Strahlenwerte - Messung der Radioaktivität

 

Allgemeines zur Radioaktivität und der durchgeführten Messungen

Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 haben wir die Umweltradioaktivität anhand vier fest installierter Messonden in der Präfektur Fukushima und Tokyo beobachtet und dokumentiert. Die drei deutschen Standorte dienten lediglich zum Vergleich.

Die dokumentierten Strahlenwerte in der Präfektur Fukushima sind zwar im Laufe der Jahre gesunken, was aber nicht bedeutet, dass nun alles wieder „in Ordnung“ ist. Denn bei den verwendeten Messsonden handelt es sich um fest installierte Sonden, dessen direkte Umgebung, vor allem in den ersten Jahren regelmäßig dekontaminiert worden ist, damit diese keine „zu hohen“ Strahlenwerte anzeigen. Außerdem liegt die Strahlung in den Wäldern und Bergen, die nicht dekontaminiert werden können, teilweise deutlich höher, als in den dekontaminierten Wohngebieten. Und diese bieten ebenfalls hier und dort radioaktive Hotspots, da nämlich mit Wind und Regen immer wieder neue radioaktive Partikel herangetragen werden.

Auch wenn die Sonden mittlerweile niedrigere Strahlenwerte anzeigen, ist man, vor allem in der Präfektur Fukushima zum Teil noch sehr weit von den ursprünglichen Werten, die vor der Reaktorkatastrophe registriert worden sind entfernt. Damals lag die Strahlung bei etwa 0,045µSv/h im Schnitt.

Grundsätzlich gilt natürlich auch, dass es keine Untergrenze für Radioaktivität gibt, die man als „unbedenklich" einstufen könnte. Dies gilt auch für kurzzeitig applizierte Strahlendosen, z.B. Röntgen-Aufnahmen, insbesondere für die Mammographie, die wirklich nur nach strengster Indikationsstellung erfolgen sollte.

Säuglinge, Kinder, Immungeschwächte, sowie weitere Erkrankte reagieren deutlich empfindlicher auf Radioaktivität, als junge, gesunde Leute, insbesondere junge Männer.

Zum Vergleich kann man ja auch beim Tabakkonsum keine Untergrenze für die tägliche Zigarettenmenge festlegen, die man bedenkenlos rauchen kann, ohne Arteriosklerose, Krebs und weitere Erkrankungen zu bekommen.

 

Dokumentation der Strahlenwerte, Änderung seit Mitte März 2021

Seit Mitte März 2021, also 10 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 werden wir nur noch einmal im Monat die Strahlenwerte der drei ausgewählten Messstellen der Präfektur Fukushima als Verlauf dokumentieren. Die deutschen Strahlenwerte des BfS zum Vergleich, sowie die gesamten japanischen Echtzeitmessungen (Aktualisierung alle 10 Minuten) können weithin unter ODL, bzw. unter 放射線モニタリング情報Monitoring information of enviromental radioactivty Level (nur noch bis Ende Juni 2021), jedoch auch hier (ab sofort) abgelesen werden.

 

  Aktuelle Strahlenwerte (Präfektur Fukushima) am 01.05.2021 

Fukushima City 0,117µSv/h

Kōriyama

0,176µSv/h
Iwaki 0,086µSv/h

=> vorherige Strahlenwerte

 

Die fest installierten Strahlenmesssonden

Bei den angezeigten Strahlenwerten der fest installierten Messsonden, die überall in der Präfektur Fukushima vorhanden sind, ist zu beachten, dass vor allem in Gebieten mit einer höheren Strahlung, die direkte Umgebung der Messsonden regelmäßig gut dekontaminiert wird, bzw. die Messsonden als solche vorsätzlich verkehrt kalibriert worden sind, so dass diese einen zu niedrigen Wert anzeigen. Dabei sind Abweichungen bis zu 50% möglich (09/2018).

Fest installierte Strahlenmesssonde in der Nähe vom Fukushima Hauptbahnhof. Diese Messsonde befindet sich an einer viel befahrenen Hauptstraße neben einem Fußgängerweg und zeigt einen Wert von 0,612 µSv/h (Radioaktivität in der Umgebung/Echtzeitmessung) an. Ein Strahlenwert der mit der Gesundheit noch „vereinbar" wäre, würde bei etwa bis zu 0,095 µSv/h liegen. Der hier gemessene Wert ist um das 8 bis 10-fache zu hoch und wäre noch höher, wenn man vor der Installation der Messsonde nicht den Boden saniert hätte. Zudem werden die Werte zu niedrig angezeigt, da die meisten Messsonden vorsätzlich verkehrt geeicht worden sind. (Bild: Petra Alt 04/2013)

Starke Schwankungen der radioaktiven Strahlung innerhalb kurzer Abstände möglich

Die an den Messstellen abgelesenen Werte sind nicht für den gesamten Ort verbindlich, sondern nur in unmittelbarer Umgebung der Messsonde. In Tokyo zum Beispiel schwanken die Werte von 0,049 µSv/h bis 0,250 µSv/h; trotz geringer Abstände von nur wenigen Metern bzw. geringen Höhenunterschieden. Somit gib es auch in Tokyo zahlreiche Stellen, an den eine höhere Strahlung gemessen wird.

Beispiele selbst durchgeführter Messungen, die durch Anwohner im Dezember 2012 vorgenommen wurden sind:

Tokyo, Ortsteil Nihonbashi, Messung in der Luft: 0,239 µSv/h.

Am Bahnhof Shinagawa (zentral in Tokyo gelegen): 0,137 µSv/h. Demnach liegt Tokyo zum Teil sogar auch schon im roten Bereich. Diese Daten werden offiziell jedoch nicht bekannt gegeben. Die offiziell bekannt gegebenen Radioaktivitätsmesswerte liegen bei etwa 0,049µS/h.

Und dem entsprechend sind in der Präfektur Fukushima die Strahlenwerte zum Teil noch viel höher als an den über 500 fest installierten Messsonden, dessen Werte eh schon sehr hoch sind. Hinzu kommt noch die laufende „Reinigung'' der fest installierten Messsonden, die dem Zweck dient, dass die Sonden nicht zu hohe Werte anzeigen. Auch über weitere Manipulationen dieser behördlich betreuten Messsonden wurde in der Vergangenheit schon spekuliert bzw. eine Manipulation nachgewiesen. Das betrifft vorwiegend jene Sonden, die eh schon sehr hohe Werte anzeigen.

Vor der Installation der Messsonden wurde eine besonders gründliche Dekontamination mit Austausch bzw. Sanierung der obersten Erdschicht/ Neuasphaltierung der Gehwege etc. vorgenommen.

Durch all diese Maßnahmen wurde die Radioaktivität in unmittelbarer Nähe der Messsonden bis zu 50% gesenkt.

 

Echtzeitmessungen der Strahlenwerte für Japan:

Die Werte werden alle 10 Minuten aktualisiert. Zur Ansicht, bitte auf folgenden Link klicken, dann auf den gewünschten Bezirk.

Radioaktivitätsmessnetz der Atomaufsichtsbehörde NRA

In Deutschland ist das Bundesamt für Strahlenschutz für die Messung der Umweltradioaktivität zuständig. Zu den Messwerten:

Radioaktivitätsmessnetz des Bundesamt für Strahlenschutz

Messung der Radioaktivität durch antiatom-fuku

Messprotokolle aus der Umgebung des AKWs Fukushima Daiichi aus dem Jahr 2014 und 2015. Hierbei handelt es sich um Stichproben aus verschiedenen Gebieten. Zu den Messprotokollen

Radioaktive Belastung am AKW Fukushima Daiichi

Boden- und Wasserproben am AKW Fukushima Daiichi

Um sich einen Überblick über die radioaktive Belastung auf dem AKW-Gelände, Hafenbecken und Küstenbereich zu verschaffen, werden am havariertem AKW Fukushima Daiichi laufend an verschiedenen Stellen Boden- und Wasserproben entnommen. Diese werden durch den Betreiber Tepco täglich veröffentlicht.

Zu sehen ist eine Skizze des AKW-Geländes. Die Skizze ist zwar naturgemäß auf Japanisch beschriftet, aber dennoch (mit Einschränkung) zu verstehen. Um die Messergebnisse der gewünschten Bereiche einzusehen, klickt man auf das gewünschte weiße Feld (1 bis 6 durchnummeriert).

Als Verständigungshilfe, da die Karten in japanischer Schrift verfasst sind, ein paar kleine Hilfen: セシウム137 => Cäsium137, セシウム134 => Cäsium134, トリチウム => Tritium.

Datum der Probensammlung (採収 => Sammlung): Das Datum wird in Japan „rückwärts“ und oft auch ohne Jahreszahl geschrieben z.B.11/30, also 30.11.2016.   

Messergebnisse der gesammelten Proben am AKW Fukushima Daiichi, täglich neu.

 

Archivdaten der Umweltradioaktivität in der Zeit vor Tschernobyl

Archivdaten der Strahlenmessung für Deutschland in der Zeit vor Tschernobyl sind kaum bzw. gar nicht zu bekommen. Es ist also anzunehmen, dass die Strahlenwerte, vor allem in Bayern, vor dem Super-GAU in Tschernobyl deutlich niedriger gewesen sind als heute.

Vor dem GAU im AKW Fukushima dai ichi lag die Umweltstrahlung in Fukushima City bei etwa 0,046 µSv/h. Der jetzige Durchschnittswert liegt bei gesundheitsgefährdenden 0,300 bis 0,600 µSv/h in den bewohnten Gebieten, in der Sperrzone entsprechend höher.

Wenn man heute die landesweiten Strahlenwerte von Japan und Deutschland vergleicht, stellt man fest, dass die Werte in Japan, ausgenommen der Landkreis Fukushima, deutlich niedriger sind, als in Deutschland!

Im Schnitt liegen die Werte in Japan, abgesehen von der Präfektur Fukushima, bei etwa 0,029 bis 0,050 µSv/h. Die Durchschnittswerte in Deutschland liegen bei etwa 0,065 bis 0,180 µSv/h. Nur auf den Forschungsplattformen Fino 1 und 2 in der Nord-bzw. Ostsee werden niedrigere Werte, die bei ca. 0,030 µSv/h liegen, gemessen. 

 

Letzte Änderung: 03/2021