Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

28.07.2021

AKW Tsuruga, Datenfälschung – NRA überlegt Abbruch der Sicherheitsüberprüfung

In der regelmäßigen Konferenz der Atomaufsichtsbehörde NRA, die heute stattfand, wurden die verfälschten geologischen Daten am AKW Tsuruga, Präfektur Fukui thematisiert. Diese Daten wurden durch den Atomkonzern JAPC, die den Reaktor 2 nach einem Langzeitstillstand wieder in Betrieb nehmen möchte, erhoben, und wie sich bereits im vergangenen Jahr herausstellte, verfälscht (antiatom-fuku berichtete).

Bei Reaktor 2 am AKW Tsuruga handelt es sich um einen DWR aus dem Jahr 1987, der seit Mai 2011 stillsteht. Die Sicherheitsüberprüfung der NRA läuft seit drei Jahren. Am heftigsten umstritten sind geologische Verwerfungen, die unterhalb von Reaktor 2 verlaufen. Eine seismische Aktivität, die nämlich das sofortige Aus für den Reaktor bedeuten würde, wird durch die betreibende JAPC vehement bestritten. Dem zufolge wurden in früherer Zeit erhobene geologische Daten, die auf eine seismische Aktivität hinweisen, nämlich „umgeschrieben“ und dann bei der NRA eingereicht.

Nach dem sich die Zweifel bezüglich der Richtigkeit dieser Daten mehrten, haben einige Konferenzteilnehmer auch die erneute Überprüfung der Dokumente des ebenfalls durch die JAPC betriebene AKW Tokai 2, Präfektur Ibaraki gefordert, dass vor drei Jahre defacto schon für eine 20jährige Laufzeitverlängerung freigegeben worden ist, wenn die geforderte Nachrüstung abgeschlossen ist.

Unter den NRA-Konferenzteilnehmern werden nun auch Stimmen lauter, dass aufgrund der unglaubwürdigen Dokumente sogar der Abbruch der Sicherheitsüberprüfung des Reaktors 2 am AKW Tsuruga in Erwägung gezogen sollte.

 

17.07.2021

AKW Onagawa, Schwefelwasserstoff ausgetreten, sieben Arbeiter verletzt

Am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, ereignete sich bereits am 12.07.2021 ein Zwischenfall, bei dem sieben Arbeiter unbemerkt gasförmigen Schwefelwasserstoff in einer toxischen Konzentration eingeatmet haben.

Im Gebäude für Abfallbehandlung und Materialaufbereitung wird beim Waschen der Arbeitskleidung das gebrauchte Abwasser in einem Tank aufgefangen. Um das beim Reinigungsvorgang entstandene Schwefelwasserstoff zu reduzieren, wird Sauerstoff hinzugefügt, ein routinemäßiger Vorgang. Dabei muss Schwefelwasserstoff aus einem Rohr entwichen und verdampft sein. Diese Gase drangen dann in den Kontrollraum von Reaktor 2 ein. Die dort befindlichen sieben Arbeiter, die diese Gase eingeatmet hatten, klagten über Schwindel und Übelkeit. Die Arbeiter wurden zu Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Im Kontrollraum wurde ein toxischer wert von über 50ppm gemessen.

Die Arbeiten in der Wäscherei wurden ordnungsgemäß durchgeführt, so die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke. Als Ursache wird eine Leckage im Bereich der Abwasserrohre vermutet.

Das AKW Onagawa, bestehend aus drei SWR, ist seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima außer Betrieb, wobei der Reaktor 1 auch seit 2018 endgültig stillgelegt worden ist. Für Reaktor 2 haben die Tohoku Elektrizitätswerke die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme beantragt, so dass dieser zurzeit durch die Atomaufsichtsbehörde NRA auf Erfüllung der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen überprüft wird. Für Reaktor 3 liegt bis heute noch kein Antrag vor.

 

11.07.2021

Japan besitzt 46,1 Tonnen Plutonium - internationale Gemeinschaft besorgt

Die internationale Gemeinschaft zeigt sich besorgt über die großen Plutoniummengen, nämlich 46,1 Tonnen, die Japan besitzt. Davon befindet sich ein Teil noch in den Wiederaufbereitungsanlagen Sellafield, England und La Hague in Frankreich. Insgesamt 46,1 Tonnen, die der internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEA durch die japanische Regierung bis Ende 2020 gemeldet worden sind. Das sind nun 0,6 Tonnen mehr, als im Jahr zuvor.

In den im Juni 2018 überarbeiteten Richtlinien der IAEA zur Plutoniumnutzung ist aber eine Reduzierung der eingelagerten Plutoniummengen vorgesehen. In den drei Jahren zuvor war der Trend auch zunächst rückläufig, allerdings steigen nun die jährlich anfallenden Plutoniummengen wieder.

Das Plutonium wird zwecks Wiederverwertung aus den abgebrannten Brennelementen der AKWs extrahiert. Die internationale Gemeinschaft ist über die großen Plutoniummengen deshalb besorgt, da damit nämlich sehr leicht eine rasche Bereitstellung von Kernwaffen möglich ist. Bisher wurde das Plutonium ausschließlich in Sellafield und La Hague extrahiert. Ab 2023 soll aber die Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho, Präfektur Aomori im vollen Umfang in Betrieb gehen, so dass die Plutoniummengen, die aus den abgebrannten Brennelementen extrahiert werden, noch weiter gesteigert werden. Laut der japanischen Föderation der Atomkonzerne sollen jährlich 0,2 bis 1,4 Tonnen in Form von wiederaufbereiteten Brennelementen, also plutoniumhaltige MOX-Brennelemente in den AKWs „verbraucht“ werden, so dass sich die Plutoniummenge wieder reduziere. Nach Angaben der Föderation werde sich die „angestaute“ Plutoniummenge dann von Jahr zu Jahr wieder reduzieren. Die Praxis hat jedoch bereits gezeigt, dass der „geschlossene“ Brennstoffkreislauf nicht funktioniert, und am Ende sogar nur noch mehr problematischen Atommüll hervorbringt.

Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind 4 mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückte Reaktoren in Betrieb gegangen. Somit werden pro Jahr 6,6 Tonnen Plutonium „verbraucht“, so die Theorie der Atomenergiekommission JAEC.

 

03.07.2021

Störfall am AKW Mihama, Ōi 3 wieder am Netz

Im Reaktorblock 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui, der nach 10 Jahren Stillstand seit dem 23.06.2021 mit einer 20jährigen Laufzeitverlängerung wieder in Betrieb genommen worden ist (antiatom-fuku berichtete), waren am gestrigen Freitag technische Störungen an Pumpen, die zum Dampferzeuger führen aufgetreten, so dass es zum Druckabfall kam. Laut den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken habe jedoch keine Gefahr bestanden.

Der Reaktor, der zunächst im Testbetrieb gestartet worden ist, wurde in seiner Leistung nach und nach auf 75% gesteigert, und sollte dann ab heute in den regulären Leistungsbetrieb übergehen. Die weitere Leistungssteigerung wurde jedoch aufgrund der Störung unterlassen, so dass der Reaktor weiterhin mit 75% Auslastung laufen soll. Als mögliche Ursache für die Störung kommt ein verstopfter Filter infrage. Um den Fehler zu beheben, müsse der Reaktor aber nicht heruntergefahren werden, so die Kansai Elektrizitätswerke.

Heute ging auch der Reaktor 3 am AKW Ōi, der ebenfalls von den Kansai Elektrizitätswerken betrieben wird, nach Beendigung der jährlichen Revision und langwierigen Reparaturarbeiten wieder ans Netz. Der Reaktor wurde im Juli 2020 heruntergefahren. Bei der Revision im vergangenen Jahr wurden Schäden an Wärmerohrleitungen entdeckt, die aufwändig repariert werden mussten. Somit verschob sich die für September 2020 geplante Wiederinbetriebnahme auf den heutigen Tag.

 

30.06.2021

AKW Kashiwazaki Kariwa, weiterer Verzug der Wiederinbetriebnahme von Reaktor 7

Wie der Betreiber Tepco Anfang dieser Woche mittelte, soll der Reaktor 7 am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata, statt wie bisher geplant, nicht in diesem Jahr, sondern erst im laufe des kommenden Jahres wieder hochgefahren werden. Ursprünglich war die Wiederinbetriebnahme so gar für 2019 geplant gewesen. Grund der laufenden Verzögerung sei laut Tepco die Coronapandemie. Der Reaktor wurde aber aufgrund von über 70, zum Teil sicherheitsrelevanten Mängel, die die Atomaufsichtsbehörde NRA bei einer Inspektion Mitte des Monats feststellte, nicht freigegeben (antiatom-fuku berichtete).

 

27.06.2021

Atomaufsichtsbehörde NRA, AKW Shimane, Reaktor 2 für „sicher“ befunden

Die Überprüfung gemäß den gesetzlichen Anforderungen des Reaktors 2 am AKW Shimane, in der gleichnamigen Präfektur Shimane wurde abgeschlossen und der Reaktor von der Atomaufsichtsbehörde NRA nun für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben. Diese wurde Ende dieser Woche auf der regelmäßigen Konferenz der NRA bekannt gegeben. Somit sind es landesweit 17 Reaktoren an 10 AKWs, die von der NRA für „sicher“ befunden worden sind. Davon sind zurzeit 8 Reaktoren in Betrieb, 2 weitere vorrübergehend in der Revision, Reparatur/Nachbesserung, wovon der Reaktor 3 am AKW Ōi, Präfektur Fukui am 03.07.2021 wieder hochgefahren werden soll.

Beim Reaktor 2 am AKW Shimane handelt es sich um einen Siedewasserreaktor (SWR) aus dem Jahr 1988, der seit Anfang 2012 stillsteht. Der Reaktor 1, ebenfalls ein SWR (1974) wurde bereits stillgelegt, und der Reaktor 3, eine sogenannte verbesserte Form des SWR, befindet sich noch in Bau.

In 2,5 km Entfernung zum AKW Shimane verläuft eine seismisch aktive langstreckige Bruchzone. Und trotzdem wurde damals der Bau aller drei Reaktoren genehmigt! Auch bei der jetzigen Überprüfung des Reaktors 2 waren die o.g. geologischen Gefahren kein Ausschlusskriterium, so dass dieser nun für „sicher“ befunden worden ist. Die Genehmigung lokaler Behörden und der Präfekturverwaltung stehen jedoch noch aus, und es ist gibt auch noch keinen Termin für die Wiederinbetriebnahme des Reaktors.  

 

23.06.2021

Altreaktor Mihama 3 seit heute wieder in Betrieb

Der in die Jahre gekommene Reaktor 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui wurde heute Vormittag, nach 10jährigem Stillstand wieder hochgefahren. Der 44 Jahre alte Reaktor, ein DWR, wurde entsprechend den gesetzlichen Anforderungen nachgerüstet, von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und mit einer Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre genehmigt. Unabhängige Experten stehen der Wiederinbetriebnahme jedoch eher skeptisch gegenüber, da sich der Reaktor auf seismisch aktivem Gebiet befindet. Zudem werden Reaktoren aufgrund der Dauerbelastung mit zunehmendem Alter immer störanfälliger. Eine Bürgerinitiative aus der Umgebung hat bereits gegen die Wiederinbetriebnahme des Reaktors Klage beim Amtsgericht Osaka eingereicht. Die Verhandlung steht noch aus (antiatom-fuku berichtete).

Der Reaktor lauft zunächst im Testbetrieb und soll dann nach und nach in seiner Leistung gesteigert werden, so dass er ab dem 27.07.2021 im regulären Leistungsbetrieb läuft. Allerdings bleibt er nur für 4 Monate am Netz. Am 23.10.2021 wird der Reaktor nämlich zwecks Terrorschutznachbesserung wieder heruntergefahren. Diese hätten eigentlich bis zum 25.10.2021 erbracht werden müssen, einen Zeitplan, den die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke aber aufgrund von Versäumnissen nun nicht mehr einhalten können.

Der Reaktor 3 am AKW Mihama ist nun landesweit der erste Altreaktor, der mit einer Laufzeitverlängerung wieder am Netz ist. Zwei weitere Altreaktoren am AKW Takahama sollen im Kürze folgen.

Siehe dazu auch den AKW-Status.

 

21.06.2021

AKW Mihama, Bürgerklage bei Gericht eingereicht

Eine Klägergruppe und ihre Anwälte haben Klage beim Amtsgericht Osaka eingereicht, womit die Wiederinbetriebnahme des Reaktors 3 am AKW Mihama, Präfektur per einstweiliger Verfügung unterbunden werden soll. Entgegen ersten Informationen (antiatom-fuku berichtete), ist heute erst die Klage eingegangen, die Gerichtsverhandlung als solche, steht jedoch noch aus.

Anlass der heute eingereichten Klage sind neben den allgemeinen Gefahren atomarer Anlagen, die zunehmende Störanfälligkeit alternder Reaktoren. Denn bei Reaktor 3 am AKW Mihama handelt es sich um einen DWR aus dem Jahr 1976, der nun eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten hat. Der Reaktor soll am morgigen Mittwoch (23.06.2021) nach 10jährigem Stillstand wieder hochgefahren werden. Er wurde zwar nachgerüstet, allerdings sind zahlreiche Bauteile, wie z.B. Rohrleitungen kaum, bzw. gar nicht zugänglich, so dass man diese gar nicht ausbessern oder austauschen kann. Auch der Stahl des Reaktordruckbehälters ist durch den Neutronenbeschuss im Laufe der Zeit immer spröder geworden, womit die Klage vor Gericht ebenfalls begründet worden ist.

Zudem fand heute eine Protestveranstaltung vor dem Gerichtsgebäude statt, und einer der Anwälte, der die Klägergruppe vertritt, sprach vor der Presse und kritisierte dabei die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke, die demnächst nämlich noch zwei weitere Altreaktoren ans Netz nehmen wollen.

 

19.06.2021

AKW Mihama: Bürgerinitiative klagt gegen die Wiederinbetriebnahme

Der Altreaktor 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui soll am kommenden Mittwoch, den 23.06.2021 nach 10jährigem Stillstand wieder hochgefahren werden. Da gegen klagt nun eine Bürgerinitiative. Anlass der Klage ist nicht nur die erhöhte Gefahr durch alternde Reaktoren, die im Laufe der Zeit immer störanfälliger werden, sondern auch der Standort des Reaktors als solches, nämlich im Bereich seismisch aktiver geologischer Verwerfungen. Zudem befinden sich dicht besiedelte Gebiete, wie die Großstädte Kyoto und Osaka im Umkreis und der Biwasee als wichtiges Trinkwasserreservoir. Die Verhandlung findet übermorgen, also am 21.06.2021 am Amtsgericht Osaka statt. Sollte das Gericht im Sinne der klagenden Bürgerinitiative entscheiden, darf der Reaktor nicht wie geplant am kommenden Mittwoch hochgefahren werden.

Der Reaktor 3 am AKW Mihama ist der landesweit erste von drei Altreaktoren, die die maximale Betriebsdauer von 40 Jahren erreicht haben, aber eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten haben (antiatom-fuku berichtete).

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2020

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019 und den Jahren zuvor.