Etsuji Watanabe

Dezember 2019

Fukushima, Olympia 2020 Tokyo: brisante Insiderinformationen von Etsuji Watanabe

In seinem Buch „Gefahren durch die Olympischen Spiele in Tokyo 2020“ bringt Etsuji Watanabe von der der Bürgerinitiative, die über das Risiko der Strahlenbelastung bei der Austragung der Olympischen Spiele informiert und anmahnt, einige brisante Informationen ans Tageslicht, die nämlich von offizieller Seite eher verschwiegen werden.

Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo sollen einige Aktivitäten in der Präfektur Fukushima, nahe dem havarierten AKW Fukushima Daiichi ausgetragen werden, was aufgrund der radiologischen Situation nicht nur eine Gefahr für Teilnehmer und Besucher, sondern vor allem für die dauerhaft dort lebenden Anwohner darstellt, die zum Teil regelrecht in ihre verstrahlte Heimat zwangsrückgeführt worden sind. Denn das AKW Fukushima Daiichi, wo es 2011 zu einer dreifachen Kernschmelze kam, emittiert weiterhin radioaktive Partikel, die mit Wind und Regen großflächig verteilt werden. Auch das 230 km südlich gelegene Tokyo ist nicht verschont geblieben.

Hochradioaktives Tritium, das in großen Mengen am havarierten AKW Fukushima Daiichi lagert, soll ins Meer verklappt werden.

Des Weiteren geht Watanabe auf den UNSCEAR-Bericht der WHO ein, laut dem Fukushima, bzw. Japan „noch mal mit einem blauen Auge davongekommen sei“, der aber in Wirklichkeit die Gefahren und Folgen der Reaktorkatastrophe verschleiert und geringfügiger darstellt, als sie tatsächlich sind.

Bezüglich der gesundheitlichen Folgen legt Watanabe ebenfalls stichhaltige Fakten und Daten auf den Tisch, die er während seiner Recherche gesammelt hat. So beschreibt er u.a. den sprunghaften Anstieg von Schilddrüsenkrebs bei Kindern und wie diese Zahlen von der Regierung, die das Kapitel „Reaktorkatastrophe“ nur beenden will, interpretiert werden.

Denn offiziell wird nur von einem gut voranschreitenden Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe gesprochen und die Präfektur Fukushima als „wieder sicher“ präsentiert. Um diesen Eindruck der scheinbaren Sicherheit zu verstärken, werden sogar Teile der Olympischen Spiele dort ausgetragen.   

   

(Der oben angeführte Handzettel wurde nachträglich ergänzt. AF 03/2020)

 

Nachfolgend Auszüge aus dem Buch von Etsuji Watanabe mit hochbrisantem Inhalt, die von Toyo Washio und Kazuko Kanuma-Kölzer ins Deutsche übersetzt worden sind:

 

Gefahren durch die Olympischen Spiele in Tokyo 2020

die noch vorhandene Radioaktivität und gesundheitliche Schäden vor Ort

herausgegeben von Etsuji Watanabe von

„der Bürgerinitiative,

die über das Risiko bei den Olympischen Spielen in Tokyo 2020 informiert und anmahnt.“

1.Auflage 25.September 2019; Ryokufu Verlag, Tokyo, Japan

 

 Epilog vom Herausgeber    S.203

Die Gefahr, die die olympischen Spiele mit sich bringen, ist von zwei Seiten aus betrachtet worden; einerseits objektive radiologische bzw. medizinische Aspekte hinsichtlich konkreter Beispiele der Exposition und gesundheitlichen Schäden, andererseits bezüglich moralischer, humanistischer und menschenrechtlicher Aspekte.

Zu allerletzt möchte ich hier alle Inhalte kurz zusammenfassen:

 

1. Schlussfolgerungen aus den radiologischen und medizinischen Betrachtungen.

Die folgenden Punkte können anhand der radiologischen Analyse und der Analyse der Exposition festgestellt werden.

 

Radioaktive Emission nach dem Fukushima-GAU

Die radioaktive Emission nach dem Fukushima-GAU ist absolut nicht „vernachlässigbar“. Sogar die unterbewertete Schätzung der japanischen Regierung über in die Luft freigesetzte Menge von Cs137 entspricht 168,5 Hiroshima-Bomben.

Die Radioaktivität in den geplanten Sportstätten - und damit die für die Athleten relevante - der Olympischen Spielen in Tokyo gleicht der im kontaminierten Bereich des Tschernobyl-GAUs oder im alten Atomtestgebiet von Nevada und in seiner Umgebung. (1.Kapitel, Teil 2)

 

Radioaktive Partikel

Die Gefahr von glasierten unlösbaren Partikeln ist besonders stark, die beim

Fukushima-GAU entstanden sind. Wenn man auch nur einen einzigen Partikel einatmen würde, würde man etwa 4500Bq nach der ECRR- Berechnung ausgesetzt sein. Das bedeutet, dass der Grenzwert von 4000Bq für die K-40-Aktivität in Körper übersteigt, womit das von den Fachleuten angesprochene sichere Niveau überschritten ist. Obwohl sich, sowohl die Athleten als auch die Zuschauer, nur kurzzeitig in den kontaminierten Gebieten befinden, können sie jedoch die Gefahr nicht vermeiden, dass sie diese glasierten unlösbaren Partikel einatmen bzw. verzehren. Möglicherweise würden sie ihr ganzes Leben hindurch ein gesundheitliches Risiko tragen. (2.Kapitel, Teil 2)

 

Der Wert der Radioaktivität ist nicht niedrig.

Das Azuma-Stadion in der Stadt Fukushima, geplant für Baseball und Softball-Spiele, hat eine Kontamination von maximal 6176,0Bq/kg aus Cäsium137 im Boden. Dem Gesetz von Tschernobyl für Evakuierung zufolge, entspricht dieser Wert für den Bereich mit Recht für eine Evakuierung (185,000 bis 555,000Bq/m², 1bis 5mSv/Jahr), und er ist schon nah dem Niveau der Zwangsevakuierung (7.Kapitel, Teil 1). Die radioaktive Kontamination in Tokyo ist schwerwiegend (1.Kapitel, Teil 1 und 2.Kapitel Teil 3). Seite 204

 

Radioaktiv kontaminiertes Trinkwasser in Tokyo

Die Kontamination des Trinkwassers dauert an. Mit einem absorbierenden Filter kann radioaktives Cäsium im Trinkwasser in Tokyo oder in seiner Umgebung erschreckend hoch nachgewiesen werden (der höchste Wert im Zeitraum von 5 Monaten: 908Bq/kg). Im Schlamm der Kläranlage des Tokyoter Trinkwasseramtes ist von Februar bis März 2019 immer noch radioaktives Cäsium mit einer spezifischen Aktivität von 67Bq/kg gefunden worden (8.Kapitel, Teil 2).

 

Der Plan der Einleitung des Tritiums ins Meer

Der Plan der japanischen Regierung, das kontaminierte Wasser bis zur Eröffnung der olympischen Spiele ins Meer laufen zu lassen, besteht weiter, obwohl die Mehrheit bei der öffentlichen Anhörung dagegen gestimmt hat. Aus dem havarierten AKW Fukushima Daiichi würde das kontaminierte Wasser Richtung Tokyo strömen. Die chemischen Verbindungen mit organischen Materialien bergen besonders hohe Gefahren für Menschen. Diese steigen im Vergleich zur äußerlichen Exposition auf das 50fach bis 600fache an. (11.Kapitel Teil 1 und 4.Kapitel Teil 2)

 

Das Athletendorf erhält Lebensmittel planmäßig aus Fukushima.

Nach dem Regierungsplan sollen Lebensmittel vorrangig aus Fukushima auf dem Tisch vor den Athleten der Olympischen und Paralympischen Spielen landen (29.Juli 2018 Yomiuri Shinbun). Der gegenwärtige Grenzwert von 100Bq/kg war vor dem GAU eine Norm für radioaktiven Müll, daher können solche Lebensmittel auch unter 100Bq/kg als absolut nicht sicher betrachtet werden (9.Kapitel, Teil 2).

 

Radioaktivität wirkt sich sehr unterschiedlich auf Menschen aus.

Aufgrund von verschiedenen Faktoren wie Alter, Geschlecht, erblicher Anlage, oder Allergie gibt es Menschen mit sehr hoher Empfindlichkeit bezüglich Radioaktivität. Kleinkinder und Kinder im Wachstum sind besonders empfindlich. Es gibt daher Menschen, die im Vergleich mit dem Durchschnitt, wegen der Unterschiede der biologischen Halbwertzeit, zehnfach stärkeren Einflüssen ausgesetzt sein können.(3.Kapitel, Teil2)

 

Lüge des UNSCEAR: “Keine gesundheitliche Beeinträchtigung „

Die japanische Regierung und Fachleute leugnen gesundheitliche Beeinträchtigungen durch freigesetzte Radioaktivität nach dem Fukushima-GAU und ziehen dafür die Bewertung von UNSCEAR als Beweis heran. Jedoch ist diese Bewertung von UNSCEAR selbst eine Lüge (6.Kapitel, Teil 2). S.205

 

Die Gesundheitliche Beeinträchtigung ist eine Tatsache.

Tatsächlich entstehen gesundheitliche Beeinträchtigungen. Die inländischen Flüchtlinge, nicht nur aus Fukushima, sondern auch aus Tokyo und dessen Umgebung, erleben sie selbst (1.Kapitel und 4.Kapitel, Teil 3). Die Einflüsse kann man auch in der manipulationsverdächtigen Statistik des japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt über Krebs (besonders Leukämie) und in der Statistik über die geistige Entwicklung von Kindern durch das japanisch Ministerium für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie klar belegen (2.Kapitel, Teil 3). Die Beeinträchtigung sieht man auch am Ergebnis der Urinproben, genommen durch zivile Aktivisten, von Kindern aus Fukushima und dem Großgebiet Tokyo (3.Kapitel, Teil 3). Die Analyse der demographischen Statistik zeigt ca. 280tausend Tote in den letzten sieben Jahren, das bedeutet eine ungewöhnliche Zunahme von Todesfällen. Das ist eine ernstzunehmende Gefahr für die japanische Bevölkerung (13.Kapitel, Teil 1).

 

Allergie nach Exposition

Eine mögliche Gefahr, trotz nur kurzfristigen Aufenthalts in kontaminierten Gebieten, ist unter anderen krankhafte Autoimmunität und Allergien. Viele Berichte zeigen, dass sich bei den inländischen Flüchtlingen nach kurzfristigem Aufenthalt in Fukushima oder in Tokyo ihre chronischen Beschwerden verschlimmern, bzw. solche zum ersten Mal auftreten (1.Kapitel und 4.Kapitel, Teil3).

 

2. Schlussfolgerungen aus den ethischen und menschenrechtlichen Betrachtungen

Als Begründung unserer Stellungnahme gegen die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 kann auf die kriminelle Einstellung des Veranstalters hinsichtlich Moral, Humanismus, Menschenrechten und Demokratie verwiesen werden. Diese kriminelle Haltung zu erkennen ist wichtig.

 

Zusätzlich zu den direkten Opfern, wie Flüchtlinge und unmittelbar Betroffene, wird der andauernde „stochastische Massenmord“ verheimlicht.

Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele werden fortgesetzt, während gleichzeitig und planmäßig die Hilfe für die Flüchtlinge und andere Betroffene gekappt wird. Dass man die Veranstaltung der Spiele einfach zulässt, bedeutet daher auch, ein stillschweigendes im-Stich-Lassen der Menschen durch die Politik (5.Kapitel und 7.Kapitel, Teil 3). Während der Vorbereitungen auf die Spiele werden Flüchtlinge gezwungen, in ihre ehemalige Heimat zurückzukehren, wo eine Ortsdosisleistung von 20mSv/Jahr gemessen wird (in Wahrheit auch 33mSv/Jahr). Solche Maßnahmen würden 15 %der Heimkehrer frühzeitig sterben lassen; das ergibt sich auch aus dem - und trotz des- von der Regierung manipulierte Risikokoeffizienten (5.Kapitel, Teil 2).  Gerade ist also „ein unbekannter Atomkrieg“ in Gang, nämlich „stochastischer Massenmord“ aufgrund des Zwangs zur Exposition der Radioaktivität von Fukushima Daiichi (13.Kapitel, Teil1). Die Olympischen Spiele in Tokyo2020 werden als Show veranstaltet, um diese Situationen zu verbergen (6.Kapitel, Teil 1).

 

Durch die These, dass es aufgrund des GAUs keinen Schaden gab, gibt und geben wird, rechtfertigt die Politik hinsichtlich der Spiele die Zwangsexposition von Japanern und Ausländern.

Bei der Entscheidung für die Spiele in Tokyo2020 erklärte Ministerpräsident Abe:   „ Wegen des Fukushima-GAUs gab es, gibt es und wird es keinen gesundheitlichen Schaden geben.“ Das ist eine fatale Lüge. Man sollte keine Aussage der japanischen Regierung über die radioaktive Gefahr glauben (1.Kapitel, Teil 1). S.206

 

Korruption bei der Einladung zu den Spielen nach Tokyo2020

Der ehemalige Vorstand des japanischen olympischen Komitees, Koichi Takeda wird wegen des Verdachts der Bestechung vom französischen Staatsanwalt vernommen (6.Kapitel, Teil 1). Das beweist, dass die Vergabe der Spiele nach Japan schon korrupt war, und dieser Prozess war „nicht moralisch“, aber „schmutzig“. Man soll diese korrupten Olympischen Spiele nicht zulassen (6.Kapitel, Teil 1)!

 

3. Weitere Gefahren bei den Spielen.

Folgende Gedanken ergänzen die anderen Gefahren bei den Spielen, die im Buch nicht erwähnt werden.

 

Verdacht der Manipulation bei den radioaktiven Werten

Wie in dem Buch “Streitpunkte der radioaktiven Exposition“ (Ryokufu Verlag 2016, S.194 – 197) beschrieben, sind die offiziellen Werte der Strahlendosen in der Luft höchstwahrscheinlich von der Regierung so manipuliert worden, dass die Messgeräte und Überwachungsposten erheblich weniger anzeigen sollten (fast halb so viel). In der Tat können die Strahlendosen in der Luft, sowohl in Fukushima als auch in Tokyo höher als die offiziell veröffentlichten Werte sein.

 

Akkumulation der Radioaktivität

Der Prozess der radioaktiven Akkumulation im Körper nach dem Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln ist im 9. Kapitel Teil 2 beschrieben. Gleichsam ist der Prozess einer Erkrankung wegen der „akkumulierte“ Mutationen von DNA hier erklärt worden. Diese Mutation von DNA spielt eine wichtige auslösende Rolle bei einer Krebserkrankung. Das gilt auch bei Krebserkrankungen nach der chronischen Entzündung. Das bedeutet, wenn eine Person schon eine mutierte DNA oder eine chronische Entzündung hat und dazu noch einer niedrigen Exposition ausgesetzt ist, dann kann diese am Ende Krebs verursachen.

 

Das havarierte AKW bleibt immer noch instabil

Das havarierten AKW setzt immer noch Radioaktivität frei, was als „Autospaltung“ von der japanischen Atomkraftregulierungsbehörde bezeichnet wird. Selbst die Arbeiten zur Stilllegung des Reaktors verursachen diese Emissionen, besonders in Form von radioaktiven Partikeln. Es besteht daher die Gefahr stärkerer Strahlung und erneuter Kritikalität (Anmerkung: Kritikalität ist das Kritischwerden eines Reaktors, bei dem eine eingetretene Kettenreaktion nicht abreißt). Ein Nachbeben oder ein neues Beben und ein daraus folgender Tsunami sind weiterhin nicht unwahrscheinlich. Der durch das Erdbeben geschädigte Abluftturm (Sein Inneres soll so hoch radioaktiv sein wie eine Hiroshima-Bombe) kann möglicherweise einstürzen. Um den Turm zu beseitigen, müsste man ihn abschneiden, so dass sich viele radioaktive Stäube in die Luft zerstreuen würden: eine sehr gefährliche Situation.

 

Weiterverbreitung der Radioaktivität durch die Wiederverwertung der gesammelten kontaminierten Erde.

Die nach der Dekontamination gesammelte Erde wiegt ca. 22 Millionen t und deren gesamte Radioaktivität entspricht, nach den Daten der Regierung 5 Hiroshima-Bomben. Diese Erde soll für öffentlichen Unternehmen wieder ausgebracht werden, so dass das ganze Land künstlich kontaminiert wird. Wo diese Erde eingesetzt wird, ist oft nicht veröffentlicht worden, so dass sich die Regierung wie ein Atom-Terrorist verhält, indem sie radioaktive Materialien verstreut. In Fukushima gibt es Pendel-Transporte der kontaminierten Erde zum vorläufigen Lager, in deren Route und Umgebung sich die Radioaktivität schnell erhört hat.

 

Die Arbeiter werden für Dekontamination und Bau geopfert.

Es wurde bereits erwähnt, dass die Flüchtlinge, betroffene und heimgekehrte Menschen, hohen Schaden erleiden mussten, aber Ähnliches gilt für die Arbeiter bei Dekontamination und Bau, worüber man auch reden muss. Im Gegensatz zu den enormen Einnahmen der monopolistischen Bauunternehmen muss die Dekontamination unter schlimmsten Bedingungen erfolgen. Voraussetzung der Arbeit sind Ausbeutung und Exposition der Arbeiter, die radioaktiv verseucht werden und später erkranken oder versterben (Siehe den Bericht von Green Peace, UNO-Bericht etc.). Das gilt aber auch auf den Baustellen der Olympischen Spielstätten. Illegale, gefährliche Arbeit und zu lange Arbeitszeiten ohne freie Tage sind dort normal geworden. Schon von drei Todesfällen am Arbeitsplatz ist berichtet worden und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Bau- und Holzarbeiter Internationale (BWI, Genf) hat einen Bericht über Arbeitsbedingungen bei den Olympischen Spielen in Tokyo ans JOC (japanische olympische Komitee), die Stadt Tokyo und das JSC (Japan Sport Council) geschickt und darin darauf hingewiesen, dass sich die Arbeiter einschließlich denjenigen aus dem Ausland einer heiklen Lage befinden; dass die Arbeitsstellen gefährlich sind und die Arbeitsbelastung zu stark ist, und dass der Arbeitgeber schnelle Gegenmaßnahme treffen sollte (Asahi Shinbun 16.5.2019). Die Teilnahme an den Spielen, ohne diese Informationen ernst zu nehmen und ohne etwas dagegen zu unternehmen, könnte dazu führen, dass man diese illegalen, fast sklavenartigen Arbeitsbedingungen für Dekontamination und Bau billigt. Bei der Vertreibung der wohnungslosen Menschen wegen der Vorbereitung der Olympischen Spiele gibt es ähnliche Menschenrechtsverletzungen. S.208

 

Was ist zu tun?

Die jetzige Heimkehr- und Wiederaufbaupolitik soll sofort gestoppt werden, stattdessen sollte der Staat mit einer großen Evakuierung beginnen: insbesondere Kleinkinder und Kinder im Wachstum, deren Eltern und junge Menschen sollten aus dem kontaminierten Gebiet evakuiert werden. Das müsste staatlich organisiert und unterstützt werden.

Es gibt keine andere Wahl. Während des II. Weltkriegs wurden Kinder vor der Bombardierung japanischer Großstädte durch die amerikanische Armee dadurch bewahrt, dass sie massenweise aufs Land evakuiert wurden. Die zurzeit schon evakuierten Menschen sollten vom Staat und den Kommunen hinsichtlich ihrer Wohnung und ihres Lebens unterstützt werden. „Das Recht der Evakuierung“, nicht nur aus Fukushima, sondern auch aus dem ganzen kontaminierten Gebiet von Ostjapan einschließlich Tokyo, müsste garantiert werden. Die für die Olympische Spiele bereitgestellten Mittel sollten eigentlich für die Beseitigung der Schäden aufgrund von Exposition und für die Hilfe für die betroffenen Menschen ausgegeben werden.

Der ganze Inhalt des Buchs und diese Ergänzung schließen wie unten.

Wie die deutsche Abteilung von IPPNW gewarnt hat, kann es nicht vermieden werden, dass die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 „Radioaktive Spiele“, „Expositive olympische Spiele“ werden. Das starke Risiko, dass die besten Athleten, Touristen und Gäste aus aller Welt radioaktiv geschädigt werden können, besteht realistisch.

Die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 dienen der aktuellen Politik der japanischen Regierung, eine Politik – im - Stich- Lassen´s des vom GAU betroffenen, geschädigten Menschen; eine Massenmord-Politik. Die ungenierte Teilnahme oder das ungenierte Anschauen der Spiele kann eine Mitschuld begründen, denn eine solche Unbedarftheit lässt die japanische Politik zu.

Die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 verletzten die Menschenwürde. Diese Spiele stehen frontal gegen das Olympische Grundgesetz: „Lebensstil [...], der auf der Freude an Leistung, auf dem erzieherischen Wert des guten Beispiels, der gesellschaftlichen Verantwortlichkeit sowie auf der Achtung universell gültiger fundamentaler moralischer Prinzipien aufbaut“ ( siehe auch doa-info).

Die japanische Regierung sollte sich aus der Veranstaltung zurückziehen, jedes Nationale olympische Komitee sollte nicht an den Spielen teilnehmen und das IOC sollte aus den beschriebenen Gründen die Spiele absagen.

 

 1. Kapitel, Teil 3   von Dr. Shigeru Mita  

Bei den „neuen Hibakusha* setzt „das Symptom der verminderten Leistungsfähigkeit“ ein

*Hibakusha bedeutet ursprünglich, die von der starken Radioaktivität der Atombomben geschädigten, leidenden Menschen aus Hiroshima und Nagasaki.

 

Seite 156

Nach dem großen Erdbeben in Nordostjapan vom 11.03.2011 und der nachfolgenden Explosion des AKWs Fukushima Daiichi der Firma TEPCO, sind außer der Präfektur Fukushima auch noch weitere Bereiche in Japan radioaktiv kontaminiert. Ich war niedergelassener Arzt in Tokyo und bemerkte die Veränderung der Gesundheit meiner Patienten. Etwa 4000 Patienten, hauptsächlich aus dem Großraum Tokyo, sind von mir untersucht worden.

 

1. Von 2011 bis 2016

Die meisten Patienten sind sich der notwendigen Vermeidung unnötiger radioaktiven Exposition bewusst, so dass bisher keine sehr schweren auffälligen Erkrankungen bei ihnen diagnostiziert wurden. Trotzdem waren einige Symptome auffällig: anomale Nasenblutung, subkutane Blutungen, geschwollene Lymphknoten, Durchfall, Asthma und Entzündung der Nasennebenhöhlen. Das bedeutet eine Häufung der Erkrankung der Atmungsorgane. Dessen Heilung, sowie die Heilung von unterschiedlichen Verletzungen oder Hautentzündungen war verlangsamt.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit sowie Herpangina, die eigentlich Kinderkrankheiten sind, werden bei den Erwachsenen häufiger beobachtet; und Gürtelrose als Erwachsenenkrankheit wird bei Kleinkindern vermehrt diagnostiziert. Und obwohl andere Geschlechtskrankheiten reduziert wurden, sind Fälle von Syphilis drastisch erhöht. Diese statistisch belegbaren Veränderungen sind sehr bemerkenswert.

Ich habe Blutuntersuchungen an 4000 Patienten von jung bis alt durchgeführt, die auf der vom Staat vorgeschriebenen Messmethode mit ionisierter Strahlung beruhen.

Die Verminderung der Leukozyten war bei den Kleinkindern, besonders bei Babys, auffallend. Während des Jahres vor 2012 trat es häufig im Gebiet im Osten Tokyos bis Katsushika auf, das als Hotspot bekannt war. Danach erfasste das Symptom auch das Gebiet um Musashino und breitete sich dann überall gleichsam im Großraum Tokyo aus.

Die allgemeine medizinische Diskussion konzentrierte sich fast immer auf die Problematik des Schilddrüsenkrebs in Fukushima, aber das ist nicht alles.

 

Seite 157

Die Abnahme und Veränderung der Struktur der Leukozyten, verschiedene individuelle Beschwerden, veränderte Verläufe der Infektionskrankheiten, erschwerte Diagnostizierung, schlechte Reaktion auf die herkömmlichen Therapien: Dies alles sollte gut analysiert und diskutiert werden.

Nach meiner Beobachtung ist der gesundheitliche Schaden der Bewohner im Zentrum Tokyos offensichtlich; es ist sogar viel ernstzunehmender als bei den Bewohnern im Norden des Großraums Tokyo oder sogar im nicht stark kontaminierten Gebieten von Fukushima.

 

2. Was bedeutet „neuer Hibakusha“?

Es gibt Unterschiede in den persönlichen Symptomen, aber trotz solcher Differenzen müsste sich jeder Bewohner in Ostjapan als Betroffener sehen, daher schlage ich den Begriff „neue Hibakusha“ vor. Wir, die 2011 durch das Reaktorunglück des AKWs Fukushima Daiichi Radioaktivität ausgesetzt wurden, sollten uns als neue Hibakusha, als Hibakusha im 21.Jh. verstehen. Wir sind Nachfolger der Strahlenopfern von Hiroshima, Nagasaki, Bikini-Atoll, Tschernobyl und des Golfkriegs, aber auch von Militär und der Atomwirtschaft. Wir müssen uns um die eigene Gesundheit kümmern und Therapeuten dürfen nicht vergessen, dass herkömmliches medizinisches Wissen nicht mehr ausreichen könnte.

Es gibt für den Fukushima-GAU noch keine Aussicht auf Liquidation, und nach Aussage der japanischen Atomenergiekommission wurde im Jahre 2017 immer noch Radioaktivität auch im Großraum Tokyo in Niederschlägen und im Trinkwasser festgestellt.

Die „Neuen Hibakusha“ haben eine andere Voraussetzung als die in der Vergangenheit, weil sie zwar einer niedrigen, aber langfristigen Strahlenbelastung ausgesetzt wurden. Wir müssen die vorangegangene Studie nach Tschernobyl selbstverständlich respektieren, aber sollten auch nicht ausschließen, dass wir auf ganz andere gesundheitliche Schäden stoßen könnten.

 

3. Was ist „das Symptom der verminderten Leistungsfähigkeit“?

Seit 2016 nehmen diese Symptome rapide und im stärkeren Grad zu, die das Leben der „neuen Hibakusha“ beeinträchtigten.

Verschlechterte Gedächtnisleistung: Man kann schwerer lernen, Termine nicht einhalten und ohne Notizen nicht abarbeiten.

 

Seite 158

Schnelle Ermüdung: Man kann mit seinen Kollegen nicht Schritt halten, nicht lange gehen, hat keine Kraft für lange Arbeit, ist einfach müde. Aufgrund starker Müdigkeit kann man ein paar Tage nicht zur Arbeit gehen, kann Dinge nicht erledigen, die man früher konnte, ist immer gereizt und hat schlechte Laune. Schlafmangel führt zu Fieber (besonders oft bei Kleinkindern)

Verminderung der Konzentrationsfähigkeit, Entschlusskraft und des Verstandes: Man kann Zusammenhänge schlechter verstehen, es passieren viele Fehler, alles ist lästig, man kann keine Zeitungen und Bücher lesen, hat keinen Plan für Durchführungen, man ist unvorsichtig und hat Motivationsverlust. In der Schule werden die Noten schlechter, Schulleistungen werden schlechter, man kann nicht so schnell denken und keine Hausaufgabe zu Ende führen.

Unkontrollierbare Müdigkeit: Man schläft ohnmächtig ein. Ein Kind kommt von der Schule und schon am Hauseingang schläft es ein. Unbewusst macht man einen Mittagsschlaf, der bis zum Abend andauern kann. Kurzes Einnicken beim Autofahren. Man schläft bei der Arbeit ein und wird gekündigt.

Bei den Hibakusha in Hiroshima und Nagasaki wurden solche Symptome auch beobachtet. Der Ehrenprofessor Masao Tsuzuki von der Universität Tokyo nannte die Symptome „Die chronischen Nachwirkungen nach der Atombombenexplosion“. Dr. Shuntaro Hida nannte sie „Keine-Lust-Krankheit aufgrund der Atombombe“. Auch die Hibakusha aus dem Bikini-Atoll, aus Tschernobyl, sowie die Beschäftigten der Atomindustrie leiden dauerhaft unter den oben genannten Beschwerden. Ich möchte heute das Phänomen „die verminderte Leistungsfähigkeit“ der „neuen Hibakusha“ nennen.

Als klinischer Arzt stoße ich bei den täglichen medizinischen Untersuchungen und Behandlungen häufig auf folgende Probleme: Erschwerte Diagnose einer Erkrankung aufgrund eines atypischen Verlaufs, Gefahr einer falschen Diagnose aufgrund des Fehlens eines typischen Symptoms im Verlauf einer Erkrankung, Mangel an Blutwerten und Fälle, bei denen die Reaktion auf die Therapie schlecht ist.

Verschlechterung der Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern: Man ist anfällig für Krankheiten, die Abwehrkraft des Organismus nimmt ab oder sie ist verzögert, die bei Infektionen übliche Vermehrung der Leukozyten tritt nicht ein; oder die Reaktion auf eine Therapie braucht mehr Zeit. Wenn der Organismus nicht rechtzeitig reagiert, kann es zu Infektionen von weiteren Organen führen, die dann zu einer Sepsis und dann zum Tode führen kann.

Verminderte Selbstheilungskraft von verletztem Gewebe: Harmlose Verletzungen oder eine Entzündung der Haut heilen schlecht ab, oder es entstehen häufiger Phlegmonen.

3-4 Jahre nach dem Unglück beobachte ich eine rapide Zunahme dieses Symptoms der „Reduzierten Leistungsfähigkeit“, was mir eine große Sorge bereitet.

 

4.Ursache der „verminderten Leistungsfähigkeit“

Oft können diese problematischen Symptome durch einen Umzug von Ost- nach Westjapan oder einer Kur in Westjapan deutlich gelindert werden. Viele „Hibakusha“ erlebten nach Rückkehr in ihre Heimat in Ostjapan jedoch einen Rückfall.

Bis jetzt konnte noch nicht bewiesen werden, dass eine radioaktive Exposition die einzige Ursache der „verminderten Leistungsfähigkeit“ ist, aber diese Symptome ähneln stark denen der Hibakusha nach der Explosion von Atombomben. Aus dieser Tatsache schließen wir, dass die radioaktive Exposition sicher eine zentrale Rolle bei den Ursachen spielt.

Bei der Überempfindlichkeit auf chemische Substanzen, die in den 1980er Jahren in den Fokus gerückt ist, wird von ähnlichen Fällen berichtet. Daher kann die „verminderte Leistungsfähigkeit“ zum Teil als eine Art Überempfindlichkeit auf chemische Substanzen gedeutet werden. Aber eine andere Möglichkeit ist, dass durch radioaktive Disposition eine veränderte Empfindlichkeit im Körper ausgelöst wurde, was dann diese Überempfindlichkeit auf chemische Substanzen zur Folge hat.

Es gibt nicht viele Beispiele, aber nach dem Einsatz von MRT beispielsweise wurde bis jetzt keine klare krankhafte Veränderung am zentralen Nervensystem gefunden und auch die Prüfung der kognitiven Funktion blieb innerhalb des Normalbereichs.

Auch bei den oft diskutierten Schilddrüsenhormonen, blieb das Niveau im Normbereich, also absolut keine Veränderung.

Seit März 2017 habe ich bei etwa 100 Patienten mit Symptomen der „verminderten Leistungsfähigkeit“ eine Untersuchung der Hypophysen - und Nebennierenrindenhormone durchgeführt. Patienten, die sich zwar schlecht fühlten, aber trotz der Beeinträchtigung einigermaßen wie gewohnt leben konnten, wiesen ein Hormonniveau auf, das im unteren Normbereich lag. Gemessen an Gesunden (im mittleren Normbereich) wiesen ihre Werte deutlich eine Tendenz nach unten auf. Dass diese relative Verminderung des Hypophysen- und Nebennierenrindenhormons eine große Rolle bei dem Symptom der „verminderten Leistungsfähigkeit“ spielen könnte, gilt als gesichert aus der Tatsache, dass sich die Lebensfähigkeit deutlich erholt durch die später aufgeführten Therapie.

 

5.  Behandlung der Patienten mit „verminderter Leistungsfähigkeit“

Da bis jetzt keine eindeutige medizinische Diagnose für diese Symptome existierte, gab es dafür auch keine aktive Behandlungsmethode, nur Empfehlungen wie: „Solche Patienten sollen nur sehr vorsichtig behandelt werden, als ob sie Behälter mit Rissen wären“ (Tsuzuki) oder „Die Patienten sollten niemals zu viel arbeiten, immer genug Pausen einlegen und früh zu Bett gehen.“ (Tsuzuki). Sicherlich sind solche Empfehlungen gewissermaßen gültig.

Ab 2016 (fünf Jahre nach der Disposition) sind die Fälle mit den Symptomen der „verminderten Leistungsfähigkeit“ öfter aufgetreten und auch schwerwiegender, so dass es Einflüsse auf ihren Lebensrhythmus (Besuch der Schule oder Arbeit) gibt. Somit lässt sich diese Problematik mit dieser Empfehlung allein nicht lösen.

Der relative Mangel des Nebennierenhormons kann durch orale Gabe bis in den normalen Bereich ausgeglichen werden. Im April 2017 fing ich mit dieser Therapie an, so konnten 70 bis 80 % der Patienten die alten „Fähigkeiten“ wiedererlangen.

Die Empfindungen der Patienten nach der Behandlung: „Die Müdigkeit ist weg“. „Der Nebel ist geklärt“. „Ich kann so viel arbeiten wie früher“. „Man sagt mir, dass ich so fröhlich bin wie früher“. „Man sagte mir, dass ich jünger aussehe“. „Meine Stimmung ist positiver geworden“. „Ich kann ohne Problem etwas verstehen“. „Mein Denkvermögen ist von 30% auf 80% gestiegen“. „Hausaufgaben kann ich sofort erledigen“. „die Unruhe ist weg“. „Jetzt kann ich ohne Angst Auto fahren“. „Der Blick ist nicht mehr getrübt“.

Der relative Mangel der Hypophysen- und Nebennierenhormone wird durch vorsichtige Gabe ausgeglichen und die Leistungsfähigkeit lässt sich verbessern. Nach einiger Zeit der Therapie verschlechtert sich aber die Lage, wenn man die Medikation absetzt oder pausiert. Deshalb ist es angebracht, die Therapie mit vorsichtiger Dosierung fortzusetzen, um Nebenwirkung zu vermeiden.

Manche Patienten leiden unter starker Dysautonomie, die nicht klar von den Symptomen der verminderten Leistungsfähigkeit zu unterscheiden ist und können auch eine Überempfindlichkeit bei chemischen Stoffen haben (die früher schon vorhandene Überempfindlichkeit kann sich verstärkt haben), so dass die Empfehlung, chemische Stoffe zu vermeiden, oft Wirkung zeigt. Auch Behandlung mit traditionell chinesischer Medizin kann bei Hormonmangel wirken.

 

6. An die neuen Hibakusha

Ich bitte diejenigen Menschen, die seit 2011 in Ostjapan wohnten bzw. immer noch dort wohnen, darum, sich selbst als neue Hibakusha zu betrachten und auf gesundheitliche Veränderungen, oder Erkrankungen genau zu achten. Bitte, die Ursache solcher Symptome nicht einfach als Alterserscheinungen anzusehen, sondern prüfen, ob die hier beschriebenen Symptome vielleicht auf Sie zutreffen.

In Tschernobyl denken noch viele Leute, diese Symptome seien altersbedingt.

Was mir am meisten Sorgen bereitet, ist die reduzierte Abwehrkraft der Patienten bei Infektionen. Auch wenn die gesundheitliche Untersuchung keine schwerwiegende Erkrankung anzeigt und Ihr Arzt daher nur eine „leichte Erkrankung“ bzw. eine „Unpässlichkeit“ diagnostiziert, sollten Sie hartnäckig auf weitere Untersuchung bestehen, solange Sie sich schlecht fühlen. Denn bei „verminderter Leistungsfähigkeit“ nimmt die körperliche Abwehrkraft ab, so dass die Untersuchungsdaten schlechter eine Abweichung von der Norm anzeigen. Es könnte sich in der Tat um eine schwerwiegende Erkrankung handeln.

 

7. An die Therapeuten, insbesondere praktizierenden Ärzte

Bitte denken Sie auch an die Möglichkeit der „verminderten Leistungsfähigkeit“, wenn bei Ihrem Patienten Symptome, Daten Ihrer Untersuchung Widersprüche ergeben, wenn eine Diagnose schwierig ist, oder wenn die Behandlungen keine Wirkung zeigen. Die Abnahme der Leukozyten (geringe Abwehrkraft) könnte eher eine Verschlechterung der Erkrankung anzeigen als eine Zunahme (Zunahme der Abwehrkraft).

Viele Patienten haben einen verminderten Cortisolspiegel, daher kann dessen Ergänzung eine Besserung bringen. Wenn die als natürlich geglaubte Selbstheilungskräfte geschwächt sind, muss man bei der Behandlung andere Methoden anwenden.

Überlebensdauer nach Erkrankung an Magen- und Lungenkrebs vor und nach dem Tschernobyl-Unglück (1986). (Schtomyr, Ukraine)

                  Verbleibende Lebensdauer nach Diagnose (Monate)

Jahr                                       Magenkrebs                                          Lungenkrebs

1984                                       62                                                          38

1985                                       57                                                          42

1992                                     15,5                                                           8,0

1993                                     11,0                                                           5,6

1994                                       7,5                                                           7,6

1995                                       7,2                                                           5,2

1996                                       2,3                                                           2,0                                

 

Seite 162

Es gibt eine Studie aus der Ukraine über die Überlebensdauer der Patienten mit Magen- oder Lungenkrebs. Die Dauer betrug vor dem Reaktorunfall in Tschernobyl etwa 50 Monate, zehn Jahre danach war die Lebensdauer auf 2 Monate reduziert. Das ist wissenswert.

 

8Ein weiterer Aspekt der „Neuen Hibakusha“

In den letzten drei Jahren gibt es auch in Westjapan Klagen über die verminderte Leistungsfähigkeit: Starke Müdigkeit, vermehrte Anfälligkeit für Krankheiten, rapides Altern, als härter empfundene Arbeit, starke Vergesslichkeit etc. Auch verstärkte Überempfindlichkeit gegenüber chemischen Stoffen oder elektromagnetischen Wellen ist festzustellen. Ich hatte einmal ein Kind mit solchen Beschwerden, das aber als Tourist aus den USA kam. Die niedrige radioaktive Exposition ist nicht nur in ganz Japan, sondern global verbreitet, und ich habe den Eindruck, dass anfällige Menschen, Behinderte und schwer heilbare Patienten nach 2011 stark von Strahleneinwirkung betroffen sind.

Bei den neuen Hibakusha können noch andere Symptome als verminderte Leistungsfähigkeit vorkommen. Die Abwehrkraft kann nicht nur sinken, sondern auch verrücktspielen. Phänomene wie Zunahme von Autoimmunkrankheiten, Verschlechterung bestehender Allergien oder vermehrte Anaphylaxiefälle sind besorgniserregend.

 

9 Schlussfolgerung

Der Ehrenprofessor Masao Tsuzuki von der Universität Tokyo hat die Hibakusha aus Hiroshima und Nagasaki und auch Betroffene von Bikini-Atoll medizinisch behandelt und 1954 ein Buch mit dem Titel „Über chronische Symptome nach der Atombombenexplosion“ veröffentlicht. Am Ende dieses Buchs schreibt er wie folgt: „Aus Sicht eines praktizierenden Arztes (abgekürzt), wenn er irgendeine Abnormität bei den chronisch strahlenkranken Menschen feststellt, unabhängig davon, ob es sich um individuellen oder fachlich diagnostizierte Leiden handelt, soll er alles in seiner Möglichkeit stehende zu deren Behandlungen unternehmen. Das liegt im   Verantwortungsbereich eines Arztes. Wir können solche Fälle nicht ignorieren, nur weil es wissenschaftlich nicht lösbar ist. Ich bin sicher, dass Ärzte, die mit den Patienten sowohl Freude als auch Leiden teilen, werden meine Meinung teilen.

Ich teile seine Ansicht vollkommen und möchte den Begriff der „neuen Hibakusha“ mehr als 60 Jahre nach seiner Veröffentlichung einführen.   28.Februar 2018

 

Seite 163

Ich bin gegen die Veranstaltung der Olympischen Spiele in Tokyo 2020

Japan steht nach dem verheerenden Erdbeben und Reaktorunglück in Ostjapan immer noch unter dem atomaren Ausnahmezustand. Auch die radioaktiv kontaminierte japanische Hauptstadt Tokyo kandidierte für die nächsten Olympischen Spiele, die das IOC bewilligt hat.

Das bedeutet, dass die Veranstalter (das japanische Olympische Komitee, die Stadt Tokyo und das Land Japan) in die Spiele als Businessevent investieren wollen, Sonderbedarf vortäuschen, kurzfristige ökonomische Effekte vorziehen. Die Welt ist jedoch der Ansicht, dass dabei außer Acht gelassen wird, dass teilnehmende Athleten, alle Beteiligten und Zuschauer den Strahlen ausgesetzt werden und dass man da in Anbetracht möglicher gesundheitlicher Schäden einfach beide Augen verschließt.

Schon aus ethischen Gründen muss die Strahlenexposition der Besucher in Fukushima, Tokyo oder Ostjapan innerhalb der Veranstaltungen vermieden werden. Praktisch wird es so sein, dass in dem kurzen Zeitraum nur bedingte Beeinträchtigung geben wird. Ich habe mehr die Befürchtung, dass das Land im Moment eine Stimmung machende Kampagne betreibt, Sightseeing-Tour ins Katastrophengebiet organisiert, Lebensmittel/Baumaterial und Kinder missbraucht, um etwas „für“ das Katastrophengebiet zu unternehmen. Der Enthusiasmus des gutgläubigen Volkes im Westen Japans könnte dazu führen, dass das Risikobewusstsein gegenüber dem Strahlenunglück abnimmt und verminderter Schutzmechanismus breitmacht, das Bewusstsein sozusagen gelähmt ist.

17.April 2019

 

 3.Kapitel, Teil 3, S 182

Messungen der Radioaktivität im Urin von Kindern nach dem GAU von Fukushima Daiichi

Sachiko Saito

Fr. Sachiko Saito (früher in einer Abteilung für radioaktive Messungen einer Immobilienfirma, Minamifukuzaki Co. Ltd, Osaka, Japan, beschäftigt) und Hr. Tomoya Yamauchi (Professor an der Universität Kobe, für Magisterkurs für Schifffahrt und Umweltprobleme) haben zusammen eine Studie herausgebracht: „Die Ergebnisse von 100 Urinuntersuchungen bei Kindern nach dem GAU von Fukushima Daiichi “ und diese wurde in „dem Bulletin der Schifffahrtsinstitut an der Universität Kobe“ vom 16.6.2017 veröffentlicht. Hier möchte ich, Eiji Watanabe, diese Studie in Zusammenarbeit mit Frau Saito vorstellen.

 

1. Messungen des radioaktiven Cäsiums im Urin

Frau Saito hat 2012, ein Jahr nach dem GAU, an der Initiierung der Bürgerinitiative: „Zivilmessstelle für Radioaktivität in Kyoto“ teilgenommen, indem sie sich über Radioaktivität und Innere Exposition informierte. Danach hat sie in Osaka mit dem Halbleitermessgerät TG150B-Ge von der Firma „techno-ap“ unterschiedliche Messungen durchgeführt. Bei der Arbeit hatte sie die Sorge, dass die Kinder in Ostjapan unter innerer Exposition leiden würden. Denn es gab verschiedene Lebensmittel für die Kinder und es gab vorsichtige Eltern aber auch unvorsichtige. Frau Saito hat daher 2014 eine Organisation: „Kodomo Aid“ (Hilfe für Kinder) gegründet, um das radioaktive Cäsium im Urin von Kindern zu messen. Diese Initiative wurde 2 Jahre zusammen mit den Eltern aus Fukushima geführt. Es waren 3 Jahren nach dem GAU vergangen und sie dachte nicht wirklich an die Möglichkeit eines Befundes, trotzdem führte sie die Messungen durch.

Die Methode der Messungen: Grundsätzlich wird Urin für 24 Stunden gesammelt und in einem Marinelli-Gerät 48 Stunden lang gemessen. Die Messgrenze der Methode liegt bei ca. 0,1Bq/l, und unterhalb dieser Zahl wird der Wert mit „kein Befund“ bewertet, obwohl dessen Spektrallinie auch einen Höhepunkt zeigen könnte.

37 Kinder aus Fukushima – nahezu gleich viele Mädchen und Jungen – im Alter von 3 -16 Jahren waren an den Untersuchungen beteiligt. Es waren insgesamt 75 Kinder, die einmal bzw. mehrmals untersucht wurden. Außerdem wurde auch ein 13jähriger Junge aus Kita-Ibaragi (Nachbarstadt von Iwaki) und zum Vergleich 25 Kinder aus Westjapan für ein Jahr lang untersucht. Diese Kinder sind: 1 aus Shiga, 4 aus Kyoto, 5 aus Osaka, 4 aus Nara, 10 aus Hyogo, und 1 aus Oita. Das Alter war bei den Untersuchungen zwischen 2 und 17 Jahren und auch hier waren gleich viele Jungen und Mädchen beteiligt.

Das Ergebnis zeigt bei 24 Kindern aus Westjapan keinen Befund, und nur bei einem Kind aus Oita wurde ein Höhepunkt in der Spektrallinie festgestellt. Unter 24 Kindern waren teilweise auch Flüchtlinge aus Fukushima und die meisten Mütter kümmerten sich um sichere Lebensmittel. Das einzige Kind mit Befund lebte sehr weit weg von Fukushima, so dass es möglicherweise eine problematische Einfuhr von kontaminierten Lebensmitteln gab, aber vielleicht waren auch seine Eltern nicht so vorsichtig.

 

S184

2014 wurde Cs134 im Urin einiger Kinder gefunden, aber vom nächsten Jahr an ist nichts mehr aufgetreten. Von den Werten von Cs137 lag der Häufigste zwischen 0,16 und 0,20Bq/l und der Höchste betrug 0,30Bq/l. Bei 54 von den 75 Geprüften wurde dies gefunden und bei den anderen 21 war es ND1 (ohne Befund) oder ND2 (mit einem Höhepunkt unterhalb des Grenzwertes). Also wurde Cs137 im Urin von 70% der Kinder gefunden. Nach der Information, dass die Konzentration des radioaktiven Cäsiums in den Körpern abhängig von den Jahreszeiten und von dem Prozess der Konzentration schwankt, wurde auch eine Korrektur nach relativem Gewicht ab dem 2. Jahr (von 2015 bis 2016) eingeführt. Danach schwankten die Cäsiumwerte, aber der Häufigste blieb 0,21Bq/l, zeigte sich also nicht besonders variabel.

Die graue Linie von Bild 2 zeigt eine Konzentrationsveränderung bei einem zehnjährigen Mädchen, das in der Stadt Fukushima, ca. 60km nordwestlich vom AKW Fukushima Daiichi, wohnt. Ihr Wert ist, zum Vergleich der ersten Messung, nach 4 Monaten gesunken, aber 6 Monate später stieg er wieder an, weitere 5 Monate später sank er noch einmal. Es sieht so aus, als ob sich bei dem Mädchen radioaktive Stoffe im Körper angesammelt haben und danach wieder ausgeschieden wurden, usw.

Die schwarze Linie vom Bild 2 zeigt eine Konzentrationsveränderung bei einem damals fünfjährigen Jungen, der in Nihonmatsu, ca. 60 km westnordwestlich vom AKW Fukushima Daiichi, wohnt.  Bei ihm wurde der höchste Wert gemessen. Die Messung dauerte 1 Jahr und 2 Monate, und bei ihm sah es auch so aus, als ob er wie das Mädchen eine bestimmte Menge Cäsium zu sich genommen hatte.

Eine Studie von ICRP (International Commission on Radiological Protection): Pub. 67 zeigt eine Tabelle; Table C-8.1. In dieser Studie steht, dass die biologische Halbwertzeit für fünfjährige Kinder 30 Tage, und für zehnjährige 50 Tage beträgt. Daraus resultiert, dass diese zwei Kinder dauernd Cäsium zu sich genommen haben müssen.

Zwei Jahre lang wurde Urin der Kinder aus Fukushima getestet und der Urin von einem Jungen aus Kita-Ibaragi, Präfektur Ibaragi, wird auch noch weiter untersucht. Bei der ersten Messung war er 13 Jahre alt, er ist jetzt 20 (2019). Das Bild 3 zeigt die Konzentration von Cäsium bei ihm von 2014 bis 2018.

Die radioaktiven Stäube können nicht an der Präfekturgrenze aufgehalten werden. Sie sind auch überall in der Kanto-Region (Ibaragi, Chiba, Tochigi, Gunma Saitama, Tokyo, und Kanagawa) verbreitet und bei Regen oder Schnee fallen die radioaktiven Stäube und dringen in die Erde ein. Die Radioaktivität wird langsam runtergehen, aber Menschen können aus irgendeinem Grund immer noch im Körper aufnehmen.

2020 werden die olympischen Spiele in Tokyo veranstaltet. Von dem Wiederaufbau ist noch gar keine Rede, denn die Aufräumarbeiten am havarierten AKW werden lange dauern, und trotzdem ist es jetzt offiziell, dass Baseball und Softball in der Stadt Fukushima veranstaltet werden. Frau Saito betonte: „Jede Person muss für sich selbst und seine Familie Schutzmaßnahmen nach eigenem Ermessen ergreifen.“

Prof. Naoko Nakagawa von der Uni. Ibaragi hat eine Berechnung des aufgenommenen Cäsiums veröffentlicht. Daraus resultiert, dass das aufgenommene Cäsium pro Tag im Vergleich mit dem Wert im Urin um das 0,6fache bei einem 1jährigen sowie 5jährigen Kind, das 1,5fache bei einem 10jährigen Kind, und das Doppelte bei einem 15jährigen Kind abweicht.

Die im Körper angesammelte Menge Cäsium würde bei einem einjährigen Kind das 1,8fache an Konzentration im Urin betragen, bei einem Fünfjährigem das etwa 1,6 fache, bei einem 15Jährigem etwa 4fache. (Die praktische Verwendung des Resultats der Messung von Cäsium im Urin, herausgegeben von „Freiwillige Gruppe von der Uni. Ibaragi“)

 

 Kapitel 3-3, Teil 4

Die Stadt Tokyo, der Veranstaltungsort für die Olympischen Spiele 2020, ist meine Heimat, wohin wir nicht zurückkehren können

Yoko Shimozawa (aus Tokyo geflüchtet)

Premier Abe lächelte, während es meiner Tochter schlechter und schlechter ging

Im Sommer 2013, als für den Austragungsort der Olympischen Spiele 2020 Tokyo ausgewählt wurde, war ich zu Hause in Tokyo. Im Fernseher lief eine Live-Sendung, in der der Premier Abe, seine Arme ausbreitend, erklärte, dass das AKW Fukushima Daiichi unter Kontrolle wäre. Er sprach lächelnd und fließend davon, dass die Stadt Tokyo unter keinem schlechten Einfluss war und dass das weiter so bleiben würde, auch dass es in der Vergangenheit in der Gegenwart und in der Zukunft keine gesundheitlichen Probleme gab und geben wird.

Zu der Zeit war meine Tochter - kurz vor ihrem 8. Geburtstag – bei mir. Sie fühlte sich immer schlechter. Sie war nicht mehr gesund.

Sie klagte: „Mir ist übel, ich bin kaputt ...“ „ich bin schlapp, ich habe Kopfschmerzen, Bauchweh, meine Füße tun mir weh, ich kann nicht laufen, mir tun die Hände bis in die Fingerspitzen weh, mir ist kalt, mein Gesicht ist heiß, Hilfe, ich habe sehr starke Schmerzen.“ Nach dem Reaktorunglück litt sie ständig unter solchen Symptomen und sie wurden schlimmer und schlimmer, ohne ein Zeichen der Besserung.

Von Atomkraftwerken wusste ich bis dahin gar nichts. Sofort nach dem Unfall erwachte ich jedoch und sammelte zielstrebig Informationen darüber und las viele Bücher, währenddessen sich die gesundheitliche Lage meiner Tochter verschlechterte. Als ich von der inneren Exposition mehr wusste, habe ich zum ersten Mal Radioaktivität mit der Veränderung der gesundheitlichen Lage meiner Tochter verknüpft.

■Kann das sein? Exposition ausgerechnet in Tokyo?

Ich war nicht überzeugt von meiner Hypothese. Innere Exposition? Ausgerechnet in Tokyo? Wenn ich von meiner Sorge sprach, wurde ich nicht ernst genommen, oder aber beschimpft und mein Mann lachte erst darüber, und am Ende stritt ich mich immer mit ihm.  Meinen Freunden konnte ich nichts davon erzählen. Denn die Worte Abes: „Kein Problem“ waren für uns Bürger in Tokyo wie Allgemeinwissen, sie waren wie die Luft zum Atmen.

Man wusste nichts. Ich wusste und verstand nicht, woran und warum mein Kind litt, und was man dagegen tun konnte. Wie lange würde die Situation andauern, wird der Tag kommen, an dem mein Kind gesund werden würde? Es gab keine Aussicht für die Zukunft. Es waren sehr harte Tage. Die Symptome ähnelten sich wie die “Keine - Lust - Krankheit aufgrund der Atombombe”. Meine Tochter war bis zu ihrem 5. Lebensjahr ein energiegeladenes Kind.  Sie hatte viel Kraft und hat den ganzen Tag draußen gespielt.

Ich war schockiert durch die unglaubliche Lüge vom Premier Abe: „(Havarierte Reaktoren sind) under control” und ich war erschrocken zu hören, was er weiter gesagt hatte: “Über die Gesundheit der Japaner gab es in der Vergangenheit, gibt es im Gegenwart und auch in der Zukunft keine Probleme”. Damals war ich noch nicht von den radioaktiven Einflüssen auf die Gesundheit meiner Tochter überzeugt, aber sie war von dem Problem betroffen und daher wollte ich diese Worte nicht hören, die der lächelnde Premier so geredet hatte, der meine Tochter nicht kannte. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit meiner Tochter zusammengepresst und weggeworfen würde. Seitdem denke ich mir, dass ich diese Veranstaltung, diese Olympischen Spiele nicht erlaube. Das hämmere ich mir ständig in mein Gedächtnis. Mir war klar geworden, dass der Zweck der Veranstaltung darin lag, dass man das große Reaktorunglück und seine Schäden vergisst und verdrängt. Mit seinem lächelnden Gesicht sollte das Unglück weggestrichen und stattdessen „Wiederaufbau“ mit Stolz gezeigt werden. Das hatte ich selbst erkannt.

Ein halbes Jahr später verschlechterte sich die gesundheitliche Lage meiner Tochter. Sie konnte nicht mehr in die Schule gehen, nicht mit Freunden spielen, im schlimmsten Fall konnte sie sogar nicht allein auf die Toilette gehen.

■Wenn kranke Menschen in nicht kontaminierte Orte gehen, können sie geheilt werden!

Zu der Zeit habe ich als einzigen Arzt, Dr. Shigeru Mita im Großraum Tokyo gesehen, der sich mit dem Problem der Exposition ernsthaft beschäftigt hatte. Er sagte mir, dass kranke bzw. geschwächte Kinder gesund und fit werden oder sich die Ergebnisse der Blutuntersuchung rapide verbessern können, wenn sie in einen nicht kontaminierten Ort umziehen.

Ich konnte an seinem allerletzten Vortrag in seinem bisherigen Behandlungsort gerade noch teilnehmen, denn auch er hatte im nächsten Monat seinen Umzug geplant. Er sagte ganz klar, dass es meiner Tochter aufgrund von Exposition schlecht ging. Ich war nicht besonders schockiert, sondern eher in einer tiefen Beruhigung. Ich dachte, jetzt kann man der Sache richtig etwas entgegensetzen, einen Weg der Heilung suchen… Der Doktor empfahl ihr einen Umzug in einen nicht kontaminierten Ort und eine Kur.

Wir, meine Tochter und ich zogen nach Toyama, in das Elternhaus meines Mannes um. Dann passierte ein Wunder.  Auch zur Toilette hatte ich sie vorher auf meinen Schultern schleppen müssen, aber nach ein paar Tagen konnte sie bis zum Strand die 15 Minuten zu Fuß gehen und im Schwimmbad schwimmen. Das war ein Wunder, nachdem sie sich ständig beklagt hatte, was sie auch gerade tat; alles hatte ihr weh getan; sie hatte nicht nur nicht in die Schule gehen, sondern einfach gar nicht mehr ausgehen können.

Ganz ähnlich ging es ihr in Okinawa und Kobe, in der Stadt, in die wir alle später endgültig umgezogen sind. Als wir wieder nach Tokyo kamen, ging es ihr wieder schlecht. Bereits an dem Abend, als wir dort ankamen, war eine Verschlechterung zu beobachten.

Meine Tochter, die ihre Gesundheit zurückgewonnen hatte, sagte dann wieder: „Mutter, ich bin zu müde, um Hausaufgabe zu machen.“  Sie wollte aber nicht zugeben, dass es ihr schlecht geht, weil es die Mutter enttäuschen und wieder Sorge machen würde.

Ich war sehr traurig, als ich erkannte, dass sie wieder leiden musste und kann nicht mehr vergessen, wie sie da weinte.

■Vermehrte Fälle der „Verminderte Fähigkeiten“ aufgrund von Exposition im Großraum Tokyo

Wir hatten vier Monate lang das Leben mit Umzügen für die Kur meiner Tochter verbracht, wobei sie zurück in Tokyo keinen Tag gesund war. Danach zogen wir, meine ganze Familie, nach Kobe, Westjapan, um. Anders als in vielen Fällen, in denen nur Mütter und Kinder flüchteten, hatten wir schon von Anfang an kein finanzielles Problem, so dass wir uns schnell der Stadt anpassen konnten, zu der wir bis zu diesem Zeitpunkt keinen Bezug gehabt hatten. Es ging uns gut und ich war vor allem sehr dankbar, da meine Tochter schnell gesund wurde und mit vielen neuen Freunden spielte, als ob das bisherige Spielen nachzuholen sei. Es war ein Wunder.

Was im Körper meiner Tochter geschah und was in unseren Körpern immer noch geschieht? Nach dem Umzug nach Kobe hatten wir wieder die Praxis von Dr. Mita, in Okayama besucht, sind regelmäßig untersucht worden, dadurch habe ich nach und nach Informationen bekommen können. Nach wiederholten Untersuchungen unseres Hypophysenhormons hörte ich von radioaktiven Einflüssen auf eine wichtige Stelle, das Gehirn.

Er meinte, dass die Verminderung des Hypophysenhormons nicht nur uns, meiner Familie, sondern genauso vielen Menschen im Großraum Tokyo passiert. Wir drei sind wahrscheinlich gesund. Aber die Zahl der Menschen nimmt zu, die zusammen mit dieser Verminderung des Hormons andere Symptome bekommen, wie die Abnahme von Willenskraft, Gedächtnis und Abwehrkraft, so dass sie kein normales Leben mehr führen können, so erzählte Dr. Mita. Er nannte diese Symptome „Verminderte Fähigkeiten“

Ob wir diese Fähigkeiten zurückgewinnen können, weiß niemand. Wir alle sind Versuchskaninchen. Viele Bewohner dieses Landes sind auch Versuchskaninchen und laufen in die falsche Richtung, statt die Lösung des Problems mit Klugheit und vereinten Kräften voranzutreiben.

In der Stadt Tokyo bin ich geboren, aufgewachsen, habe geheiratet und meine Tochter geboren, das war der Mittelpunkt meines Lebens. Meine Eltern, Geschwister und Freunde leben dort. Trotzdem war mein sentimentales Heimatgefühl total ohne eine Spur zu hinterlassen, wie weggeblasen.

Ich kann dorthin nicht zurückkehren. Ich habe keinen Wunsch mehr nach Heimkehr.  So dramatisch waren meine Erlebnisse in den zurückliegenden vier Monaten mit meiner Tochter in Tokyo. Und das Ergebnis der Untersuchung unseres Hypophysenhormons, womit wir uns seitdem beschäftigen, ist grausame Realität, vor der man nicht fliehen kann.

Das ist gerade die Gefahr von Radioaktivität, die man nicht sehen, riechen und nicht fühlen kann. Aber das Problem ist nicht nur das. Was ich furchtbar finde, ist, dass ich mein schmerzhaftes Krisengefühl kaum mit meinen Liebenden und Freunden teilen kann.

■Die Olympischen Spiele werden eine traurige Zukunft bringen

Je näher das Jahr 2020 kommt, desto eindringlicher nimmt mich ein undefinierbares, unangenehmes Gefühl gefangen. Ist es überhaupt möglich?  In einem Ort, wohin meine Tochter niemals mehr gehen darf; von wo manche Mütter und Kinder geflüchtet sind, wo Eltern um ihre Kinder und sich selbst zu schützen, geflüchtet sind vor einer eklatanten Bedrohung der Gesundheit. Die Menschen fliehen, um auch morgen noch gesund zu leben. Darf man an diesem Ort wirklich Olympische Spiele veranstalten?

Meine Heimat wurde kontaminiert. Was schon existiert kann man nicht ignorieren:  man darf nicht einfach glauben, dass es keine Kontamination gibt. Die Augen der Japaner wurden verbunden, um nicht sehen oder bemerken zu können oder zu sollen, was auf dem Gelände des Reaktorunglücks immer noch passiert, und dass die ganzen Regionen in Ostjapan radioaktiv kontaminiert wurde. Von den Veranstaltern wird so geplant, dass diese Spiele ein Zeichen dafür sind, dass das Unglück beendet wäre.

Sind es Spiele des Wiederaufbaus und der Renaissance? Bereiten die Spiele für uns Hoffnungen oder Zukunft? Was für Hoffnungen kann man sehen, wenn allen die Augen verbunden werden. Und wie kann man sehen oder wissen, dass Kinderkörper und unser Körper verletzt sind? Sollen wir mit den verbundenen Augen fleißig vorangehen, um der Welt die Olympische Spiele als Symbol des Wiederaufbaus zu zeigen? Aber für wen? Wozu eigentlich?

Mein eigenes Kind schlug mir auf den Kopf. Die Augenbinde fiel wie Schuppen. Deshalb erkenne ich jetzt die Existenz der Augenbinden. Weil es diese Augenbinde gibt, können wir die geschätzte Menschheit nicht vor Exposition schützen.

Wir könnten lernen (wenn wir wollten) von vergangenen Atombombenabwürfen, Atomtest, AKW - Unfällen, radioaktive Katastrophen. Wir könnten lernen, was für eine traurige Zukunft vor uns liegt. Mein Kind zeigt mir ein kleines Bisschen davon durch ihren eigenen Körper.

Diese Olympische Spiele selbst sind eine historische, größte und letzte Augenbinde. Schmeißen wir die Augenbinden weg! Wir wünschen uns ein lebenswertes Leben, in dem von unseren Eltern erhaltenen Körpern. Wir Erwachsenen sollten alle Hemmungen und Hindernissen überwältigen und uns zusammenschließen, um die Zukunft zurück zu bekommen, in der unsere Kinder weiter gesund und fröhlich laufen und springen können.

Ich erlaube die Veranstaltung der Olympische Spiele 2020 in Tokyo nicht.

 

 4.Kapitel:

Die vermutlich auf Exposition zurückzuführenden Symptome der Evakuierten

1. Atusko Fukushima

2. Atsushi Haneishi

3. Yoko Shimozawa

4. Ryota Sono

5. Kinue Suzuki

 

S187

1. Atsuko Fukushima (geflüchtet aus der Präfektur Fukushima)

Rückblick einer freiwillig Evakuierten auf ihre gesundheitliche Entwicklung und die ihrer Kinder nach dem Reaktorunglück

Das Reaktorunglück am AKW Fukushima Daiichi, begonnen am 11.März 2011, hat seitdem die Lebensdauer der Bewohner von Fukushima und ihrer Nachbarregionen sicherlich verkürzt und lässt sie immer noch kürzer werden.

Die jetzige Situation ist nicht mehr nur „die Explosion des Reaktors“, sondern kann als „die Katastrophe nach dem Unfall“ bezeichnet werden, die vom Staat und der Großfirma Tepco gemeinsam verursacht wurde. Es gibt weder eine Aussicht auf ein Ende der Aufräumarbeiten, noch ist die konkrete Arbeit an den havarierten Reaktoren merklich vorangegangen. Die Regierung plant ein „Recycling“ der gesammelten, kontaminierten Erde; das ist ein Vorgang der einer Gewalttat ähnelt und ist ein Recyclingversuch, der ohne die Befragung der betroffenen Bewohner durchgesetzt wurde. Es ist der Versuch, die mit vielen radioaktiven Stoffen verseuchte Erde aus dem kontaminierten Gebiet wegzubringen. Währenddessen wurden die Bewohner in Fukushima und ihren Nachbargebieten gezwungen, in diesem Umfeld ohne Schutz vor immensen radioaktiven Stäuben und ohne entsprechende Informationen, weiter zu leben.

 

S188

Den Wunsch der vor der Exposition radioaktiver Stoffe geflüchtet Menschen, die benötigte Hilfe durch entstandene wirtschaftliche Probleme und auch Probleme zur Bewältigung des Alltags mit ihren Kindern zu erhalten, diesen Wunsch mussten die Regierung und die Staatsverwaltung schon lange kennen.

Trotzdem hat die Regierung von „der Notwendigkeit der Selbständigkeit der evakuierten Menschen“ gesprochen und mit dieser absurden These raubte sie den Evakuierten ihre Wohnungen und ließ die Miete ungerechterweise verdoppeln, wenn die Evakuierten nicht ausziehen konnten.

Die Regierung zeigt damit ihren Willen, diese Menschen nach Hause zu schicken, und die Unterstützung für ihre Wohnungen stillschweigend, stetig und seelenruhig zu kappen. Das Problem trifft nicht nur die freiwillig Evakuierten, sondern auch die Zwangsevakuierten. Im April 2019 wurde der Evakuierungsbefehl für einen Teil von Okuma- Machi aufgehoben, so dass es seither keine Unterstützung mehr für die betroffenen Bewohner gibt. Die Menschen dort haben jetzt keine lebensnotwendige Basis mehr und leiden deshalb sowohl körperlich als auch seelisch.

Jetzt möchte ich meine private Situation schildern. Am 12.03.2011 habe ich die Stadt Minamisoma, Präfektur Fukushima verlassen, bin in verschiedene Orten umgezogen, und jetzt ist mein Fluchtort die Stadt Kyotanabe in der Präfektur Kyoto. Die Präfektur hat für die Evakuierte Notunterkünfte angeboten, so konnte ich dorthin ziehen und arbeite seitdem den ganzen Tag, um meine zwei Kinder zu ernähren, wobei ich mich bemüht habe, nun an diesem neuen Umfeld, so schnell wie möglich anzupassen. Um den Unterschied zwischen dem hiesigen Alltag und dem früheren lebendigen Alltag in Minamisoma für meine Kinder (damals 2. bzw. 5. Klasse) möglichst klein zu halten, habe ich bis jetzt so in Kyoto gelebt.

Den Anlass, ein Erlebnis aufgrund dieser ich hier meine Erfahrungen aufschreibe, möchte ich hier vorstellen :  Meine Teilnahme am „dritten Zusammentreffen der zweiten und dritten Generation nach der Exposition von Atombomben“; Kennenlernen und Solidarität. Diese landesweite Versammlung wurde vom „Kyototer Verein der zweiten und dritten Generation seit der Exposition“ veranstaltet. Die Vereinsmitglieder haben Eltern und/ oder Großeltern, die in Hiroshima oder in Nagasaki von Atombomben verletzt wurden. Der Verein hat das Ziel, die eigene Gesundheit und das Leben zu schützen, den Frieden in der Welt zu verwirklichen und die Abschaffung von Atomwaffen, damit sich solch grausame Katastrophen niemals wiederholen werde. Sie haben uns, den verletzte Menschen der „Katastrophe nach dem Reaktorunglück“, ein außerordentliches Mitgefühl geschenkt.

Am zweiten Tag gab es Workshops und ich habe an einem teilgenommen mit dem Thema: „Gespräch über gesundheitliche Probleme der 2. und 3. Generation und Maßnahmen dagegen“.

Beim Kennenlernen hörte ich etwas über die gesundheitliche Entwicklung seit der Kindheit dieser Teilnehmer und fand viele Gemeinsamkeiten mit meinen Erlebnissen. Ich musste meine  fehlerhaften Bemühungen reflektieren, aber stellte auch viele Gemeinsamkeiten fest:  starkes Nasenbluten seit dem Kleinkindalter; Übelkeit als Kind beim Busfahren; normalerweise fühlt man sich gesund, aber nach dem Sport bekam ich Ekzeme; bei starker Müdigkeit war die Schilddrüse geschwollen; eine Frau hielt erst sowohl eine Heirat als auch einen Kindesgeburt für ausgeschlossen; man hatte totgeborene Geschwister; Finger- und Fußnägeln lösten sich; etc.

Ich habe das Nasenbluten selbst mit zwei anderen Menschen gleichzeitig erlebt, als ich Mitte März 2011 bei einer Notunterkunft in Fukushima war. Nach meiner zweiten Flucht im April nach Kyoto, lösten sich die zwei kleinsten Zehnägel von meinen Füßen, ohne Schmerzen während des Bades, woran ich mich beim Workshop augenblicklich erinnerte. Bei meinen beiden Töchtern war die Sehkraft sofort nach der Flucht stark beeinträchtigt, so dass sie eine Brille brauchten. Bei meiner älteren Tochter verschlechterte sich ein atopisches Ekzem. Als ich die Gartenerde aus Minamisoma nach Kyoto mitbrachte und vor dem Eingang abstellte, um die Radioaktivität zu messen, schwoll das Gesicht meiner Jüngeren an. Ich bekam auch einen Heuschnupfen ähnliche Symptome, wenn ich immer wieder nach Minamisoma fuhr. Heutzutage wird dieses Symptom „radioaktive Allergie“ genannt.

Was ich bei meiner Teilnahme an vielen Veranstaltungen über die gesundheitlichen Schäden im Bezug auf Umweltverschmutzung, über Epidemiologie und weltweite Schäden nach den Unfällen von Atomkraftwerken erfahren habe, brachte mich zu der Schlussfolgerung, dass das genaue Erfassen der gesundheitlichen Schäden der von dem Unglück betroffenen Menschen höchst notwendig ist. Auf dieser Basis soll man die politischen Maßnahmen für die Entschädigungen ohne Wenn und Aber ergreifen, damit das Problem gelöst wird. Ich kam auch zu dem Gedanken, dass niemand mehr Hibakusha wie wir werden soll und dass man für die Zukunft dafür sorgen muss, dass auch Hibakusha einen ruhigen und sicheren Alltag führen können.

Jetzt, 8 Jahre nach der Katastrophe, dokumentiere ich die gesundheitliche Situation meiner beiden Töchtern und mir, und jetzt wird mir allmählich klar, warum die tatsächliche gesundheitliche Situation von Hibakusha nach den Bombenexplosionen bisher kaum veröffentlicht wurde. Man braucht dazu unglaublichen Mut und außerordentliche seelische Vorbereitung, um Leser über den eigenen Körper, besonders die inneren Organe „einfach offen, unverblümt und sachlich“ zu informieren. Trotzdem ist das für mich eine Freude, wenn viele konkrete Daten gesammelt werden, und das dadurch manche Menschen etwas Nützliches finden können, so dass mein Dokument zum Erhalt der Gesundheit der Menschen beitragen kann; und ich möchte verhindern, dass der Reaktorunfall völlig vergessen bzw. ignoriert wird.

 

Vom 13.03. bis 01.04. 2011

- Wenn wir, beide Töchter und die Autorin, in unserer Notunterkunft (Iisaka-machi, Stadt Fukushima) ausgingen, trugen wir immer einen Einmalmundschutz und eine Mütze.

S190 

Die Autorin hatte Beschwerden, die sich anfühlten, wie stets irgendwie betrunken zu sein. Am 15.1. hatte sie Nasenbluten. Ihr Stuhlgang war dauernd zu weich.

Die ältere Tochter nahm am 15.03. 2011 statt Jodtabletten zur Stabilisierung eine kleine Menge Gurgelmittel ein. Mitte März konnte sie eine Woche lang ihren Hals nicht mehr frei drehen (so, als ob sie sich beim Schlafen den Hals verrenkt hätte. Behandlung mit Umschlägen.)

 

Frühsommer vom 2011:

Die ältere Tochter hat an einer Untersuchung der Präfektur Fukushima über „die psychische Gesundheit und Lebensgewohnheit“ teilgenommen. Sie wurde Schlafwanderin und besuchte mehrmals eine Beratungsstelle für Kinder in Kyoto-Süd.

 

Februar 2012

Die ältere Tochter und die Jüngere erhalten medizinische Untersuchungen in Kyoto. Bei Beiden war der ALP-Wert gegenüber dem Normwert mehr als zweifach erhört. (Die alkalische Phosphatase ist ein Enzym. Der Wert ist ein Indikator für die Schädigung von Leber, Knochen, Dünndarm etc.). Bei den weißen Blutkörperchen war der Neutrophiler unter der Norm. Bei der Jüngeren lagen die Werte von Lymphozyten und auch von atypischen Lymphozyten über der Norm.

So wie ihre Töchter vorher erhielt auch die Autorin eine medizinische Untersuchung in Kyoto. Ihre Werte der Gammaglobuline, TTT, ZTT (Leberfunktion) lagen über der Norm.

Hämoglobin, Hämatokrit, MCV, MCH, MCHC (Funktion der roten Blutkörperchen) lagen unter der Norm. Von den weißen Blutkörperchen lagen die Neutrophilen Granulozyten unterhalb der Norm und die atypische Lymphozyten über der Norm.

 

März 2012

Beide Töchter nahmen an einer Gesundheitsuntersuchung für Kinder in der Präfektur Fukushima teil. Die Neutrophilen Granulozyten lagen bei ihnen unter der Norm. Bei der Älteren lagen die Eosinophilen Granulozyten über der Norm, bei der Jüngeren lagen die Neutrophile Granulozyten unter der Norm. Bei Beiden lagen die Lymphozyten über der Norm.

 

Frühsommer 2013

Die Autorin nickte plötzlich während der Fahrt in ihrem PKWs ein und verursachte einen kleinen Blechschaden. Keine Verletzung.

 

S191

Oktober 2013

Die Autorin wurde wegen Divertikulitis für 9 Tagen stationär behandelt. Die Anämie wurde auch behandelt.

 

Dezember 2013

Bei beiden Töchtern und bei der Autorin wurden in der Präfektur Fukushima Radioaktivitätsmessungen durchgeführt.

Eine berechnete radioaktive Menge für ein Kind bzw. für einen Erwachsenen, das oder der in der Tat einmal eine Exposition gehabt hat: Effektive Dosis für die nächsten Lebensdauer (70J. für Kinder, 50J. für Erwachsene); alle drei hatten unter einem 1mSv. Körperoberfläche keine Radioaktivität gezeigt.

Mit der Ganzkörperstrahlenmessung (WBC) wurden sie für 120 Sekunden gemessen. Kein Befund von Cs134 (Messgrenze 150Bq) auch kein Befund von Cs134 (Messgrenze 170Bq)

 

Mai 2014

Die jüngere Tochter hatte ein geschwollenes Gesicht, besonders um die Augenlider. Auch nach der Untersuchung, wegen einer möglichen Allergie, blieb die Ursache unklar.

 

August 2015

Beide Töchter hatten eine Schilddrüsenuntersuchung, die durch die Präfektur Fukushima durchgeführt worden ist. Ergebnis: A2

 

Februar 2016

Der Autorin wurde die Gebärmutter wegen Myome entfernt. Sie war ca. zwei Wochen im Krankenhaus. (Bei ihr war bereits 2010 aus dem gleichen Grund mit Laser ein Gebärmuttermyom operiert worden.)

 

Januar 2017

Beide Töchter hatten eine Schilddrüsenuntersuchung, die durch die Präfektur Fukushima durchgeführt worden ist – Ergebnis: A2

 

September 2017

Bei beiden Töchtern wurden die Schilddrüsen in Kyoto im Auftrag der Präfektur Fukushima untersucht. Ergebnis: A2. Bei der Älteren waren die Eosinophilen Granulozyten über der Norm.

Die Autorin nach der Untersuchung in Kyoto, Ergebnis: Knoten an der Schilddrüse

 

April 2019

Bei beiden Töchtern wurden die Schilddrüsen in Kyoto im Auftrag der Präfektur Fukushima untersucht. Ergebnis: A2. Die Autorin wurde auch untersucht. Ergebnis: Knoten an der Schilddrüse. Weiter unter Beobachtung.

Die Einstufung „A2“ bedeutet, dass die Schilddrüse mit Ultraschall untersucht wurde, und eine oder mehrere Zysten, kleiner als 20mm, oder eine oder mehrere Knoten, kleiner als 5mm aufweist.  (Anmerkung der Übersetzerin nach der Info von der medizinischen Hochschule Fukushima)

 

 

Die Atomkatastrophe von Fukushima und die olympischen Spiele in Tokyo

Eine Einführung in „Die Atomkatastrophe von Fukushima und die Olympischen Spiele in Tokyo" 

Auf die Frage, „wann haben Sie sich für die Abschaffung der Atomkraft entschieden?“, antwortet Koide Hiroaki ohne zu zögern: „am 23. Oktober 1970."

Es war im März 2015, als Koide, der als Assistenzprofessor in der Forschung für Reaktortechnologie an der Universität Kyoto tätig gewesen ist, in den Ruhestand ging. Rechnet man die Vorgeschichte dieser Entscheidung und seiner Aktivitäten seit dem Ruhestand zusammen, so kommen wir auf ein halbes Jahrhundert des Engagements für die Sache, die nukleare Stromerzeugung zu stoppen, ein Eckpfeiler der nationalen Nachkriegspolitik.

Wie kommt es, dass Koide genau dieses Datum nennt, jenes Datum? Zu dieser Zeit war er das dritte Jahr in der Abteilung für Nukleartechnik der Tohoku Universität tätig. In der Jugend war Geologie seine Leidenschaft. Er war der Leiter seines High-School-Clubs, auch in seinem Anschlussjahr, als es üblich gewesen war, jeden freie Minute sich der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen der Universität zu widmen.

Bergpfade zu wandern, die Dinge zu notieren, die Geologen studieren, war der Ausdruck eines Individuums, einer persönlichen Liebe. An der Universität war er entschlossen etwas Positives für die Gesellschaft zu tun. Wie viele Jugendliche mit wissenschaftlicher Ausrichtung widmete sich Koide dem Traum von der „friedlichen Nutzung der Atomenergie".

Bezeichnenderweise waren es nur die ehemaligen kaiserlichen Universitäten, die Programme in Nukleartechnik anboten. Für jemanden, der heißes Wetter hasste, zeigten die einzigen Optionen nach Norden, also in Richtung Hokkaido und Tohoku.

Als die Campusse in der Studentenbewegung 1968/69 explodierten, besuchte Koide seine Vorlesungen und trug noch immer die Studentenuniform – schwarz, geknöpft, mit Stehkragen – bereits von den meisten College-Studenten abgelegt. Bei aller Abneigung gegen die Politik, einer bestimmten Position, die er bis heute vertritt, machte er sich dennoch die Mühe, den Sinn der Studentenbewegung zu verstehen. Sein Fazit: die gesellschaftliche Bedeutung des eigenen Studienbereichs zu verstehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Er fand in der Nähe einen Ort, an dem er diese Anerkennung sofort in die Praxis umsetzen konnte. 1968 beschlossen die Tohoku Elektrizitätswerke, ein Kernkraftwerk in Onagawa, Präfektur Miyagi zu errichten, einem Fischerdorf, das kaum Strom verbrauchte. Warum, wunderten sich Koide und die Dorfbewohner, sollte ein solches Projekt nicht in der Metropole Sendai angesiedelt werden, wo sich auch der Firmensitz befindet?

Er suchte nach der Antwort, die er später als eklatant offensichtlich verstand: Während der von Atomkraftwerken erzeugte Strom für Großstädte wünschenswert war, stellte ihr Betrieb ein zu großes Risiko dar, weshalb man diese lieber in abgelegene Orte verdrängte. (Erinnern Sie sich daran, dass die Atomkraftwerke von Fukushima von Tepco ausschließlich für die Stromversorgung in Tokio dienten.)

Er hörte den Dorfbewohnern zu und stritt mit den Professoren, die die Atomkraft förderten. Der 23. Oktober 1970 war der Tag der ersten großen Versammlung der Allianz, die sich gegen das AKW Onagawa (Onagawa Gempatsu Hantai Kisei Demei) richtete.

Koide begann sein Leben zwischen Sendai, wo sich die Tohoku-Universität befand, und Onagawa aufzuteilen. Er und seine Kameraden gingen durch die Wohnviertel, hingen Flyer auf, sprachen mit einsamen Senioren, sprangen aber auch in die Gruben, die die dort schon gebaggert wurden, um den Bau zu verzögern.

Nach dem es zu Verhaftungen kam, leiteten sie die erste Klage in Japan ein, womit die Sicherheit der Atomkraft in Frage gestellt worden ist.

Koides direkte Verbindung zu Onagawa endete 1974, als er in das Reaktorforschungsinstitut der Universität Kyoto eintrat. Dort hatte er fünf gleichgesinnte Kollegen, die ebenfalls eine kritische Meinung vertraten und somit unter den Leuten als „Kumatori Gang of Six" bekannt waren (Kumatori Rokuningumi). Die „Bande", als Teil der „Viererbande" berufen, Führer der chinesischen Kulturrevolution, die später als „verräterisch" galt und inhaftiert wurde, so wie diese Nuklearwissenschaftler häufig von ihren Kritikern als Verräter ihrer Mission dargestellt werden. „Kumatori" bezieht sich auf den Standort des Instituts in der Präfektur Osaka, der unzugänglich ist und weit von der Universität Kyoto entfernt liegt. Die Aussicht, möglicherweise in der Nähe eines Kernreaktors oder sogar eines Forschungsreaktors leben zu müssen, sorgte für Missfallen in der Gesellschaft.

Die Wissenschaftler haben ihr Fachwissen eingesetzt, um die Gefahren der Kernenergie für die breite Öffentlichkeit verständlich zu machen. Verständlicherweise waren sie unverwechselbar - abgesehen von der akademischen Welt der Beförderungen und verschwenderischen Stipendien. Dennoch hat Koide wiederholt bestritten, unter Druck zu stehen: Seine Spezialität am Institut war die Strahlenmessung. Als Teil der Arbeitsgruppe Nukleare Sicherheit wurde er beauftragt, die Entsorgung radioaktiver Abfälle, einschließlich Abwässer zu überwachen. Solange er seine offiziellen Verpflichtungen verantwortungsvoll erfüllte, war er dazu befugt, die von ihm gewählten Forschungen und Aktivitäten durchzuführen, einschließlich der Anti-Atom-Arbeit mit seinen Kollegen.

Das war deshalb möglich, weil er nicht für die Universität Tokio arbeite, sondern für Kyoto, dessen Schwerpunkt traditionell auf der Grundlagenforschung und dem Respekt des einzelnen Forschers liege. 2015 auf der untersten akademischen Stufe in den Ruhestand zu treten - mit anderen Worten, niemanden unter sich zu haben - passte ebenfalls zu seinen Neigungen. Nach seinem Umzug in die Stadt Matsumoto in der Präfektur Nagano hatte er den Strafplan, den er nach dem 11. März 2011 einhielt, verkürzt, nimmt aber weiterhin an Aktivitäten teil, zu denen er seiner Meinung nach einen Beitrag leisten kann, hauptsächlich in Form von Vorträgen und Publikationen.

Als kriegsfeindlicher Bürger steht er jeden dritten Tag vor dem Matsumoto Bahnhof und trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Wir sagen Nein zu Abes Politik!“ (Abe seiji o yurusanai).

Es liegt auf der Hand, dass Koide gebeten werden sollte, sich mit der Frage der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo zu befassen. In seiner Rede in Buenos Aires am 07. September 2013, zwei Jahre und vier Monate nach Beginn der Katastrophe in Fukushima, erklärte Premierminister Abe gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee, dass die Situation „unter Kontrolle“ sei und dass der Unfall in Fukushima „niemals so stattgefunden habe und Tokyo niemals einen Schaden zugefügt hätte“. Abes Aussage war entscheidend, um die Spiele zum ersten Mal seit 1964 nach Tokyo zu bringen, obwohl seine Ausführungen in einer anschließenden Pressekonferenz, dass kontaminiertes Wasser auf die 0,3 Quadratkilometer des Hafenbeckens beschränkt wären, für niemand anderen als Tepco Bestürzung hervorriefen: Es hatte erst vor kurzem, Ende August, Lecks in den Tanks gegeben. Ein „Schlickzaun“, so schien es mir zu erklären, konnte das kontaminierte Wasser im Hafen nicht so wirklich zurückhalten.

Abgesehen von solchen Unstimmigkeiten könnten wir über Prognosen nachdenken, wonach die Olympischen Spiele 2020 - Paralympics - 3 Billionen Yen (ungefähr 26,4 Milliarden USD) kosten könnten, ein Vielfaches des ursprünglichen Budgets für die versprochenen „kompaktesten Olympischen Spiele" aller Zeiten.

Die Spiele werden ständig als „Erholungsolympiade" (fukkō gorin) angepriesen.

Es ist nicht schwer, Wege zu finden, wie diese Gelder zum Nutzen der gesamten von der Dreifachkatastrophe betroffenen Region und insbesondere der Opfer der anhaltenden Atomkatastrophe verwendet werden könnten. Ein Teil des olympischen Budgets hätte eine bescheidene Unterstützung bei der Unterbringung von Evakuierten, obligatorisch sein sollen, bzw. für die „freiwillig" Geflüchteten. Stattdessen wurden die stark eingeschränkten, willkürlich festgelegten Evakuierungszonen rücksichtslos für die Rückkehr evakuierter Bürger geöffnet, obwohl in weiten Teilen der Region besorgniserregende Bedingungen herrschen.

Das J-Village-Sportzentrum, das als Stützpunkt für die Katastrophenhelfer diente, in dem sie schliefen, Schutzkleidung anhatten und untersucht wurden, soll zum Trainingsort für die Fußballnationalmannschaft werden, mit der Hoffnung, dass andere diesem Beispiel folgen. Es wurde sogar als Ausgangspunkt für den olympischen Fackellauf vorgeschlagen. Ein Baseball- und sechs Softballspiele sollen in Fukushima City ausgetragen werden. 

In der Zwischenzeit haben französische Staatsanwälte den Vorsitzenden des japanischen Olympischen Komitees wegen Korruptionsvorwürfen im Bieterverfahren angeklagt. Ein mit politischen Entscheidungsträgern einflussreicher Atomphysiker hat die Gefährdung der Bürger um den Faktor drei „unterschätzt“.

Dr. Shinichi Yamashita, Gesundheitsberater der Präfektur Fukushima, der zehn Tage nach der Katastrophe den Menschen in Fukushima versicherte, dass sie sich keine Sorgen machen bräuchten, dass die Strahlen jenen Menschen, die stets lächeln, nichts anhaben würden, teilte den Experten aber gleichzeitig mit, dass er der Meinung sei, dass es bezüglich einer Schilddrüsenkrebserkrankung im Kindesalter durchaus einen Grund zur Besorgnis geben würde.

Im April 2011 teilte Dr. Makoto Akashi, der damalige Direktor des Nationalen Instituts für radiologische Wissenschaften (NIRS) der Regierung mit, dass aufgrund des nicht vorhandenen Risikos keine epidemiologischen Studien im Hinblick auf Schilddrüsenkrebs durchgeführt werden müssten. Mit anderen Worten: es gibt erste Anzeichen dafür, dass die zuständigen Behörden seit den frühesten Tagen der Katastrophe konzertierte Anstrengungen unternommen haben, um nicht nur die Möglichkeit von Gesundheitsschäden durch Expositionen zu leugnen, sondern die Entstehung von potenziellen Unannehmlichkeiten zu verhindern oder zumindest zu minimieren.

Wie die Medizinjournalistin Hiroko Aihara mit nicht geringer Ironie bemerkt, "werden die Olympischen Spiele in Tokyo sicherlich eine großartige Gelegenheit sein, um die „Erholung“ von der Katastrophe zu demonstrieren, aber auch der internationalen Gemeinschaft die wahren Folgen der von Menschen verursachten Katastrophe aufzuzeigen.

Aus der nationalen Atompolitik: die Auferlegung langfristiger Evakuierung und Opferbereitschaft der Anwohner. „Sollten ausländische Besucher das Potemkin Village, das die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo sein werden, nicht durchschauen, werden sie nicht von den schwerwiegenden Folgen ihrer Teilnahme befreit“, die Koide Hiroaki im folgenden Schrieb dargelegt hat: „Die Olympischen Spiele in Tokyo werden an einem Ort, der sich in einen nuklearen Ausnahmezustand ist, stattfinden. Diese Länder und die Menschen, die daran teilnehmen, riskieren einerseits selbst sich einer Gefährdung auszusetzen und werden andererseits zu Komplizen für die Verbrechen dieser Nation. “

Weitere Info

Artikel der The Asia-Pacific Journal

 

Offener Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC)

03.10.2013

http://kariyatetsu.com/blog/1611.php

(überarbeitete Version)

Am 7. September haben die Mitglieder Ihres Ausschusses beschlossen, dass in Tokyo die Olympischen Spiele 2020 stattfinden werden. Es wird gesagt, dass die Rede des japanischen Premierministers Shinzo Abe eine entscheidende Rolle in Ihrem Entscheidungsprozess gespielt hat. In seiner Rede sagte Herr Abe: „Einige haben möglicherweise Bedenken bezüglich Fukushima. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass die Situation unter Kontrolle ist. Es hat Tokyo nie geschadet und wird es auch nie schaden.“

Alles, was Herr Abe Ihnen in Bezug auf die Sicherheit des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi gesagt hat, ist eine beschämende Lüge. Ich werde sie hier einzeln überprüfen und Ihnen zeigen, wie bösartig er und seine Lügen sind.

1) In der Beantwortung der gestellten Fragen sagte Abe: „Das kontaminierte radioaktive Wasser wurde auf einer Fläche von 0,3 km² im Hafen des Werks Fukushima Daiichi vollständig blockiert“. Dies ist ein absoluter Unsinn, den selbst ein Sechsjähriger durchschauen könnte. Wie sollte es einen so seltsamen Hafen geben, der vom Rest des Meeres „völlig abgeschottet“ werden kann?

Das folgende Foto des japanischen Ministeriums für Land, Infrastruktur und Verkehr zeigt deutlich die Absurdität von Herrn Abes Kommentar. Der Hafen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi ist nämlich zum Ozean hin offen! So wie jedes Schiff frei ein- und ausfahren kann, kann auch das kontaminierte Wasser ungehindert in den Ozean gelangen. Darüber hinaus hatten die Tokyo Elektrizitätswerke (TEPCO) 18 Tage vor der Rede von Herrn Abe am 21. August 2013 eine Ankündigung abgegeben, die den Vorstellungen von Herrn Abe widerspricht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass hochradioaktives Wasser, das sich nach dem Unfall vom 11. März 2011 in den unterirdischen Verbindungsgängen der Reaktorblöcke 2 und 3 angesammelt hatte, direkt ins Meer gelangt ist.

TEPCO schätzt, dass die Menge an radioaktivem Material, das ins Meer gelangt ist, 1 × 10 ^ 13 Becquerel (Bq) von Strontium-90 und 2 × 10 ^ 13 Bq Cäsium-137 beträgt. Dies ergibt 3 × 10 ^ 13 Bq. Die Meeresemissionsnorm für Kernkraftwerke unter normalen Betriebsbedingungen beträgt 2,2 × 10 ^ 11 Bq. Seit März 2011 ist die Menge an kontaminiertem Wasser, die in den Ozean geflossen ist, 100 Mal höher als der Standard, und die Leckage hält immer noch an.

2)Herr Abe sagte: „Lassen Sie mich Ihnen versichern, die Situation ist unter Kontrolle." Die Fakten zeigen, dass die Situation alles andere als „unter Kontrolle“ ist.

a) Am 24. September 2012 gab TEPCO bekannt, dass die stündliche Emission radioaktiver Stoffe 1 × 10 ^ 7 Bq beträgt, was 2,4 × 10 ^ 8 Bq pro Tag entspricht. Diese Emission hält bis heute an - eine Situation, die man kaum als „unter Kontrolle“ bezeichnen kann.

b) Bis Ende August 2013 hat TEPCO ca. 1000 Tanks aufgestellt, um das stark kontaminierte Wasser vor Ort, also am AKW Fukushima Daiichi zu lagern. Die Tanks (1000 m³ Fassungsvermögen) bestehen aus zusammengesteckte Edelstahlplatten, die mit Bolzen befestigt werden, anstatt das diese ordnungsgemäß geschweißt zu werden.

Der Manager des Herstellers der Tanks hat dies so kommentiert: „TEPCO hat uns nur ein begrenztes Budget zur Verfügung gestellt, sodass wir die Tanks innerhalb kürzester Zeit aufstellen mussten, um die Produktionskosten zu minimieren. Diese Tanks sind nicht für die Langzeitlagerung ausgelegt.“ (25. August 2013, Mainichi Shimbun)

Tatsächlich wird die Lebensdauer der Tanks auf höchstens 3 Jahre geschätzt. Sie sind eine vorübergehende und eine provisorische „Lösung“ für ein langfristiges Problem.

Am 20. August 2013 gab TEPCO zu, dass 300t kontaminiertes Wasser aus einem der Tanks ausgelaufen sind und 2,4 × 10 ^ 13 Bq radioaktives Material freigesetzt haben (1 l kontaminiertes Wasser enthält 8 × 10 ^ 7 Bq).

Laut Hiroaki Koide von der Universität Kyoto ist dies fast die gleiche Menge an radioaktivem Material, die von der US-Atombombe freigesetzt wurde, die 1945 über Hiroshima gezündet wurde.

Dies bedeutet, dass jeder der Speichertanks mehr als die dreifache Menge an radioaktivem Material enthält als eine Atombombe der Hiroshima-Klasse.

Diese Tanks sind zerbrechlich und der Boden am AKW Fukushima Daiichi ist geologisch instabil. Und die Tanks werden ohne festes Fundament auf den Boden gestellt. Große Erdbeben oder Taifune können diese Tanks leicht beschädigen.

Selbst wenn auch nur ein paar dieser Tanks beschädigt werden und ihr Inhalt ausläuft, kann niemand mehr das Gelände am AKW Fukushima Daiichi betreten.

Infolgedessen wird die weiterhin zwingend nötige Kühlung der Kernreaktoren unterbrochen, so dass alle Reaktoren unkontrollierbar werden.

Das Ergebnis wird eine Katastrophe sein - nicht nur für Japan, sondern für die ganze Welt!

Ich übertreibe nicht, ich antizipiere einfach. Meine Erwartung basiert auf verfügbaren Informationen und der Realität der Situation. Die Anzahl dieser Tanks wird weiter zunehmen.

TEPCO muss ständig Meerwasser einfüllen, um den Kernreaktor zu kühlen, und dabei das Wasser verunreinigen. Da die Dekontaminationsanlage beschädigt und außer Betrieb ist, ist alle zweieinhalb Tage ein neuer Tank zur Speicherung des kontaminierten Kühlwassers erforderlich. Unter diesen Umständen kann man nicht davon reden, dass die Situation unter Kontrolle sei!

3) Herr Abe sagte: „Das AKW Fukushima Daiichi hat Tokyo niemals Schaden zugefügt und wird es auch niemals tun."

a) Der Edo ist ein Fluss in Tokyo („Edo“ ist auch das alte Wort für „Tokio“), der die Grenze zwischen den Präfekturen Tokyo und Chiba bildet. Er ist ein wichtiger Fluss, der sowohl Tokyo als auch das benachbarte Chiba mit Trinkwasser versorgt. In diesem Fluss vollziehen sich störende Veränderungen.

Analysen des Edos, die vom Umweltministerium zwischen September und November 2012 durchgeführt wurden, ergaben, dass 1kg Sediment aus dem Flussbett mehr als 100Bq radioaktives Material enthielt. Der höchste Wert stammte aus dem Gebiet der Urayasu-Brücke mit 2050Bq / kg (Gesamtsumme an radioaktivem Jod-131, Cäsium-134 und 137). Die Urayasu-Brücke ist nur 10 km von der Wasseraufbereitungsanlage in Kanamachi entfernt, wo Wasser aus dem Fluss Edo entnommen wird.

Nach ihren Erkenntnissen erklärte das Umweltministerium: „Das Wasser wird aus dem oberen Teil des Flusses entnommen und das Wasser selbst schützt das Sediment im Flussbett vor der Strahlung, daher sollte es keinen Einfluss geben.“ Aber würde sich das nicht ändern, wenn das Flussbett von heftigen Regenfällen oder Taifunen aufgewühlt würde?

b) Am 7. September 2013, genau an dem Tag, an dem Herr Abe behauptete, Tokyo werde durch die Freisetzung radioaktiver Stoffe nicht geschädigt, gab die Präfektur Chiba bekannt, dass ein im Edo gefangener Aal eine radioaktive Dosis von 140 Bq / kg enthielt.

Vor diesem Hintergrund forderte die Präfektur Chiba drei Fischereigenossenschaften auf, ihren Fang nicht in den Handel zu bringen. Der Aal aus dem Edo wird von Gourmets in Tokyo hochgeschätzt.

Es ist eine bedauerliche Situation, wenn der Fluss von Tokyo, der Edo, sich bereits in einem solchen Zustand befindet. Wie kann man dann nur sagen, dass es Tokyo niemals Schaden zugefügt hätte und auch niemals schaden wird?

c) Betroffen ist nicht nur die Wasserstraße. In der Stadtverwaltung von Edogawa, dem östlichen Teil von Tokyo, werden in der Luft vieler Orte Strahlenwerte von mehr als 0,2 μSv / h (Mikrosievert / h), oder mehr als 0,3 μSv / h registriert.

Insbesondere in der Umgebung der Kanamachi-Wasseraufbereitungsanlage liegt der Strahlungspegel über 0,45 μSv / h.

(http://www.radioisotope.jp/map/)

Der vom ICRP (Internationale Strahlenschutzkommission) festgelegte Sicherheitsstandard beträgt 0,23 μSv /h, bzw. 1 mSv /a.

Der Kommentar von Herrn Abe ist völlig falsch - Tokyo ist bereits geschädigt.

4) Herr Abe sagte: „Fukushima ist überhaupt kein Problem, die Kontamination war auf ein kleines Gebiet beschränkt und wurde vollständig bereinigt."

a) Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Unten finden Sie „Die Karte der Kontamination" von Professor Yukio Hayakawa von der Universität Gunma.

http://kipuka.blog70.fc2.com

Die Kontamination war NICHT auf ein kleines Gebiet beschränkt, sondern breitete sich weit aus.

Die Karte zeigt, dass die Strahlung in Luft von Tokyo im September 2011 bei 0,125 μSv / h lag. Vor dem Unfall von Fukushima betrug diese in Tokio nur etwa 0,02 μSv / h. Tokio ist kontaminiert.

b) Es gibt einen Bericht, an dem Sie, die Mitglieder des IOC, interessiert wären.

Dieser Bericht wurde von einer Gruppe von Bürgern zusammengestellt, die die in der Luft gemessenen Strahlung an den vorgeschlagenen Orten der Olympischen Spiele gemessen haben.

http://olympicsokuteikai.web.fc2.com/ (Verfügbar auch in Englisch und Französisch)

Im Yumenoshima-Stadion, dem vorgeschlagenen Reitsportgelände, betrug die Strahlung in der Luft 0,48 μSv /h, also mehr als das Vierfache des von ICRP festgelegten Sicherheitsstandards. oder 0,114 μSv / h.)

Darüber hinaus verzeichneten alle vorgeschlagenen Standorte für Handball, Radfahren und Gewichtheben 0,15 μSv /h. Dieser Wert übersteigt den von ICRP festgelegten kumulativen jährlichen Sicherheitsstandard von 1 mSv /a. Sie können Tokyo nicht als kontaminationsfrei bezeichnen.

5) Herr Abe sagte: „Es gibt bis jetzt keine gesundheitlichen Probleme und es wird auch in Zukunft keine geben“ ... Ich gebe die Erklärung auf die nachdrücklichste und eindeutigste Weise an Sie ab.

a) Die Küste von Fukushima ist eines der reichsten Meere mit Meeresprodukten, die sowohl reichlich als auch von hoher Qualität sind. Viele bestritten ihren Lebensunterhalt durch die Fischerei in der Region.

Dies änderte sich schlagartig nach dem Unfall von Fukushima Daiichi. Da die Fische in der Region jetzt mit radioaktivem Material kontaminiert sind, hat die Fischereiagentur allen Fischereigenossenschaften eine freiwillige Beschränkung auferlegt. Tatsächlich ist das Fischen in Fukushima mittlerweile verboten.

http://www.jfa.maff.go.jp/j/koho/saigai/pdf/130311_torikumigyanjyou_jp.pdf

b) Fukushima ist auch ein bedeutender Reisproduzent in Japan. Im Jahr 2011, nach dem Reaktorunfall, wurde in Reis aus einigen Gebieten von Fukushima eine radioaktive Kontamination festgestellt. Seitdem halten sich die Verbraucher von Fukushima-Reis fern.

Nach dem Unfall von Fukushima verbot die Regierung den Anbau von Reis auf 7300 ha Reisfeldern im Umkreis von 20 km um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. (Vor dem Unfall bauten sie Reis auf 80 000 ha Reisfeldern an.) In diesem Jahr erlaubte die Regierung den Anbau von Reis auf 2000 ha Reisfeldern in den einst verbotenen Gebieten. Allerdings wurden nur 10% dieser Reisfelder tatsächlich genutzt.

Die Befürchtung und das Zögern der Verbraucher, landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Fukushima zu kaufen, beschränkt sich nicht nur auf Reis, sondern erstreckt sich auf alle Erzeugnisse, einschließlich ökologisch erzeugter Waren und Milchprodukte. Was nützen biologisch angebaute Lebensmittel, wenn sie radioaktiv kontaminiert sind?

Fischer, Landwirte und alle, die in diesen Branchen tätig sind, sind mit einer Krise konfrontiert. Ihre Industrie ist gelähmt und ihr Lebensunterhalt wurde gestrichen. Grund für die Misere ist die Tatsache, dass Lebensmittel, die mit radioaktiven Stoffen kontaminiert sind, gesundheitsschädlich sind. Dies ist in der Tat ein gesundheitliches Problem.

Fazit: Es gibt keine Wahrheit in der Rede von Herrn Abe auf der IOC-Generalversammlung - sie ist nichts anderes als eine Lüge!

Am 8. September 2013 berichtete die Tageszeitung „Asahi“ folgendes: „Laut IOC-Mitgliedern waren die Antworten von Abe von entscheidender Bedeutung und trugen dazu bei, Zweifel auszuräumen“. „Die Leute wollten es hören und mussten es hören“, sagte das kanadische Mitglied Dick Pound. „Und er hat es geschafft. Ich denke, das war eine echte KO-Antwort. “

Tokyo gewann die Austragungsrechte der Olympischen Spiele 2020 mit 60 Stimmen für Tokyo gegen 36 Stimmen für Istanbul. Dies bedeutet, dass 60 Mitglieder des IOC der obigen Meinung des kanadischen Mitglieds Dick Pound zustimmen.

Ich möchte diese 60 Mitglieder um Folgendes bitten:

Wussten Sie nicht von der kritischen Situation des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi?

Wenn nicht, dann handeln Sie extrem verantwortungslos und fahrlässig. Als Mitglieder des IOC sind Sie verpflichtet, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die wichtigsten und schwerwiegendsten Probleme der Kandidatenstädte zu kennen: die kritische Situation am AKW Fukushima Daiichi, die sich auf die Sicherheit der Athleten und der Zuschauer auswirkt, die von überall aus der Welt nach Tokyo kommen.

Wenn Sie sich darüber bewusst waren und dennoch für Tokyo gestimmt haben, nehmen Sie wissentlich in Kauf, die Sicherheit von Millionen Menschen zu gefährden. Sie sind alle Komplizen von Herrn Abe, die die Welt direkt belogen haben.

Das Verbrechen der Nachlässigkeit und Verantwortungslosigkeit.

Das Verbrechen der Mitschuld an Shinzo Abes Lügen.

Kariya Tetsu

 

Auch für die Deutschen ist die Olympia 2020 Tokyo eine radioaktive Olympia

Shinobu Katsuragi

Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, am 26. April 1986, entstand in Deutschland eine bundesweite Anti-AKW-Bewegung. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima gab den Rest und die jetzige Merkel-Regierung beschloss den Atomausstieg Deutschlands für 2022. Daher sind in Deutschland nicht wenige, die nicht denken, dass Fukushima ganz weit weg passiert sei, im Gegenteil haben sie tiefes Mitleid und Sorge mit den Betroffenen in den kontaminierten Regionen. In diesem Kapitel möchte ich Beiträge von zwei Deutschen vorstellen, die sich für Tschernobyl und Fukushima stark machen und jedes Jahr Zeitzeugen/Zeitzeuginnen aus den betroffenen Gebieten nach Deutschland einladen. Durch den lebendigen Austausch mit den Zeitzeugen/Zeitzeuginnen wollen die beiden den deutschen Bürger*innen Möglichkeit geben, zu erfahren, wie die tatsächliche Situation vor Ort aussieht.

 

Gabriella SchultzeTschernobyl-Kinder e.V.

Seit vielen Jahren leite ich den Verein Tschernobyl-Kinder e.V., einen Verein, der wie viele andere nach der Katastrophe in Tschernobyl entstanden ist, um Kindern die Möglichkeit der Erholung zu geben.

Diese drei Wochen, so haben Untersuchungen gezeigt, haben den Kindern geholfen, ihr Immunsystem zu stärken. Viele Kinder kamen zu uns nach Brandenburg, erholten sich, lernten uns und unsere Familien kennen, gewannen Freunde. Nach drei Wochen fiel uns der Abschied immer schwer. Die Gastkinder weinten am Bus, die Gasteltern nahmen die Kinder in den Arm, sie waren uns ans Herz gewachsen.

Ab und zu machten wir uns auf den Weg nach Belarus in die Gomeler Region. Wir, das waren immer die Erwachsenen. Und wenn wir in die Partnerschule kamen und unsere Gastkinder wiedersahen, dann stellten sie die Frage nach ihren Freunden aus Deutschland. Warum kommen sie uns nicht besuchen?

Es war immer klar, dass wir unsere Kinder nicht mitnehmen auf die Reise in die Region, aus der wir Kinder einladen, um sich zu erholen. Das wäre ein Widerspruch in unsere Arbeit.

Dann fuhren wir nach Fukushima und waren erschrocken, dass die Möglichkeiten, Kindern eine Erholung in einer nicht verstrahlten Region zu ermöglichen, so schwierig sind. Hier werden die Kinder nicht geschützt. Sie wohnen nahe am AKW in der noch immer verstrahlten Region, gehen in die Schulen und in den Kindergärten.

Um Tschernobyl gibt es eine Sperrzone, in der niemand offiziell wohnen darf. Hier fährt man nicht hin, um aus dem Garten die Äpfel zu essen oder Gemüse auf der Datscha anzubauen. Doch in Fukushima um das Kernkraftwerk Daiichi ziehen die Menschen in ihre alten Häuser und leben jeden Tag mit der Gefahr.

Und die Weltbevölkerung wird einer Olympiade zusehen, die auch teilweise in Fukushima ausgetragen wird. Für mich ist das unverständlich.

 

Martin Kastranek (Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein)

Tschernobyl und Fukushima waren Reaktorkatastrophen mit bis heute immer noch unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt. Menschen verloren Ihre Heimat oder müssen mit der Situation leben in einer verstrahlten Welt. 2020 soll sich die Jugend der Welt in Japan zu den Olympischen Spielen treffen. In Fukushima wird der Fackellauf beginnen und es werden in der Stadt Wettkämpfe stattfinden. TEPCO und die japanische Regierung wollen der Weltöffentlichkeit vermitteln, dass alles wieder in Ordnung sei. Das andere Bild ist: Weiterhin gibt es über 50.000 Strahlungsflüchtige in Japan, Menschen werden genötigt in das weiterhin verstrahlte Gebiet zurück zu ziehen, die kontaminierte Erde wird in Säcken auf LKWs durch die Präfektur Fukushima gefahren, ohne ein Endlagerkonzept, Messstellen werden abgebaut...

Um auf diese „radioaktive Olympiade“ aufmerksam zu machen, wird die Heinrich Böll Stiftung, Schleswig-Holstein, gemeinsam mit Kooperationspartner*innen eine Aktionswoche 2020 in Fukushima und Tokio durchführen. Anlässlich dieser Weltspiele 2020 in Tokio, soll auch die Weltöffentlichkeit erfahren, dass es nach dem GAU eines Atomkraftwerkes keine Normalität in dieser Region geben wird.

Interessierte Einzelpersonen oder NGO`s können sich bei der Heinrich Böll Stiftung, Schleswig-Holstein melden. (m.kastranek@ifd-kiel.de)

 

Weitere Informationen und Quellen:

Das Buch ,,Gefahren durch die Olympischen Spiele in Tokyo: die noch vorhandene Radioaktivität und gesundheitliche Schäden vor Ort", mit dem Originaltitel 東京五輪がもたらす危険─いまそこにある放射能と健康被害─ ist hier erhältlich.