiern fanden gestern auch zahlreiche Anti-AKW Demos und Kundgebungen zum 10. Fukushima Jahrestag statt. So versammelten sich vor der Tepco Firmenzentrale in Tokyo 650 Leute, die gegen die Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata demonstrierten. Am Firmenhauptsitz der Japan Atomic Power Company (JAPC), der sich ebenfalls in Tokyo befindet, demonstrierten 230 Leute gegen die Wiederinbetriebnahme des laufzeitverlängerten Altreaktors Tokai 2. In der Präfektur Fukui, wo sich gleich mehrere AKWs nahe beieinander befinden, erhob man ebenfalls die Stimme gegen den Weiterbetrieb der Reaktoren, zumal dort gleich drei laufzeitverlängerte Altreaktoren in Kürze wieder ans Netz gehen sollen.  

 

11.03.2021

10 Jahre nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe

Genau heute vor 10 Jahren ereignete sich die verheerende Dreifachkatastrophe in der Tohoku-Region, Nordostjapan.

14:46 Uhr, ein Erdbeben der Stärke 7 auf der Richter-Skala mit der Einstufung M 9, dessen Epizentrum im Meer vor der Küste Nordostjapans lag. Schon kurz darauf kam es gleich in mehreren AKWs zum Störfall. Während in den anderen AKWs schlimmeres gerade noch abgewendet werden konnte, kam es im AKW Fukushima Daiichi zu einer dreifachen Kernschmelze. Der Tsunami, der eine halbe Stunde später eintraf, überflutete sämtliche Küstenregionen.

Das war das bisher schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans. Der Tsunami überflutete eine Fläche von 470 km². Mehr als 260 küstennahe Ortschaften wurden zerstört. Nahezu 20.000 Leute kamen durch den Tsunami ums Leben. Mehr als eine halbe Millionen Menschen wurden evakuiert, bzw. flüchteten „freiwillig“.

Rund um das AKW Fukushima Daiichi, wo man dachte, glimpflich davon gekommen zu sein, weil die eigenen Häuser vom Tsunami verschont blieben, wurde der nukleare Notstand ausgesprochen und sämtliche Ortschaften im Umkreis evakuiert.

Hunderttausende verloren ihre Heimat durch den Tsunami oder der Strahlung. Die Regierung jedoch, begann sehr frühzeitig damit, die radioaktiv verseuchten Gebiete zu dekontaminieren (soweit es überhaupt möglich ist). Das bei der Flächendekontamination abgetragene Erdreich, etwa 22 Mio. m³, lagert nun in vielen Zwischenlagern unter freien Himmel. Und die dekontaminierten Ortschaften, wohin die Leute nun wieder zurückgedrängt werden sollen, werden durch Wind und Regen immer wieder aufs neu radioaktiv kontaminiert.

Es wurden neue Tsunamimauern, Deiche und Straßen gebaut, wo allerdings auch radioaktives Erdreich „wiederverwertet“ worden ist. Der Wiederaufbau ausgelöschter Ortschaften wurde sehr stark, vor allem in Anbetracht der Olympischen Spiele, die im Sommer 2020 stattfinden sollten, vorangetrieben. Die sogenannten „Wiederaufbauspiele“, die der Welt einen „erfolgreichen“ Wiederaufbau der zerstörten Region präsentieren sollte, und das Fukushima wieder „sicher“ ist, wurden jedoch aufgrund der Coronapandemie auf den kommenden Sommer verschoben.

Nichts sollte mehr an die abgelaufenen Atomkatastrophe erinnern. Die Joban-Bahnlinie, dessen Streckenverlauf nahe am havarierten AKW Fukushima Daiichi, also mitten durch die „revitalisierte“ Sperrzone führt, wird seit kurzen wieder komplett befahren. Die Rückkehrbereitschaft der Evakuierten hält sich jedoch trotz all dieser „Verlockungen“ sehr stark in Grenzen. Nur etwa 10%, und vorwiegend auch nur ältere Leute sind trotz der erhöhten Strahlung in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Zum 10jährigen Gedenken der Opfer der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe finden heute vielerorts in der Tohoku-Region Gedenkfeiern statt, wobei die Betroffenen der Atomkatastrophe und dessen Folgen in den offiziellen Feiern eher in den Hintergrund geraten. Es finden jedoch landesweit, sowie auf internationaler Ebene zahlreiche Fukushima-Mahnwachen, Kundgebungen und weitere Veranstaltungen zum 10. Fukushima Jahrestag statt, die durch private Initiativen organisiert worden sind.

Zur Dreifachkatastrophe siehe dazu auch die 45-Minütige Dokumentation des ZDF

Der ewige GAU? 10 Jahre Fukushima

 

06.03.2021

AKW Takahama, nach 1 Jahr Stillstand, Reaktor 3 bald wieder am Netz

Nach Informationen der betreibenden Kansai Elektrizitätswerke soll der Reaktor 3 am AKW Takahama, Präfektur Fukui am 10.03.2021 wieder hochgefahren werden. Somit wären dann landesweit 5 von 9, bzw. 12 Reaktoren wieder am Netz, wenn man die 3 bereits freigegebenen Altreaktoren schon mit einberechnet.

Der Reaktor 3 am AKW Takahama war seit Januar 2020 zwecks jährlicher Revision heruntergefahren. Damals wurden bis zu 12 mm lange Risse in einigen Rohrleitungen zweier Dampferzeuger gefunden. Im laufenden Betrieb zirkuliert dort das radioaktive Kühlwasser des Primärkreislaufes. Dieses Wasser steht direkten Kontakt mit den Brennelementen! Der Reaktor 4, der bei der letzten Revision dieselben Probleme aufwies, soll ebenfalls in Kürze wieder hochgefahren werden. Hier wurden sogar Fremdkörper in den Rohrleitungen gefunden, die zu Beschädigungen führten. Ein Termin für die Wiederinbetriebnahme von Reaktor 4 wurde jedoch noch nicht bekannt gegeben.

Zudem wurden für beiden Reaktoren noch die gesetzlich geforderten Nachbesserungen in Sachen Terrorschutz nachgeholt. Hierfür ließen die Kansai Elektrizitätswerke, wie auch die anderen betroffenen Atomkonzerne, die Frist zunächst einfach verstreichen, bis die Atomaufsichtsbehörde NRA die zeitnahe Umsetzung anordnete und den Zeitpunkt dafür vorgab (antiatom-fuku berichtete).

Die beiden Reaktoren 3 und 4 sind neben „normalen“ Uranbrennelementen auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt.

 

28.02.2021

Fukushima, weitere Zwischenfälle nach Erdbeben bekannt geworden

An drei Zwischenlager- und Müllverbrennungsanlagen für schwach radioaktive Abfälle in der Präfektur Fukushima kam es, wie erst jetzt in dieser Woche bekannt geworden ist, zu Zwischenfällen, die in Verbindung mit dem Erdbeben vom 13.02.2021 (antiatom-fuku berichtete) stehen. Dabei sei wohl keine Radioaktivität ausgetreten, allerdings kam es zu erheblichen Störungen im Betriebsablauf. Hier waren durch die Erschütterung einige Rohrleitungen beschädigt worden, sowie Schäden an Gebäuden aufgetreten.  

In diesen Anlagen werden schwachradioaktive Abfälle aus dem havariertem AKW Fukushima Daiichi und der Flächendekontamination der Umgebung verbrannt.

Zudem sind durch das Erdbeben auch einige Lagertanks für hochradioaktives Abwasser, die sich auf dem Gelände des AKWs Fukushima Daiichi befinden verrutscht. Zuführende Rohrleitungen sein dabei jedoch nicht zu Bruch gegangen, so dass kein hochradioaktives Wasser ausgetreten ist.

Direkt am Folgetag des Bebens habe Tepco alle 1074 Lagertanks überprüfen lassen. Dabei wurden einige Tanks außer Betrieb genommen. Der Betrieb der Filteranlage ALPS wurde ebenfalls unterbrochen.  

 

AKW Fukushima, Reaktor 3, Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken abgeschlossen

Die Bergung der insgesamt 566 Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 am havarierten AKW Fukushima ist nun abgeschlossen. Nach Informationen des Betreibers Tepco, wurden am gestrigen Samstag die letzten 6 Brennelemente geborgen und in das Zusatzabklingbecken, das sich auf dem AKW-Gelände befindet, umgelagert.

Die Arbeiten begannen bereits im April 2019, und mussten aufgrund technischer Probleme zeitweise unterbrochen werden. Unter den zu bergenden Brennelementen waren teilweise die Griffe so stark deformiert, so dass der „normale“ Greifer des Entnahmekrans die nicht fassen konnte. Dafür wurden dann eigens ein spezieller Greifer konstruiert, so dass die betroffenen Brennelemente überhaupt angehoben werden konnten (antiatom-fuku berichtete).

 

20.02.2021

AKW Fukushima nach dem Erdbeben, weitere Schäden an den Reaktoren

Wie jetzt bekannt wurde, ist am havarierten AKW Fukushima Daiichi im Reaktorblock 1 und 3 Kühlwasser ausgetreten. Ursache hierfür ist nach Informationen des Betreibers Tepco das Erdbeben vom 13.02.2021 (antiatom-fuku berichtete), so dass durch die Erschütterung die im Jahr 2011 durch das große Tohoku-Erdbeben bereits beschädigten Sicherheitsbehälter beider Reaktoren noch undichter geworden sind. Die Zunahme der Undichtigkeiten wurden bereits am 17.02.2021 festgestellt, als der Wasserstand im Sicherheitsbehälter von Block 1 um 40 bis 70cm und in Block 3 um 30cm abgesunken ist. Um ein weiteres Absinken entgegen zu wirken, werden die Reaktorsicherheitsbehälter nun mit 3t Wasser/h gespeist. Denn auch nach fast 10 Jahren müssen die Kernschmelzen immer noch aktiv gekühlt werden.

Video, Luftaufnahmen vom AKW Fukushima Daiichi von dieser Woche und in der Nacht, als sich das Erdbeben ereignete.

 

14.02.2021

Nach Erdbeben, sehr wohl Zwischenfälle an den AKWs

Bei dem Erdbeben in der Tohoku-Region (Nordostjapan), dass sich gestern Abend ereignete (antiatom-fuku berichtete), haben sich, entgegen ersten Behauptungen des Stromkonzerns Tepco Unregelmäßigkeiten in einigen Reaktorblöcken ereignet. Am havarierten AKW Fukushima Daiichi ist durch das Beben Wasser aus den Abklingbecken der Reaktorblöcke 5 und 6, des Zusatzabklingbeckens und am AKW Fukushima Daini, aus dem Abklingbecken im Reaktorblock 1 geschwappt. Radioaktivität sei wohl nicht ausgetreten. Und die Kühlung der in den Abklingbecken befindlichen Brennelementen sei ebenfalls nicht gestört gewesen, so Tepco.

Am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata, das ebenfalls durch Tepco betrieben wird, habe es nach heutigen Informationen weiterhin keine Vorkommnisse gegeben.

Auch im Verlaufe der Nach und heute über Tag noch, kam es zu weiteren, jedoch leichtern Nachbeben, dessen Epizentrum immer wieder an der selben Stelle, vor der Küste der Präfektur Fukushima lag.  

 

13.02.2021

Stärkeres Erdbeben in Nordostjapan, das an den „11. März“ erinnert

In der Tohoku-Region, Nordostjapan ereignete sich an heutigen Abend um 23:08 Uhr (japanische Ortszeit) ein Erdbeben der Stärke 6,0 auf der Richter-Skala mit der Einstufung M 7,3. Das Epizentrum lag im Meer vor der Küste der Präfektur Fukushima.

Auch wenn jetzt keine Tsunamiwarnung herausgegeben werden musste, erinnert das Beben denn doch an die große Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe von Fukushima, die sich im kommenden März zum 10. Male jährt.

Die Ausläufer des heutigen Bebens erstreckten bis Hokkaido im Norden und in Richtung Süden über Tokyo bis kurz vor Kyushu. Es kam zu einigen Sachschäden, Verletzten und zu zahlreichen Stromausfällen in den vom Erdbeben am stärksten betroffenen Präfekturen Fukushima und Miyagi.

Entlang der Küste der Tohoku-Region befinden sich einige AKWs, u.a. auch das im März 2011 havarierte AKW Fukushima Daiichi. Laut den jeweiligen Betreibern sei es jedoch zu keinem Störfall gekommen. Auch wenn die Reaktoren zurzeit alle nicht in Betrieb, bzw. schon stillgelegt worden sind, stellen diese, wie sich 2011 schon gezeigt hatte, trotzdem eine große Gefahr dar.

Live-Kamera mit Blick auf das AKW Fukushima Daiichi.

 

06.02.2021

AKW Fukushima, Bergung von Brennelementen mit verbogenen Griffen

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurde nun eine Lösung für die Bergung der Brennelemente mit den stark verbogenen Griffen gefunden. Hierbei geht es sich um Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3, die zum größten Teil auch schon geborgen worden sind. Allerdings sind durch die heftige Explosion im März 2011, wobei das Reaktorgebäude 3 sehr stark beschädigt worden ist, Trümmerteile in das Abklingbecken, das sich im Obergeschoss befindet, hineingefallen. Dabei haben sich die Griffe einiger Brennelemente verbogen, so dass der „normale“ Greifer des Entnahmekrans diese zum Teil gar nicht greifen und anheben konnte (antiatom-fuku berichtete).

Bei vier Brennelementen sind die Griffe sogar so stark verbogen, dass ein eigens dafür entwickelter Spezialgreifer gebaut werden musste. Auch die Navigation des neuen Greifers musste erst einmal geübt werden. Hierzu wurde der verbogene Griff des Brennelements im 3D-Drucker nachgebildet und der Arbeitsschritt, um diesen hinterher rasch und präzise durchführen zu können, geübt.

Die Bergungsarbeiten aller 566 Brennelemente, die schon seit über einem Jahr laufen, sollen im kommenden Monat abgeschlossen sein.

Siehe dazu auch die Bilder des NHK online.

 

30.01.2021

Hochradioaktives Wasser, Tepco erwägt Erweiterung der Lagerkapazität

Im Streit um das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks am havarierten AKW Fukushima Daiichi gelagert wird, erwägt der Betreiber Tepco nun eine Erweiterung der Lagertankkapazität.

Derzeit lagern dort etwa 1.23 Mio. Tonnen hochradioaktives Abwasser in den Tanks. Dieses Wasser wurde schon mehrfach für die Kühlung der Kernschmelzen verwendet und auch schon mehrfach „gereinigt“. Allerdings lassen sich nicht alle radioaktiven Stoffe, vor allem nicht das Tritium herausfiltern, so dass dieses neben weiteren Stoffen in hoher Konzentration vorliegt.

Nach Wünschen der Regierung soll es ins Meer geleitet werden (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Nicht nur die lokale Bevölkerung, Fischereigenossenschaft und Umweltverbände lehnen das strikt ab, sondern auch die südkoreanische Regierung. Auch im Kabinett unter dem seit September 2020 regierenden Ministerpräsidenten Yoshihide Suga (LDP) singt im Kabinett die Zahl der Befürworter, so dass der Druck auf Tepco und Regierung weiterwächst.

Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit dem hochradioaktiven Wasser, bzw. der Entschluss dazu, es ins Meer zu leiten, wollte die Regierung bereits bis Oktober 2020 getroffen haben, hatte die Entscheidung jedoch immer wieder vertagt. Grund dafür sei laut Regierung die bestehende Coronapandemie. Allerdings könne man die Entscheidung über den Umgang mit dem hochradioaktiven Wasser nicht endlos hinauszögern, so ein Regierungssprecher, der eine Entscheidung bis zum kommenden März fordert.

Laut Tepco würde die Lagerkapazität nur noch bis zum Herbst 2022 reichen. Eine Erweiterung der Kapazität kam bisher nicht in Frage. Laut Regierung habe die Wassereinleitung ins Meer, aufgrund des Verdünnungseffektes keine Folgen für Umwelt und Gesundheit; eine These, die jedoch absolut nicht haltbar ist!

 

24.01.2021

AKW Kashiwazaki Kariwa, Unbefugter in den Kotrollraum gelangt

Wie gestern erst bekannt wurde, ist bereits im September 2020 ein unbefugter Mitarbeiter mit der ID-Karte eines zutrittsberechtigten Kollegen in den Kontrollraum eines der Reaktorblöcke des AKWs Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata gelangt. Der zutrittsberechtigte Kollege habe zum fraglichen Zeitpunkt Urlaub gehabt und seine ID-Karte in das dafür vorgesehene Ablagefach gesteckt, ein Vorgang, der nach Dienstende gang und gäbe ist. Allerdings ist das Ablagefach auch für andere Mittarbeiter leicht zugänglich, weshalb der Betreiber Tepco, insbesondere in Anbetracht der neueren Terrorschutzverordnung bei der Atomaufsichtsbehörde NRA nun in der Kritik steht. So stellt die NRA nun die Kompetenz des Managements von Tepco sehr infrage, da nämlich gerade in den sensiblen Bereichen kerntechnischer Anlagen, also auch in den Kontrollräumen (Leitwarte) der Reaktorblöcke absolut strengste Einlasskontrollen zu erfolgen haben.

Das AKW Kashiwazaki Kariwa verfügt über sieben Reaktoren, die zurzeit alle stillstehen. Der für die Wiederinbetriebnahme vorgesehene Reaktor 7 wurde im vergangenen Oktober von der NRA defacto für „sicher“ befunden. Die Nachrüstung des Reaktors und die baulichen Nachbesserungen für den Terrorschutz wurden ebenfalls erbracht. Die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme der Präfektur Niigata steht jedoch noch aus. Und es ist auch fraglich, ob diese überhaupt erteilt wird, da der Betreiber Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, bei der Präfekturverwaltung sehr in der Kritik steht.

 

20.01.2020

AKW Fukushima, 2000 Liter hochradioaktives Wasser ausgetreten

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi sind während des Entsalzungsvorganges 2000 Liter hochradioaktives Wasser ausgetreten und über den Boden gelaufen. Laut dem Betreiber Tepco sei jedoch nichts in die Umwelt gelangt. Zudem sei der größte Anteil des Cäsiums bereits vor der Entsalzung entzogen worden.

Der Zwischenfall ereignete sich bereits in der vergangenen Woche, als ein Arbeiter dies auf einen Patrouillengang bemerkte.

Reaktorblock 3, Bergung der Brennelemente läuft wieder

Nach mehreren Unterbrechungen und dadurch entstandenen Rückstand im Zeitplan, verläuft die Bergung der letzten 80 Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 nun reibungslos.

Weitere neue Coronafälle am AKW

Acht AKW-Arbeiter haben sich im neuen Jahr bereits mit dem Coronavirus angesteckt, 3 davon in der vergangenen Woche.    

  

15.01.2021

Gerichtsurteil aufgehoben, AKW Ōi, Reaktor 4 wieder am Netz

Nach zweieinhalbmonatigem Stillstand aller AKWs der Kansai Elektrizitätswerke, wurde heute der Reaktor 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui nach Beendigung der jährlichen Revision heute wieder hochgefahren.

Anfang Dezember wurde der Weiterbetrieb beider Reaktoren am AKW Ōi per Gericht vorübergehend untersagt. Grund für das Urteil damals war die unzureichende Erdbebensicherheit, so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA dieses hätte nicht für „sicher“ befinden und freigeben dürfen (antiatom-fuku berichtete). Gegen das Urteil ging die Regierung jedoch in Berufung, so dass das Urteil wieder aufgehoben worden ist. Damit ist die Sache jedoch noch nicht vom Tisch, weitere Verhandlungen werden noch folgen.

Der Reaktor 3, der eigentlich ebenfalls wieder hochgefahren dürfte, bleibt weiterhin vom Netz, und zwar für unbestimmte Zeit. Reaktor 3 befindet sich seit Juli 2020 in Revision, bei der gravierende Probleme, u.a. zahllose Risse in den Röhren der Dampferzeuger entdeckt worden sind. (siehe auch AKW-Status).

 

13.01.2021

AKW Fukushima, Reaktor 3, verhakte Brennelemente im Abklingbecken, Bergung problematisch

Bei der Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 am havarieren AKW Fukushima Daiichi lassen sich, wie sich jetzt herausstellte, 6 Brennelemente nicht aus der Halterung ziehen. Zunächst vermutete man, dass, wie bereits in der Vergangenheit bei 2 Brennelementen schon der Fall gewesen ist, der Griff verbogen sei, so dass der Kran diesen nicht greifen konnte. Im jetzigen Fall sind die Griffe jedoch intakt. Laut Vermutungen des Betreibers Tepco sind möglicherweise Kleintrümmerteile in die Brennelementhalterungen des Abklingbeckens geraten, so dass die Brennelemente darin verkeilt sind und nicht herausgehoben werden können.

Insgesamt sind es mittlerweile schon 8 Brennelemente, die sich nicht aus dem Abklingbecken entfernen lassen.

Ursprünglich sollte die Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 bis März abgeschlossen sein, einen Zeitplan, den Tepco jedoch nicht mehr einhalten kann.

 

10.01.2020

Suche nach Lagermöglichkeit für gebrauchte Brennelemente: Kansai Elektrizitätswerke lassen Frist erneut verstreichen – nun Konsequenzen

Bisher haben die Kansai Elektrizitätswerke noch keine Lösung gefunden, wo die gebrauchten Brennelemente der sieben Reaktoren, dreier AKWs (Präfektur Fukui) gelagert werden sollen, so das Ergebnis einer Konferenz mit den Lokalpolitikern der Präfektur Fukui vom 08.01.2021. Hierbei handelt es sich um gebrauchte Brennelemente, die nicht mehr aktiv gekühlt werden müssen, aber aus Mangel an Trockenlagerkapazitäten weiterhin in den Abklingbecken der jeweiligen Reaktoren gelagert werden. Unter den sieben Reaktoren, alles DWR, befinden sich auch drei Altreaktoren mit verlängerter Laufzeit, die nach Plänen der Kansai Elektrizitätswerke bis spätestens Mai, nach mehrjährigem Stillstand wieder ans Netz gehen sollen. Der Altreaktor 3 am AKW Mihama sollte sogar noch in diesem Monat wieder hochgefahren werden.

Bezüglich der gebrauchten Brennelemente hatten die Kansai Elektrizitätswerke in der Vergangenheit bereits seit 1990 mehrfach zugesichert, dass man für eine Lagermöglichkeit außerhalb der Präfektur Fukui sorgen würde. Verbindliche Standorte wurde jedoch nie präsentiert, bzw. das Thema einfach nicht mehr angesprochen. Entsprechende Pläne sollten bis Ende 2020 aber vorgelegt werden, was jedoch nicht passiert ist! Somit ist die letzte Frist verstrichen und der in Kürze angestrebte Neustart der drei Altreaktoren, also Reaktor 3 am AKW Mihama, und Reaktor 1 und 2 am AKW Takahama ins Stocken geraten.

Zum Teil sind die Abklingbecken der jeweiligen Reaktoren schon recht voll, so dass die Kapazität in Reaktorblock 3 am AKW Mihama in 9 Jahren, in Reaktorblock 3 und 4 am AKW Ōi in 8 Jahren und in den Blöcken 1 bis 4 am AKW Takahama schon in 5 Jahren erschöpft ist, wenn all diese Reaktoren bis dahin fortlaufend Betrieb sind.

Als möglichen Standort hatten die Kansai Elektrizitätswerke das Zwischenlager in Mutsu, Präfektur Aomori in Nordjapan anvisiert. Dort regte sich jedoch sofort Widerstand im Rathaus. „Die Präfektur Aomori sei schließlich nicht die Müllkippe der anderen Präfekturen im Land“, so Soichiro Miyashita, Bürgermeister der Stadt Mutsu.

Dem entsprechend wurde auch die im Dezember bereits gestellte Anfrage des Wirtschaftsministeriums von der Stadt Mutsu abgelehnt (antiatom-fuku berichtete).  

 

03.01.2021

AKW Fukushima, Strahlenbelastung deutlich höher als befürchtet

Die extrem hohen Strahlenwerte in den havarierten Reaktoren des AKWs Fukushima Daiichi werden von der Atomaufsichtsbehörde NRA als „äußerst ernste" Herausforderung für den Stilllegungsprozess, bzw. für den Rückbau der gesamten Anlage bezeichnet, so das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA erklärte, dass offenbar eine sehr große Menge radioaktiver Partikel an den „Abschirmpfropfen“ (Stahlbetondeckel) der Sicherheitsbehälter der Reaktoren 2 und 3 hafteten. „Dort liegen die Strahlenwerte bei etwa 10 Sv/h, also eine tödliche Dosis für jeden, der sich in der Nähe aufhält“, so Die Experten.

Das bedeutet, dass es sehr schwierig sein wird den „Abschirmpfropfen“, also den Betondeckel zu entfernen, was aber für die nun notwendige Neubewertung der Daten für die Planung des Rückbaus der Reaktoren aber äußerst wichtig wäre.

Dazu merkte NRA-Chef Toyoshi Fuketa an, dass die Beseitigung der stark kontaminierten „Abschirmpfropfen“, die ohnehin schon enorme Schwierigkeiten bei der Bergung der geschmolzenen Brennelemente bereiten, den entmutigenden Teil des Stilllegungsprozesses, noch weiter vergrößern.

„Möglicherweise haften sogar Teile der geschmolzenen Brennelemente im oberen Bereich der Reaktordruckbehälter", so Fuketa auf einer Pressekonferenz. "Dies wird nun enorme Auswirkungen auf den gesamten Stilllegungsprozess haben."

Der „Abschirmpfropfen“, ist ein runder Deckel aus Stahlbeton mit einen Durchmesser 12 Meter. Er besteht aus einer dreischichtigen Struktur, mit je einer Dicke von 60 cm. Er wird auf die Betonhülle des Reaktorsicherheitsbehälters platziert und soll normalerweise verhindern, dass Strahlung aus dem Reaktor in die Umwelt gelangt.

Beim Brennelementwechsel muss er allerdings entfernt werden, damit die Arbeiter Zugang zum Reaktor haben.

In einer Studie, die nach etwa fünfjähriger Pause im September 2020 wieder aufgenommen worden ist, führte die NRA erneut Strahlenmessungen in der Nähe der „Abschirmpfropfen“ der Reaktoren 2 und 3 durch. Die Datenerhebung wurde u.a. durch den Betreiber Tepco und anderen Institutionen durchgeführt, die dort außergewöhnlich hohe Strahlungswerte gemessen hatten. Die Daten, die die NRA im Reaktorblock 2 erhoben hat, zeigen, dass sich zwischen der oberen und der mittleren Schicht des „Abschirmpfropfens“ schätzungsweise eine Menge von 20-40 Petabecquerel Cäsium137 angelagert hat (1 Peta= 1.000.000.000.000.000).

Basierend auf die Messungen der Strahlungswerte in der Nähe, entspricht das sogar mehr als 10 Sv/h, also einer Strahlendosis, die nach einem einstündigen Aufenthalt absolut tödlich ist! Für Reaktorblock 3 liegt der geschätzte Wert bei 30 Petabecquerel.

Bei der Dreifachkatastrophe im März 2011, verrutschte durch das Erdbeben der „Abschirmpfropfen“ von Reaktor 1 und wurde durch die Wasserstoffexplosion, die sich hinterher im Reaktorgebäude ereignete, beschädigt.

Da größere Mengen Cäsium137 durch den beschädigten „Abschirmpfropfen“ aus dem Reaktor 1 austraten, wurde die Menge der am „Abschirmpfropfen“ anhaftenden radioaktiven Partikel auf 0,16 Petabecquerel, also deutlich geringer geschätzt als in den Reaktoren 2 und 3.

„Im Gegensatz zu Reaktor 1 blieben die „Abschirmpfropfen“ der Reaktoren 2 und 3 relativ unversehrt und hielten eine große Menge radioaktiver Partikel, die aus dem Reaktordruckbehälter entwichen sind zurück, so dass diese nicht in die Atmosphäre gelangen konnten“, so die NRA.

Nach diesen neuen Erkenntnissen, kündigt Tepco nun an, dass die für dieses Jahr geplante Bergung der geschmolzenen Brennelemente nun auf 2022 oder später verschoben wird.

 

Zu den Nachrichten aus dem Jahr 2020.