Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

09.05.2021

AKW Fukushima, Reaktor 1, erneut sinkender Wasserstand

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kämpft der Betreiber Tepco mit erneut aufgetretenen, bzw. weiterhin bestehenden Problemen, den Kühlwasserstand im Reaktor 1 zu halten. Somit musste nun die Menge des einzuspeisenden Kühlwassers von 3 auf 4m³/h erhöht werden. Auch wenn die Reaktorkatastrophe mit dreifacher Kernschmelze schon 10 Jahre zurück liegt, müssen die geschmolzenen Brennelemente weiterhin aktiv gekühlt werden.

Der Wasserstand im Reaktor 1 sei am 07.05.2021 auf 92cm gesunken, worauf die Menge der Frischwasserzufuhr erhöht worden ist. „Es sei sehr schwierig, den Wasserstand laufend zu kontrollieren“, so der Betreiber Tepco. „Es habe jedoch zu keiner Zeit eine Gefahr einer erneuten Kritikalität bestanden. Eine ausreichende Kühlung werde trotz der schwierigen Umstände stets gewährleistet“, so Tepco weiter.

Durch das stärkere Erdbeben vom 13.02.2021 (antiatom-fuku berichtete), haben sich weitere, bzw. größere Risse an den bereits beschädigten Reaktoren gebildet, so dass schon damals der Wasserstand absank und die Frischwasserzufuhr, zumindest vorübergehend erhöht werden musste.

 

06.05.2021

Umfrage zum AKW Sendai: knapp 60% für die Abschaltung

Nach einer aktuellen Umfrage der Tageszeitung Minaminihon Shinbun, sprechen sich 59,7% der Befragten gegen eine möglichen Laufzeitverlängerung der beiden alternden Reaktoren am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima aus. Begründet wird die Ablehnung vor allem mit der zunehmenden Störanfälligkeit alternden Reaktoren. Stattdessen solle lieber der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden, so 47,9% der Befragten, die sich gegen eine Laufzeitverlängerung aussprechen. 35,4% der Befragten wären mit dem Weiterbetrieb der alternden Reaktoren einverstanden. Die übrigen 4,9% konnten sich nicht festlegen.

Im Vergleich zur vorherigen Umfrage im vergangenen Jahr, ist nun die Anzahl derer, die die baldige Stilllegung der Anlage befürworten um mehrere Prozentpunkte gestiegen.

Beide Reaktoren erreichen in den nächsten Jahren die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren, so dass diese endgültig stillgelegt werden müssen, wenn bei der Atomaufsichtsbehörde NRA keine Laufzeitverlängerung beantragt wird. Der Reaktor 1 erreicht im Juli 2024 und Reaktor 2 im November 2025 die 40 Betriebsjahre. Nach einer den NRA-Vorgaben entsprechenden Nachrüstung wäre eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre möglich. Die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke wollen in der nächsten Zeit prüfen, in wie weit sich eine Nachrüstung beider Reaktoren wirtschaftlich lohnt, bevor diese dann bei der NRA betragt wird. Interesse daran habe man auf jedem Fall, so der Firmenchef der Kyushu Elektrizitätswerke auf einer Konferenz von Ende April.  

 

01.05.2021

Präfektur Fukui genehmigt Wiederinbetriebnahme dreier Altreaktoren

Der Gouverneur der Präfektur Fukui Sugimoto erteilte in dieser Woche die Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme der drei Aktreaktoren Mihama 3, Takahama 1 und 2. Hier bei handelt es sich um Altreaktoren, die eigentlich die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht haben, aber durch die Atomaufsichtsbehörde NRA eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten haben. Vorausgesetzt wurde eine technische Nachrüstung, sowie die Erbringung der gesetzlich vorgeschriebenen Terrorschutzmaßnahmen innerhalb einer bestimmten Frist.

Die Nachbesserungsarbeiten liegen jedoch zum Teil deutlich hinter dem Zeitplan, so dass die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke die drei Reaktoren nicht wie geplant Anfang des Jahres ans Netz nehmen konnte. Zudem wurden noch einige Reparaturen nötig, wodurch sich die Termine ebenfalls verschoben wurden (antiatom-fuku berichtete).

Aktuellen Plänen der Kansai Elektrizitätswerke zufolge soll der Reaktor 3 am AKW Mihama Ende Mai, bzw. Anfang Juni wieder hochgefahren werden. Die Nachrüstung für Reaktor 1 am Takahama dauert länger, als vorhergesehen, so dass die finale Frist bis zum 09.06.2021 nicht eingehalten werden kann (antiatom-fuku berichtete), und der Reaktor trotz der Genehmigung der Präfekturverwaltung nicht hochgefahren werden darf. Am Reaktor 2 (AKW Takahama) sind die Nachbesserungen zwar schon abgeschlossen, allerdings ist auch hier die Wiederinbetriebnahme noch nicht terminiert, so dass Mihama 3 voraussichtlich der landesweit erste Altreaktor sein wird, der wieder hochgefahren wird.

Nicht nur die Tatsache, dass alle drei Altreaktoren seit etwa 10 Jahren außer Betrieb sind, sondern auch Bedenken bezüglich der Sicherheit alternder Kernkraftwerke generell und die Wirksamkeit von Evakuierungsplänen im Falle eines Unfalls, der sich auf benachbarte Kommunalverwaltungen erstreckt, kritisieren unabhängige Experten die Genehmigte Wiederinbetriebnahme aufs Schärfte. Zu dem ist das Problem bezüglich der Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente aus den nahezu vollen Abklingbecken der übrigen von den Kansai Elektrizitätswerken betriebenen Reaktoren immer noch nicht gelöst. Hier wurde der Transport in ein neues Zwischenlager in Mutsu, Präfektur Aomori in Nordjapan angestrebt. Der dortige Bürgermeister lehnt dies jedoch strikt ab. Die Regierung unter Yoshihide Suga hingegen, propagieren die Kernenergie weiterhin als „klimafreundliche Alternative“ zur reichlich CO2 emittierenden Kohleenergie und führt dazu auch „Vergleichsstudien“ an. „Man wolle bis 2050 klimaneutral werden, wozu man die Kernenergie jedoch benötige“, so die Propaganda der Regierung. Allerdings wurde in dieser Studie das Jahr „2013“ als Indikatorjahr genommen (siehe dazu auch den Bericht von Mai 2015 in der Rubrik „Energiepolitik seit Fukushima“, der nach wie vor sehr aktuell ist), als sämtliche AKWs vom Netz waren und viele Kohlekraftwerke liefen, weil die erneuerbaren Energien noch nicht soweit wie heute ausgebaut waren. Um die Kernenergie wieder voran zu bringen, hat die Regierung die Nachrüstung der drei Altreaktoren sogar finanziell kräftig unterstützt. 

 

25.04.2021

Altreaktoren Takahama 1 und 2, Frist für Terrorschutznachbesserungen kann nicht eingehalten werden

Wie die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke Ende dieser Woche bekannt gaben, werden die Terrorschutznachbesserungen am AKW Takahama, Präfektur Fukui noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so dass die Frist, die am 09.06.2021 ausläuft, nicht eingehalten werden kann. „Die Bauarbeiten sein umfangreicher als erwartet“, so ein Sprecher der Kansai Elektrizitätswerke auf einer Konferenz am 22.04.2021.

Die Fertigstellung der geforderten Nachbesserungen ist jedoch Voraussetzung für die Freigabe zur Wiederinbetriebnahme beider Altreaktoren, für die die Atomaufsichtsbehörde NRA 2016, jedoch unter Vorbehalt eine 20jährige Laufzeitverlängerung zusicherte. Unter den nun gegebenen Umständen dürfen die beiden Reaktoren trotz der Genehmigung des Präfekturgouverneurs Sugimoto, die in der kommenden Woche erfolgen soll, nicht hochgefahren werden.

Der Reaktor 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui, ebenfalls ein Altreaktor mit 20jähriger Laufzeitverlängerung, soll ebenfalls in der kommenden Woche die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme erhalten.

Nach ursprünglichen Plänen der Kansai Elektrizitätswerke sollten alle drei Altreaktoren eigentlich schon Anfang des Jahres wieder ans Netz gehen.

 

21.04.2021

AKW Fukushima, Fahrlässigkeit nach Bedienerfehler eines Ventils

Nach einer fehlerhaften Bedienung eines Ventils, hat eine Pumpe, die radioaktives Grundwasser abpumpt, dass sich mehreren Bohrlöchern rund um die Reaktoren 1 bis 4 am havarierten AKW Fukushima Daiichi ansammelt, gestoppt. Wie sich herausstellte, hatten die Mitarbeiter nicht nur das Ventil fehlerhaft bedient, sondern auch die Angaben im Bedienerhandbuch missachtet, so der Betreiber Tepco. Es sei jedoch kein radioaktiv kontaminiertes Wasser ausgetreten, als die besagte Pumpe stillstand, so Tepco weiter.

Da derselbe Fehler auch an der Dekontaminierungsanlage „ALPS“ leicht passieren kann, hat Tepco seine zuständigen Mitarbeiter nun angewiesen, die im Bedienerhandbuch beschriebenen Anweisungen gründlich zu überprüfen und zu verinnerlichen.

 

14.04.2021

AKW Fukushima, hochradioaktives Wasserproblem: verharmlosendes Gehirnwäschevideo gestoppt

Die Behörde für Wiederaufbau (Behörde für die Koordinierung des Wiederaufbaus nach dem großen Tohoku-Erdbeben von 2011) hatte bezugnehmend auf die von der Regierung gestern beschlossene Einleitung des hochradioaktiven Wassers ins Meer (antiatom-fuku berichtete), ein verharmlosendes Zeichentrickvideo auf ihre Homepage eingestellt. Das in niedlicher Form illustrierte Zeichentrickvideo „erklärt“ in einer leicht verständlichen Form, wie mit dem hochradioaktiven Wasser (zu 70% aus Tritium bestehend), dass am havariertem AKW Fukushima Daiichi lagert, umgegangen werden soll, da man es dort nicht weiter lagern könne. Die „zündende Idee“ lautet „fraktionierte Einleitung ins Meer, und alle Probleme sind gelöst“, so der Eindruck, der im Video vermittelt werden soll. Da das ins Meer eingeleitete Tritium stark verdünnt wird, stelle es auch keine gesundheitliche Gefahr dar.

Es dauerte nicht lange, da hagelte es heftige Kritik im Internet. Nicht nur besorgte Bürger und Umweltverbände erhoben ihre Stimmen, auch unabhängige Experten übten Druck aus, so dass die Behörde das Video heute wieder von der Homepage entfernte. Die Verbreitung von „Aufklärungsflyern“, die in großer Zahl gedruckt worden sind, wurden ebenfalls gestoppt. „Man wolle das Video nun überarbeiten“, so ein Sprecher der Wiederaufbaubehörde.

 

13.04.2021

Offizieller Beschluss der Regierung: hochradioaktives Wasser soll ins Meer geleitet werden

Wie die Regierung auf der heutigen Ministerkonferenz nun offiziell beschlossen hat, soll das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks auf dem Gelände des havariertem AKWs Fukushima Daiichi lagert, ins Meer geleitet werden. Alternativlos beabsichtigt wird die Einleitung ins Meer schon seit längerem, und sollte auch schon vor vielen Monaten offiziell durch die Regierung beschlossen werden, ein Beschluss, der jedoch immer wieder aufgeschoben worden ist (antiatom-fuku berichtete).

Auf dem Gelände lagern mittlerweile 1.250.000 Tonnen hochradioaktives Abwasser in 1047 Tanks, dass schon mehrfach für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente verwendet worden ist und nun nicht mehr zur Wiederverwertung gefiltert werden kann. Die Kapazität sei nun zu 90% erschöpft, und es sei auch kein Platz mehr für weitere Tanks vorhanden, so der Betreiber Tepco.

Das hochradioaktive Wasser wurde zwar kürzlich erneut gefiltert, allerdings konnte die Radioaktivität nur wenig gesenkt werden. Zu dem besteht es zu 70% aus Tritium („überschweres“ Wasser), dass nicht herausgefiltert werden kann! Tritium ist insofern sehr problematisch, da es sich, wenn es in den Körper gelangt, wie „normales“ Wasser verhält, also rasch in jede Zelle gelangt und diese schädigt. Somit ist es auch schon in kleinen Mengen gesundheitsgefährdet.

Die Einleitung des hochradioaktiven Wassers soll in etwa zwei Jahren begonnen und über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren gestreckt werden, so die Pläne des Betreibers Tepco und der Regierung. Die Atomaufsichtsbehörde NRA befürwortet die Pläne ebenfalls.

Die Fischer und Fischereiverbände, die wie die Umweltverbände und viele lokale Bürger die „Entsorgung“ ins Meer strikt ablehnen, befürchten nun weitere wirtschaftliche Einbußen, zumal die Nachfrage von Produkten aus der Präfektur Fukushima seit der Reaktorkatastrophe generell sehr stark eingebrochen ist.

Nicht nur in Japan, sondern auch auf internationaler ebene mehren sich die Proteste. So hat auch die Regierung in Südkorea die Pläne der „Wasserentsorgung“ mehrfach kritisiert.

06.04.2021

AKW Fukushima – 4000 Container mit unbekanntem Inhalt

Auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagern etwa 85.000 Container mit stark radioaktiv kontaminierten Abfällen (gebrauchte Arbeitskleidung, Schutzmasken, Plastikschläuche, Folien etc.), wobei bei 4000 dieser Container völlige Unklarheit darüber herrscht, was diese Container genau beinhalten und in welchen Zustand sich der Inhalt befindet. „Die Analyse, sofern dies überhaupt möglich ist, sei aufgrund der hohen Strahlung sehr aufwändig und brauche viel Zeit“, so ein Tepco-Verantwortlicher auf der gestrigen Pressekonferenz.

Der Wald um das AKW ist verschwunden und die Hälfte des Geländes zum Atommülllager geworden, wo laut Tepco der Inhalt aller Container genaustens dokumentiert sei.  Allerdings stellte sich nun heraus, dass bei den 4000 besagten Containern völlig unklar ist, welcher Container was von den „genaustens dokumentierten“ Abfällen überhaupt beinhaltet. 4 weitere Container wurden in der Bestandsdokumentation sogar erst gar nicht aufgelistet.

An der Oberseite der Stahlcontainer liegt die Strahlung bei 1,5 mSv/h. Vermutungen zufolge, lagerten einige dieser Container, die mittlerweile Korrosionen aufweisen, schon seit vor der Reaktorkatastrophe dort. „Diese Container sein zwar korrodiert, würden jedoch keine Undichtigkeiten aufweisen“, so ein Tepco-Sprecher.

Bereits Ende März wurden auf dem AKW-Gelände korrodierte Behälter mit radioaktiv kontaminierten Abfällen entdeckt, aus denen eine gallertartige Flüssigkeit ausgetreten ist (antiatom-fuku berichtete).

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2020

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019 und den Jahren zuvor.